Innenministerium setzt auf Dialog

Die häufigste Variante bei Mastneubau für unser Netz ist der Schleuderbetonmast, wie auf dieser Fotomontage für Neumarkt - damals noch in unmittelbarer Nähe zum Hochbehälter - simuliert. Aber auch ein Gittermasten käme bei der Errichtung von Funkmasten in Frage (kleines Bild). Foto re
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Die häufigste Variante bei Mastneubau für unser Netz ist der Schleuderbetonmast, wie auf dieser Fotomontage für Neumarkt - damals noch in unmittelbarer Nähe zum Hochbehälter - simuliert. Aber auch ein Gittermasten käme bei der Errichtung von Funkmasten in Frage (kleines Bild). Foto re

Anfang September hatte der Neumarkter Stadtrat den Standort eines Funkmastens für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) abgelehnt. Die Nähe zur Wasserversorgung und ästhetische Gründe kritisierten die meisten Stadträte (wir berichteten). Eigentlich könnte das Innenministerium dieses Abstimmungsergebnis ersetzen und trotzdem bauen. Doch die verantwortliche Projektgruppe DigiNet setzt auf den Dialog.

Neumarkt-St. Veit - "Wir bemühen uns um eine einvernehmliche Lösung", beteuert Polizeihauptkommissar Roland Radler, der in der Projektgruppe DigiNet des bayerischen Innenministeriums für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Man werde keinesfalls die Bedenken ignorieren und die Ablehnung der Stadt durch einen Beschluss der übergeordneten Behörde, in diesem Fall das Innenministerium, revidieren. "Wenn sich im Dialog herausstellt, dass es die Möglichkeit gibt, den Masten um 100 Meter zu verschieben, dann würde ich dies nicht grundsätzlich ausklammern", zeigt sich Radler kompromissbereit.

Der Vorwurf der Geheimniskrämerei, was diesen Funkmasten betrifft, habe zum Teil seine Berechtigung, verhehlt Radler nicht. Er erklärt dazu aber, dass die Planer vom Bund angehalten worden seien, die Suche nach einem geeigneten Standort möglichst diskret zu behandeln. "Es handelt sich schließlich um ein Hochsicherheitsfunknetz mit einem hohen Sicherheitsbedarf. Es darf nicht zusammenbrechen."

Intelligente Systemtechnik

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für Neumarkt sei die beauftragte Firma Telent präzise vorgegangen, habe Standorte untersucht und zusammen mit Vertretern der Rettungsdienste mögliche geeignete Stellen ermittelt. Funkplaner hätten dann die Bedingungen vor Ort bewertet und die Versorgung simuliert. Denn: Bei einem geeigneten Standort dürfe es keine "weißen Flecken" geben, er meint dabei Funklöcher an Stellen mit Unfallschwerpunkten, so Radler weiter. "Optimalerweise liegen solche weiße Flecken in Waldgebieten", erklärt Radler. Nach Abwägung der Standortalternativen werde im nächsten Schritt die Wirtschaftlichkeit geprüft, "der Top-Kandidat setzt sich dann durch", erklärt Radler das gängige Prozedere, das schließlich zum Standort in der Nähe des Neumarkter Hochbehälters geführt hätte, daran gebe es auch nichts zu rütteln.

Nicht nur mit Kritik wegen des Standortes sei die Projektgruppe konfrontiert, oft zielten die Kritikpunkte auch auf ein befürchtetes "Dauersenden, rund um die Uhr", wie es Radler nennt, ab. Fakt sei, dass zwei Frequenzen nutzbar seien, davon wiederum sende eine Frequenz im Ruhezustand mit etwa einem Viertel ihrer Funkkapazität. Aufgrund der intelligenten Systemtechnik werde das Funksignal nur dann ausgesendet, wenn auch tatsächlich ein Empfänger vorhanden ist.

Bei der Technologie handele es sich um Tetra (Terrestrial Trunked Radio), ein international standardisiertes digitales Bündelfunk-System, das zwar auf einem 20 Jahre alten Standard basiere, aber stets weiter entwickelt worden ist. Auf jeden Fall sei es dem veralteten analogen und störanfälligen System vorzuziehen, zumal auch die Verständigung durch eine Geräuschfilterfunktion stark verbessert sei.

Ein weiterer positiver Effekt des digitalen Funknetzes: Durch die entstehenden 945 Standorte für Basisstationen in ganz Bayern könnten mittelfristig etwa zwei Drittel der zirka 3500 analogen Funkanlagen abgebaut werden.

80 Prozent Zuschuss für Erstausstattung

Sorge vor zu hohen Kosten, die auf die Kommune durch die Ausrüstung ihrer Rettungskräfte, in Neumarkt immerhin sieben Feuerwehren zukommen, zerstreut Radler. Laut Finanzierungsvereinbarung erhält die Kommune pro Standort, der sich auf einem kommunalen Grundstück befindet, eine einmalige Aufwandsentschädigung in Höhe von 5000 Euro. Mit 80 Prozent Zuschuss finanziert der Freistaat die Erstausstattung der Endgeräte, in diesem Fall für die Feuerwehr, informiert Radler.

Der Polizeihauptkommissar setzt auf Dialog, will sich mit der Gemeinde auseinandersetzen. Wenn der Bedarf vorhanden sei, stelle er sich auch gerne der Diskussion bei einer Info-Veranstaltung. Doch habe er schlechte Erfahrungen: "Die Gegner argumentieren sehr emotional und aus dem Bauch heraus, während ich Sachargumente liefere", er berichtet mittlerweile sogar schon über einen aufkeimenden Tourismus von aufgebrachten Gegnern. Oft ließen sich verunsicherte Bürger von Geschichten über eine erhöhte Strahlung negativ beeinflussen. Doch Radler verweist hier auf die Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur, die die Einhaltung der Grenzwerte garantiere. je

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