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Geschichte des Klosterbräus

In Fassaden, Fenstern und bei Ebay: Der Neumarkter Klosterbräu ist tot – und doch lebt er fort

Die Klosterschänke hat schon jahrzehntelag keinen Gast mehr gesehen, die Fenster sind vernagelt. Doch die Glasbilder gibt es noch.
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Die Klosterschänke hat schon jahrzehntelag keinen Gast mehr gesehen, die Fenster sind vernagelt. Doch die Glasbilder gibt es noch.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Fast 40 Jahre nach dem Niedergang der letzten Neumarkter Brauerei finden sich immer noch Erinnerungsstücke an den Klosterbräu. An den Fassaden, in den Häusern, ja sogar in Fenstern. Ein kleiner Rundgang durch Neumarkt-St. Veit.

Neumarkt-St. Veit – Der Putz bröckelt zwar da und dort. Dennoch kann man noch klar erkennen, was einst der große Stolz der Stadt Neumarkt-St. Veit war. Die Klosterbrauerei zu Sankt Veit prägte seit 1643 viele Jahrhunderte lang nicht nur das Ortsbild im Schatten des St. Veiter Kirchturms. Auch an den Fassaden der Wirtshäuser um den Ortskern herum wurde das Klosterbier verewigt.

Die Stiftskirche und der Klosterbräu – eng verwoben. Noch heute erinnert ein Bild an der Fassade an die Klosterschänke, die in den 80er Jahren ihre Pforten schloss.

Kunstwerk beim Buchnerwerk

Beim Buchnerwirt: Ein Mönch überreicht einem Soldaten des Cheveauleger-Regiments, wohl in Anlehnung an die Schlacht von 1809 einen Krug Klosterbier.

Beim ehemaligen Buchner-Wirt, am Oberen Vormarkt der Stadt, etwa nimmt in Anlehnung an die Schlacht von 1809 ein Soldat des Cheveauleger-Regiments von einem Mönch mit dem Sankt Veiter Kirchturm im Hintergrund einen Krug Klosterbier zu sich. Das Kunstwerk ist noch sehr gut erhalten.

Nicht mehr erhaltungsfähig: Am Wandbild des Künstlers Paul Schweiger am ehemaligen Gasthaus Löchl bröckelt der Putz.

Am ehemaligen Gasthaus Löchl an der Altöttinger Straße hingegen, an das noch eine Inschrift in der Fassade erinnert, hat der Zahn der Zeit bereits seine Spuren hinterlassen. Der Putz ist feucht geworden, und zusehends brüchig.

Zu großer Schaden am Schwaiger-Bild

Und auch Thomas Kahabka, der sich viel vorgenommen hat, um das in Familienbesitz befindliche Gebäude zu sanieren, hat keine Hoffnung, dass er das Bild noch retten kann. Das Bild vom Neumarkter Bildhauer und Maler Paul Schwaiger war in den 1930er Jahren entstanden. „Aber die Schäden sind zu weit fortgeschritten, um es noch zu restaurieren“, bedauert Kahabka. Und doch spürt man eine gewisse Nähe zum Klosterbier von Sankt Veit auch in den Innenräumen. Denn in der ehemaligen Gastwirtschaft existiert noch die Tresenbeleuchtung des Klosterbräus. Status: unverkäuflich.

Bei Ebay werden Bierdeckel versteigert

Überhaupt scheint das Klosterbier nach wie vor gefragt zu sein. Im Online-Auktionshaus Ebay werden Bierdeckel des Klosterbräus für bis zu zehn Euro angeboten. Biermarken gibt es für 14 Euro. Man ist auf der Suche nach Schafkopfkarten mit dem Wappen des Klosterbräu auf der Rückseite. Originalsteinkrüge werden sogar mit bis zu 125 Euro gehandelt. Bleibt nur noch, den Krug mit dem richtigen Bier zu füllen.

Klosterbräu hat Betrieb in den 80ern eingestellt

Die Klosterbrauerei hat zwar ihren Betrieb in den 80er Jahren eingestellt. Brauereitechnisch war Neumarkt seitdem eine Diaspora. Doch seit diesem Jahr gibt es immerhin wieder ein Neumarkter Bier. Richard Hirschberger und Hanjo Hellfeuer haben sich mit ihrem St. Veiter Märzen an die Neumarker Bierbrauer-Tradition angelehnt.

Und sie setzen alles daran, dass es kein einmaliges Geschmackserlebnis bleibt. Bald schon soll die St. Veiter „Sommerhoibe“ kommen. Der erste Sud wurde in dieser Woche beim abgefüllt. Pünktlich zu Pfingsten soll es dann das Bier im freien Verkauf geben.

KeinVolksfest, dafür aber ein Sommerbier

Da wäre eigentlich Volksfest in Neumarkt-St. Veit, das aber schon vor Wochen wegen Corona abgesagt worden ist. Und wenn die Neumarkter schon auf den Festzeltbetrieb und den dazugehörigen Volksfestspaß verzichten müssen, dann sei ihnen zumindest eine Gaumenfreude vergönnt, finden Hirschberger und Hellfeuer.

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Hobbybrauer lassen dreifache Menge St. Veiter Bier produzieren

Der Volksfestauszug hätte am 20. Mai stattgefunden. „Wenn wir viel Glück haben, bringen wir das hin“, hofft Hellfeuer. Spätestens aber in der Pfingstwoche soll es das Export-Bier mit 5,2 Prozent Alkohol an die Reeptur des Klosterbräus anlehnt. Hopfen und Getreidesorte seien Original, betont Hellfeuer.

Aufgrund der großes Resonanz beim Märzen ließen Hirschberger und Hellfeuer diesmal die dreifache Menge brauen. Aus den zehn Tonnen Gerste von Hubert Stadler aus Wiesbach sollen 300 Hektoliter gebraut werden, das es dann bis Ende Oktober geben wird – wenn es vorher nicht ausgeht. Denn Hellfeuer bestätigt nach dem „Zwick‘ln“: „Es läuft runter wie Öl!“

Die Geschichte des Klosterbräu

1643 bis 1802: Gründung und Betrieb der Klosterbrauerei durch die Benediktinermönche

1802 bis 1829: Nach der Säkularisation des Klosters Übernahme durch des adelige Damenstifts St. Anna

in München

1829 bis 1858: Weiterbetrieb durch den neuen Besitzer Max Freiherr von Speck-Sternburg

1858 bis 1894: Weiterbetrieb durch den neuen Besitzer Max von Montgelas, danach von Sohn Hugo

1894 bis 1903: Weiterbetrieb durch den neuen Besitzer Anton Hertrich, nach dessen Tod durch seine

Witwe Julie Hertrich.

1903 bis 1922: Weiterbetrieb durch Sohn Otto Hertrich als Schloßbrauerei Hertrich

1922: Gründung der Schloßbrauerei Hertrich AG am 16. August 1922

1923: Fusion mit der Genossenschaftsbrauerei Neumarkt – Gründung der Klosterbräu St. Veit – Neumarkt a. Rott AG (ab 1935 Klosterbräu St. Veit AG).

1984: Einstellung des Braubetriebes der Klosterbräu St. Veit AG

1998: Auflösung der Aktiengesellschaft Klosterbräu St. Veit AG

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