Kein Neubau in Niedertaufkirchen: Mit Modulen geht es auch ins nächste Kindergartenjahr

Asphalt neben der Krippe, der sich aufheizt und dann auch noch die Sonne, die direkt auf die Container brennt. In der Ferienzeit ist das kein großes Problem, weil die Module leer stehen. Sie bleiben auch im neuen Kindergartenjahr stehen. Zu viele Kinder besuchen die Kindertageseinrichtung, als dass die Gemeinde auf das zusätzliche Raumangebot verzichten könnte. Sie möchte es auch nicht, weil die Lösung wirtschaftlicher ist als ein Neubau.
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Asphalt neben der Krippe, der sich aufheizt und dann auch noch die Sonne, die direkt auf die Container brennt. In der Ferienzeit ist das kein großes Problem, weil die Module leer stehen. Sie bleiben auch im neuen Kindergartenjahr stehen. Zu viele Kinder besuchen die Kindertageseinrichtung, als dass die Gemeinde auf das zusätzliche Raumangebot verzichten könnte. Sie möchte es auch nicht, weil die Lösung wirtschaftlicher ist als ein Neubau.

Diese Gründe nennt der Niedertaufkirchener Bürgermeister Sebastian Winkler für die Bebehaltung der Containerlösung. Wie sieht es in den anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach aus?

Von Josef Enzinger

Niedertaufkirchen – Die Tafel für die Wochenplanung ist verwaist, die Stühlchen sind hochgestellt, die Teppiche beim Reinigen: Ferienzeit im Kindergarten von Niedertaufkirchen, der im vergangenen Jahr um fünf Module ergänzt worden ist, weil der Bedarf an Betreuungsplätzen das Angebot bei Weitem übertroffen hatte. Und sie bleiben stehen. Auch im nächsten Kindergartenjahr. Bürgermeister Sebastian Winkler erklärt, warum.

Krippenplätze sind alle vergeben

Zwölf Krippenplätze für drei Gemeinden. „Diese Plätze werden kontinuierlich in Anspruch genommen. Wir sind eigentlich immer ausgelastet“, sagt Georg Wagenbauer zur Kinderbetreuung in Niedertaufkirchen, die erst vor wenigen Jahren durch den Anbau einer Krippe erweitert worden ist. Die drei Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Rohrbach hatten sich vor fast zehn Jahren darauf geeinigt, dass für sämtliche Krippenkinder in der VG dieser zentrale Hort geschaffen wird. Doch auch die Krippe platzte irgendwann aus allen Nähten, so dass zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten geschaffen werden mussten.

Fünf Module zu einem Gruppenraum kombiniert – das soll so bleiben

Im vergangenen Jahr installierte die Gemeinde Niedertaufkirchen deswegen auf dem Areal des Kindergartens eine zusätzliche Gruppe, bestehend aus fünf kombinierten Modulen. Das hat offenbar ganz gut geklappt, denn die Gemeinde Niedertaufkirchen wird auch im kommenden Kindergartenjahr auf die Containerlösung setzen. „Die Krippengruppe wird aber von den Modulen in den Kindergarten verlegt, an ihrer Stelle kommen die größeren Krippen- und die kleineren Kindergartenkinder als gemischte Gruppe in den Container“, weist Niedertaufkirchens Bürgermeister Sebastian Winkler auf eine Änderung hin.

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Module sind kostengünstiger als Anbau

Aktuell sieht er keine Notwendigkeit, an der Situation vor Ort etwas zu ändern. Die Raummodule hätten sich als Alternativlösung zu einem Neubau bewährt, kosten schließlich auch nur einen Bruchteil eines Ausbaus, der nach Ansicht Winklers irgendwann wieder leer stehen würde. Bei 957 Euro Miete pro Monat muss die Gemeinde für die Container pro Jahr maximal 11 000 Euro zahlen. „Selbst wenn wir über einen längeren Zeitraum auf diese Lösung zurückgreifen müssen, kommt uns das immer noch billiger als ein Neubau“, argumentiert Winkler für die Beibehaltung der mobilen Einrichtung. Und zwar bis die Auslastung wieder zurückgeht.

Winkler rechnet eher mit einem Rückgang der Geburtenzahlen

Denn mit dem großen Babyboom rechnet Winkler aktuell nicht. Eher im Gegenteil: „Wir hatten schon die Situation, dass das Zustandekommen einer Grundschulklasse gefährdet war. Ich denke nicht, dass die Gemeinde so stark wachsen wird. Zumindest nicht um soviel, dass die Kinderbetreuung an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen könnte.“

Baugrund ist aktuell nicht zu haben – damit auch kaum Zuzug möglich

Es wäre natürlich etwas anderes, wenn die Gemeinde ein neues Baugebiet ausweisen würde. „Das wären ganz andere Voraussetzungen“, so Winkler. Doch Baugrund ist aktuell nicht zu haben. Ohne Baugebiet kein Zuzug. Ohne Zuzug keine jungen Familien. „Und damit auch kein weiterer Betreuungsbedarf. Wir gehen aktuell davon aus, dass wir 2021/2022 keine weiteren Plätze benötigen.“

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Winkler: Kindergartenerweiterung schneller als privater Hausbau

Und sollte die Geburtenrate steigen, „kann man schnell reagieren“, verweist Winkler auf Gemeinden, die dann binnen kürzester Zeit einen Kindergarten hochgezogen haben. Ähnlich argumentiert er bezüglich eines neuen Baugebietes: „Wenn denn Baugrund plötzlich doch vorhanden wäre: Ein Kindergarten wäre dann schnell gebaut, lange, bevor überhaupt die Voraussetzungen zum Bau des ersten Hauses erfüllt wären.“

Verkaufsstopp von Bauland erwirkt

Ein weiteres Wachstum der Gemeinde will Winkler aktuell ohnehin nicht. Für die beiden verbleibenden Grundstücke, die im neuen Baugebiet „Einfeld II“ noch zu haben sind, hat die Gemeinde einen Verkaufsstopp erwirkt.

