Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Verein hat keine Zukunft mehr

Ist Wandern wirklich kein Trend? Neumarkter Verein löst sich nach 46 Jahren auf

Ein Bild, das es so nicht mehr geben wird: Die Neumarkter Wanderfreunde haben ihre Auflösung beschlossen, nachdem sich keine Nachfolger für die Vorstandsposten gefunden hatten. Becker
+
Ein Bild, das es so nicht mehr geben wird: Die Neumarkter Wanderfreunde haben ihre Auflösung beschlossen, nachdem sich keine Nachfolger für die Vorstandsposten gefunden hatten.
  • Peter Becker
    VonPeter Becker
    schließen

Im zweiten Anlauf hat es doch noch geklappt: Die Wanderfreunde haben sich bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung aufgelöst. Nachdem sich bereits bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen kein neuer Vorstand gefunden hatte, war es für Siegfried Huber ein schwerer Gang, im Gasthaus Holzkarrer vor die 25 Mitglieder zu treten.

Neumarkt St. Veit –Wie der Dreh und Angelpunkt des Vereins erklärte, stand seine Familie in den 46 Vereinsjahren oft genug hinter den Belangen des Wandervereins zurück: „Ich bin jetzt auch nicht mehr der Jüngste, und meine Frau ist auch krank. Es geht einfach nicht mehr“, entschuldigte der 82-Jährige seinen Entschluss, nicht mehr weiterzumachen.

Siegfried Huber war von der Gründung bis zur Auflösung der Vorsitzende der Wanderfreunde Neumarkt-St. Veit.

Da sich auch unter den 25 Anwesenden bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung keine vier Personen fanden, die künftig die Verantwortung übernehmen wollten, musste über die Auflösung abgestimmt werden, die mit einer Gegenstimme beschlossen wurde.

Wie sich Siegfried Huber erinnerte, fanden erste Wanderungen bereits 1970 statt, ein Jahr später firmierten die Wanderfreunde dann bereits als Abteilung des Turn- und Sportvereins.

Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Mühldorf finden Sie hier:

Die eigentliche Vereinsgründung war am 9. Juli 1976 und nun, ziemlich genau 46. Jahre später, ist Schluss: „Auch die bereits geplanten Wandertage werden nicht mehr durchgeführt“, erklärte Siegfried Huber nach der Abstimmung. Die für den 3. August geplante Ausflugsfahrt nach Mittenwald hingegen schon.

Vereinsvermögen geht an den katholischen Kindergarten

Das verbleibende Vereinsvermögen soll dem katholischen Kindergarten gespendet werden. Die Frage, warum es nicht, wie 2015 beschlossen, an alle Kindertagesstätten gespendet würde, konnte die Seele des Vereins klar beantworten: „Die städtischen Einrichtungen haben die Spenden nie persönlich in Empfang genommen.“ Siegfried Huber muss nun beim Vereinsregister, beim Notar und beim Finanzamt die Auflösung betreiben, was nach spätestens einem Jahr auch vollzogen sein muss.

Nachwuchs fehlt und „Wandern“ ist nicht im Trend

Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen zeigte sich Siegfried Huber realistisch: „Das Wandern ist einfach kein Trend mehr“, so der Mann, der dem Verein von Anfang bis Ende vorstand. Die besten Zeiten hätten die Wanderfreunde in den 1980er- und 1990er-Jahren mit zeitweise mehr als 600 Mitgliedern gehabt. Doch auch wenn es aktuell immer noch 233 Wanderfreunde gibt, so befinden sich darunter praktisch keine jungen Menschen und auch keine Familien.

Bei den Ausflügen in ganz Europa unterwegs

Im Rückblick auf die vergangenen 50 Jahre überwiegen für ihn die positiven Erinnerungen, denn alleine mehr als 200 mehrtägige Ausflüge hat Siegfried Huber dabei in Summe organisiert. Mit Bus und Bahn und besonders wichtig, dem Bildungsanteil ging es mindestens nach Schweden, Holland, Tschechien, Slowenien, Italien, Slowakei, Belgien und Norwegen, wobei Huber keine Garantie auf Vollständigkeit gibt.

Plötzlich hielt Königin Beatrix an

„1989, während unserer Reise nach Holland, da hatten wir in Den Haag ein Treffen mit Königin Beatrix“, erinnert er sich. „Da hielt eine Limousine an, und plötzlich stand sie da.“ Natürlich gab es noch viel mehr gemeinsame Erlebnisse, wie Wandertage, Weihnachtsfeiern, Gottesdienste, Schafkopfturniere, Nachbarschaftstreffen, Badefahrten und, und, und. Auch beim Ferienprogramm der Stadt war man regelmäßig dabei. Etwas Besonderes war die ab 1980 bei St. Johann im Pongau gepachtete Hütte, die man gemeinsam renoviert habe. Doch nachdem die benachbarte Scheune und der Stall im Jahr 1988 abgebrannt waren, verlangten die Behörden in Salzburg auch den Abriss des Hauptgebäudes.

Jetzt bleiben nur noch Erinnerungen

Mit der Auflösung hat das Vereinsleben offiziell ein Ende, doch die Erinnerungen werden bleiben, da ist sich Siegfried Huber sicher.

Kommentare