Baugebiet „Am Fischerweg“

Knappe Abstimmung wegen Straßennamen in Erharting: Heilige müssen sich den Bäumen beugen

Die dominierende Straße des neuen Baugebietes soll zum Buchenweg werden, die zwei weiteren Straßen nach Norden sollen Ahornweg (rechts) und Birkenweg (links) heißen. Auch die Pflanzung neuer Bäume sprach Bürgermeister Huber an, verwies dabei auf ein Naturdenkmal im neuen Baugebiet, eine alte Eiche (im Plan grün markiert).
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Die dominierende Straße des neuen Baugebietes soll zum Buchenweg werden, die zwei weiteren Straßen nach Norden sollen Ahornweg (rechts) und Birkenweg (links) heißen. Auch die Pflanzung neuer Bäume sprach Bürgermeister Huber an, verwies dabei auf ein Naturdenkmal im neuen Baugebiet, eine alte Eiche (im Plan grün markiert).
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Die Straßen im neuen Baugebiet „Am Fischerweg“ werden nach Bäumen benannt. Und Bürgermeister Matthias Huber will in Erharting günstigen Wohnraum schaffen und dafür auch Zuschüsse abgreifen.

Erharting – Erst waren die Namen ehemaliger Bürgermeister im Gespräch, dann standen Heilige zur Diskussion, geworden sind es am Ende Bäume: Der Erhartinger Gemeinderat hat den Straßen im neuen Baugebiet „Am Fischerweg“ Namen gegeben und orientierte sich letztlich an bereits bestehende Straßennamen. Denn einen Eichenweg und einen Lärchenweg gibt es bereits. Die neuen Straßen sollen nach Buche, Ahorn und Birke benannt werden. Die Straßennamen standen bereits in der Septembersitzung auf der Tagesordnung einer Sitzung. Damals hatte der Gemeinderat Einigkeit bei der Hausnummerierung gezeigt, die Festlegung der Straßennamen hatte der Rat allerdings vertagt.

Bürgermeister schlug Bürgermeister vor

Auf Nachfrage erklärt Bürgermeister Matthias Huber (UWG), dass anfangs Namen verdienter Erhartinger Bürgermeister zur Diskussion gestanden seien. Die Namen Licht, Gründl und Fuhrmann seien dabei im Gespräch gewesen. Weil die Länge des Namens moniert worden seien, sei man davon wieder abgerückt mit dem Hinweis auf Gegenvorschläge. Mesnerin Martina Karl (UWG) hatte daraufhin die Namen von Heiligen in Spiel gebracht, was die Freien Wähler auch durchaus unterstützt hätten, wie Josef Schmid (FWG) betont.

Noch vor der letzten Sitzung hatte Leo Biermaier vom Brauchtumsverein Erharting nicht nur Namensvorschläge für in Frage kommende Heilige – Kilian, Ulrich und Wolfgang – gebracht, sondern auch deren Bezug zu Erharting erläutert. Heilige als Namenspatronen für Straßen? Das wäre für die Gemeinde Erharting ein Novum gewesen. Zum Heiligen Kilian weiß Heimatforscher Leo Biermaier, dass es sich dabei um den ursprünglichen Patron der Hampersberger Kirche handelt.

Erinnerung an das Schinaglkircherl

Der Heilige Ulrich sei Patron einer weiteren Kirche am Dornberg gewesen, die im Volksmund auch als Schinaglkircherl bekannt sei, weil sie unmittelbarer Nachbarschaft des gleichnamigen Hofes gestanden sei. Die Kirche sei 1806 abgebrochen worden. Während die Einrichtungsgegenstände in umliegende Kirchen verteilt worden seien, sei die Figur des Heiligen Ulrich nach Hampersberg verbracht worden, die seitdem auch nach dem Heiligen Ulrich benannt ist. Und auch zum Heiligen Wolfgang gibt es eine Verbindung. Eine Reliquie des Heiligen soll sich im Altar der Hampersberger Kirche befinden.

Erhartinger Verbindungen führen auch an den Wolfgangsee

Eine Verbindung hat die Gemeinde auch nach Sankt Wolfgang am Wolfgangsee, wohin regelmäßig Wallfahrten führen. Laut Biermaier befinden sich in der dortigen Wallfahrtskirche auch zwei Votivtafeln aus Erharting. Das habe die FWG überzeugt, „auch weil ich eine Benennung nach Bäumen einfallslos finde“, gibt Schmid in diesem Zusammenhang zu.

Am Ende wurden es Buche, Birke und Ahorn

In der Sitzung sei es dann anders gekommen. Der Vorschlag der Verwaltung zielte auf Baumnamen ab. Demnach sollte die neue Straße im Bereich des Baugebietes „Am Fischerweg“, die vom nordöstlichen zum südwestlichen Bereich des Baugebietes führt, den Straßennamen „Buchenweg“ erhalten. Die östliche Stichstraße, die vom zukünftigen „Buchenweg“ nach Norden abzweigt, sollte „Ahornweg“ heißen. Und wenn der Briefträger die westliche Stichstraße, die vom zukünftigen „Buchenweg“ nach Norden abzweigt, befährt, dann liefert er Post ab, die an den „Birkenweg“ adressiert ist.

Mitten in der neuen Siedlung steht ein Naturdenkmal

Die Beschlussvorlage sah vor, dass die Verwaltung bei einem entsprechenden Beschluss beauftragt wird, nach Fertigstellung der Straßen im Baugebiet „Am Fischerweg“ diese als Ortsstraßen zu widmen. Diesen Vorschlag trugen nicht alle mit. Knapp mit 5:3 Stimmen wurden die Bäume den Heiligen vorgezogen. Verwundert zeigt sich Josef Schmid: „Wir hätten den Vorschlag von Marina Karl unterstützt. Aber sie hat dann anders abgestimmt.“ Bürgermeister Matthias Huber stellte sich hinter die Baum-Idee, zumal es mitten im neuen Baugebiet mit der alten Eiche auch ein Naturdenkmal gibt. Entsprechend der Straßenbezeichnung sei es geplant, eben solche Bäume zu pflanzen.

Zuschüsse für sozialen Wohnungsbau

Und auch sonst hat Huber bereits Ideen, wie das Baugebiet gestaltet werden soll. Unter dem Punkt Bekanntmachungen informierte der Erhartinger Bürgermeister die Gemeinderäte über Möglichkeiten zur Wohnraumschaffung einschließlich entsprechender Fördermöglichkeiten. Solche seien im Rahmen der Bürgermeisterdienstbesprechung am 12. Oktober 2020 vorgestellt worden. Im Fokus stehen dafür die Parzellen rund um den Fischerbauerhof, wo Mehrfamilienhäuser errichtet werden sollen. Er will sich mit einem Vertreter der Kreiswohnbaugesellschaft treffen, um Möglichkeiten zur Schaffung von günstigem Wohnraum zu eroieren. Die Ergebnisse will er bereits zur nächsten Sitzung am kommenden Mittwoch, dem Gemeinderat vorstellen (Beginn 19.30 Uhr).

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