Dem Niedertaufkirchener Bürgermeister ist durchaus bewusst, dass die Container nicht das beste Image genießen, alleine schon der Begriff Container schrecke ab. „Deswegen spreche ich immer von Modulen!“ Stehe man erst im Raum, merke man gar nicht, dass es zusammengesetzte Elemente seien, findet Winkler. Die Zwischenlösung bleibt also zunächst eine dauerhafte.

Krippe der drei VG-Gemeinden ist seit 2011 bereits in Betrieb

Seit September 2011 ist in Niedertaufkirchen die Kinderkrippe in Betrieb, die als gemeinsames Projekt der Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach als Anbau an den bestehenden Kindergarten entstanden ist. Die Kinderkrippe umfasst insgesamt zwölf Plätze, wovon fünf die Gemeinde Niedertaufkirchen für sich beansprucht, vier fallen der Gemeinde Niederbergkirchen zu, drei Plätze werden von Erhartinger Kindern belegt.

Kindergartenanbau zum Kindergartenjahr 2021/22 fertig

Derzeit ist die Krippe ausgelastet, in den Gemeinden wird deshalb mit Blick auf die Zukunft schon darüber gegrübelt, wie zukünftige Jahrgänge betreut werden können. In Niederbergkirchen wird aktuell der katholische Kindergarten erweitert. Fertigstellungstermin wird nach Angaben von Bürgermeister Werner Biedermann wohl Ende April/Anfang Mai sein. Zweigruppig soll die Kindertageseinrichtung dann ab dem Kindergartenjahr 2021/2022 weitergeführt werden.

Eine Gruppe ist auf 28 Einheiten ausgelegt. Ein Integrationskind beansprucht vier Einheiten, ein Kind unter drei Jahren zwei Einheiten, fügt Biedermann erklärend hinzu.

Komplette Auslastung: Eltern nehmen im Kindergarten Abstriche in Kauf

Die Erweiterung war notwendig geworden, weil der Kindergarten derzeit komplett ausgelastet ist. „Wir können dennoch den Bedarf erfüllen. Und das ist der Tatsache geschuldet, dass wir Eltern haben, die dazu bereit waren, einzelne Tage zur Kinderbetreuung abzutreten“, erklärt Biedermann. Pfarrsekretär Otto Wagner habe in Sachen Koordination ganze Arbeit geleistet.

Unterbringung in fremde Kindergärten kostet der Gemeinde viel Geld

Mit der Erweiterung hofft Biedermann, dass zukünftig alle Kinder, die aktuell noch in Kindergärten außerhalb der Gemeinde untergebracht würden, dann die Betreuung in Niederbergkirchen in Anspruch nehmen. Der Niederbergkirchener Bürgermeister spricht hier von über zehn Kindern. Er erwähnt den Elternwillen bei der Auswahl der Einrichtung, den man respektieren müsse. Auf der anderen Seite jedoch hat Biedermann die zusätzlich mindestens 3500 Euro pro Kind im Auge, die eine Fremdunterbringung pro Jahr kostet.

Künftig auch Platz für Hortkinder

Nach Fertigstellung des Anbaus sei dann auch Platz für die Nachmittagsbetreuung der Hortkinder aus der Grundschule. „Aus meiner Sicht sehr wichtig, da in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten auf diese Form der Kinderbetreuung angewiesen sind.“ Und dann erwähnt Biedermann auch noch das Baugebiet Kollmannseck, das sich wohl vor allem mit jungen Familien füllen werde. Bebaubar wird das Areal ab Mitte 2021 sein, 22 Bauplätze – 19 gemeindeeigene und drei private – stehen dann zur Verfügung.

In Erharting muss man allmählich die Weichen stellen

Einen konkreten Ausbau der Kinderbetreuung hat Erhartings Bürgermeister Matthias Huber noch nicht im Blick. Er weiß aber, dass er rechtzeitig die Weichen stellen muss. Knapp 30 Kinder würden derzeit den Kindergarten besuchen, die Krippenkinder werden nach Niedertaufkirchen gefahren.

Erweiterung in der Pfarrgasse nicht möglich

Allerdings: „Eine Erweiterung des bestehenden Kindergartens in der Pfarrgasse, ist aus Platzgründen nicht möglich. Ich denke, in den nächsten Jahre wird ein Neubau fällig.“ Dann werde man auch mögliche Krippenplätze in Blick haben.

Der Bedarf werde spätestens dann zunehmen, ist sich Huber sicher, wenn erst einmal der Baugrund „Am Fischerweg“ verkauft wird. 24 Parzellen stehen zur Verfügung. Und natürlich rechnet Huber damit, dass es vor allem junge Familien sein werden, die sich ein Baugrundstück sichern werden.

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