Keine Nacht der Musik in Neumarkt-St. Veit – aber vielleicht einen „Sommer in der Stadt“?

Ein Hauch Italien: Einkaufen in lauer Sommernacht und Musik – das war bislang ein gängiges Konzept der Werbegemeinschaft. Corona erteilt der Vranstaltung Ende Juli eine Absage.
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Ein Hauch Italien: Einkaufen in lauer Sommernacht und Musik – das war bislang ein gängiges Konzept der Werbegemeinschaft. Corona erteilt der Vranstaltung Ende Juli eine Absage.

In Zeiten von Corona ist Erfindungsgeist gefragt. Werbegemeinschaft überlegt sich Alternativkonzepte. Plötzlich kommt ein digitaler Fremdenführer wieder ins Spiel.

Von Josef Enzinger

Neumarkt-St. Veit– Laue Sommernächte, Musik an jeder Ecke, dazu offene Geschäfte bis Mitternacht – beinahe schon mediterranes Flair lockt Jahr für Jahr die Neumarkter auf den Stadtplatz. 2020 muss diese „Nacht der Musik“ ausfallen. Corona hat es den Veranstaltern – die Verkehrs- und Werbegemeinschaft in Zusammenarbeit mit der Stadt – unmöglich gemacht, ein tragfähiges Konzept einer unbeschwerten Sommernacht zu erstellen. Werberings-Vorsitzender Christian Göttlinger gibt aber noch nicht auf.

Digitaler Stadtführer in der Warteschleife

Erst Einschränkungen, dann Lockerungen, aber Planungssicherheit, um eine Veranstaltung durchzuführen, gibt es nicht in Zeiten von Corona. „Geschäfte und Lokale dürfen zwar öffnen. Aber sobald das Ganze als Veranstaltung tituliert wird, wird es schwierig“, klagt auch der Vorsitzende der Verkehrs- und Werbegemeinschaft Neumarkt-St. Veit. Das Konzept mit der Nacht der Musik hatte sich dafür in den vergangenen Jahren stets bewährt. „Doch aktuell kann man nichts planen. Fast täglich gibt es Änderungen, neue Lockerungen. Anweisungen, was man darf oder zu lassen hat“, erzählt Göttlinger davon, wie schwierig es ist, ein Alternativkonzept für die „Nacht der Musik“ zu entwerfen.

Im Austausch mit den Genehmigungsbehörden

Er sei in ständigem Austausch mit der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt, redet mit der Regierung von Oberbayern über verlängerte Öffnungszeiten. „Der Termin Ende Juli ist nicht mehr realistisch“, macht Göttlinger alle Erwartungen auf die alljährliche Veranstaltung auf dem Stadtplatz zunichte. „Zu kurzfristig!“

Das Buhlen um Tagestouristen

Göttlinger verhehlt nicht: Man muss sich breiter aufstellen, sich an die neuen Rahmenbedingungen anpassen. Und so macht er sich darüber Gedanken, wie man über die Musiknacht hinaus Besucher in die Stadt locken könnte. „Tagestouristen“, so Göttlinger, der die Initiative der Stadt begrüßt, den Volksfestplatz nicht nur für zusätzliche Parkplätze zur Verfügung zu stellen, sondern auch Stellplätze für Busse oder Wohnmobile zu generieren. „Die vielen Wohnmobiltouristen, die zu uns kommen, werden bislang nur bedingt wahrgenommen, aber das soll sich ändern.“

Einzigartig, romantisch, historisch

Und plötzlich beginnt Göttlinger zu werben. Um die vielen schönen Seiten: Der einzigartige Stadtplatz, romantische Ecken in der historischen Altstadt, der Herzogliche Kasten, der Bahnhofskomplex mit den prunkvollen Gebäuden rund um das alte Amtsgericht oder das Ensemble von St. Veit. „Wir können uns gut vorstellen, Reisegruppen individuell zu begrüßen und charmant durch unsere Stadt zu begleiten.“ Alleine an den Ehrenamtlichen fehlt es, um die Kleinode der Stadt näher zu bringen, beklagt Göttlinger.

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Auf Erlebnistour mit digitalem Fremdenführer

Da sollte eigentlich eine App einspringen. Interaktive Erlebnistouren über einen digitalen Fremdenführer, der beim Rundgang über den Neumarkter Stadtplatz via GPS-Lokalisierung über das Smartphone mit dem Nutzer kommuniziert. In Kraiburg gibt es diese App namens „Locandy“ bereits seit drei Jahren, auch in Burghausen begleitet diese App den Touristen auf zwei Touren. 2019 sollte sie eigentlich auch in Neumarkt-St. Veit an den Start gehen, auch die Gremien Oberbergkirchen, Mühldorf und Waldkraiburg hatten bereits entsprechende Beschlüsse gefasst.

„Eigentlich sollten die Ausschreibungen dafür zu Beginn dieses Jahres erfolgen. Doch zuerst die Kommunalwahl und dann Corona – das hat zu Verschiebungen im Zeitplan geführt“, erklärt Andrea Streiter vom Projektträger, dem Tourismusverbands Inn-Salzach. Man sei aber im stetigen Austausch mit den Kommunen, hat sich rückversichert, ob der Haushalt die Investition wegen Corona überhaupt noch zulässt. „Wir haben von allen das Okay erhalten“, ergänzt dazu Streiter.

Eine App für 80 000 Euro

Insgesamt kostet die Ausstattung der oben genannten Kommunen mit der App rund 80 500 Euro brutto, dafür gibt es eine Leader-Förderung in Höhe von knapp 39 500 Euro, der Tourismusverband steuert insgesamt 9250 Euro bei, die Kommunen selbst sind mit jeweils 7960 Euro am Start. „Es steckt eine aufwendige Logistik zur Erstellung der App nötig. Das geht nicht virtuell, das muss vor Ort erfolgen.“ Sollte Corona und ein erneuter Lockdown die Arbeiten nicht behindern, könne es durchaus sein, dass die erste Tour schon Ende des Jahres möglich wäre, so Streiter.

Alternative: „Sommer in der Stadt“

Bis zu ersten virtuell geführten Tour durch Neumarkt müssen sich die Rottstädter also noch gedulden. Göttlinger will aber nicht so lange warten, um wieder ein deutliches Lebenszeichen aus Neumarkt-St. Veit zu senden. Seine Hoffnungen auf eine Alternativveranstaltung zur „Nacht der Musik“ hat er jedenfalls noch nicht begraben. „Der neue Titel könnte ,Sommer in der Stadt‘ lauten.“ Eine Ausstellung im Herzoglichen Kasten wäre denkbar, die Öffnung des Schulmuseums, wenn auch nur für eine überschaubare Anzahl an Besuchern. Vereinzelt könnte man auch Straßenkünstler engagieren, gegen eine Autopräsentation sei ebenfalls nichts einzuwenden. Mit einigen Wochen Vorlaufzeit wäre eine solche Veranstaltung aber „wohl erst zum Ende der Ferien möglich!“, sprudelt Göttlinger vor Ideen. Wohlwissend: Am Ende entscheidet dann doch wieder das Virus.

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