Im Herbst 1920 erobert König Fußball Neumarkt – und schon damals war der Schiri schuld

Tollkühne Kicker in gestreiften Hemden: Die erste Mannschaft im Jahr 1936.
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Tollkühne Kicker in gestreiften Hemden: Die erste Mannschaft im Jahr 1936.

Fußball in Zeiten von Corona. Mit Zuschauern? Ohne Zuschauer? Die Entscheidung darüber wird leidenschaftlich debattiert. Wer jedoch glaubt, dass Diskussionen rund um das runde Leder vor 100 Jahren emotionslos waren, der irrt.

Von Walter Janii

Neumarkt-St. Veit –Mal ist der Schiedsrichter am Ausgang eines Spiels schuld. Dann aber war es genau der Unparteiische, der eine Eskalation auf dem Spielfeld verhindert hatte. Fußball bewegt die Gemüter Rückblick in eine Zeit, als der Fußball noch in den Kinderschuhen steckte. Bei der Wiedergründung des Turnvereins Neumarkt an der Rott am 15. August 1920 wurde die Fußballabteilung ins Leben gerufen.

Erster Anstoß gegen die Vilsbiburger

Es lag in den Händen der beiden Spielwarte Hans Wammetsberger und Josef Stumpf, eine schlagkräftige Elf zusammenzustellen und für die Utensilien zu sorgen. Das erste offizielle Fußballspiel einer Neumarkter Elf fand am Sonntag, 10. Oktober 1920 in Vilsbiburg statt.

Erste Fußballspiele im Oktober 1920

Dort hatte man ebenfalls ein paar Monate zuvor eine Fußballabteilung gegründet. Dass Spiel endete mit einem knappen 3:2 Sieg für die Gastgeber. Der Lokalredakteur des Neumarkter Anzeigers Hermann Döring vermeldete dazu: „In einem uns zugeleiteten Bericht wird Klage geführt, dass das Spiel leider unter dem Eindruck eines parteiischen Schiedsrichters gestanden sei. Infolgedessen wird auch auf dessen Konto die Niederlage Neumarkts gesetzt. Die Neumarkter Elf spielte aufopfernd, besonders der Mittelläufer und der Tormann.“

Am 17. Oktober wurde das erste Spiel im damaligen Neumarkt an der Rott ausgetragen, über dessen Verlauf Döring schrieb: „Auf dem provisorischen Spielplatz der Fußballmannschaft Neumarkt traten am Sonntag Mannschaft und Fußballabteilung Eggenfelden II zum ersten hier stattfindenden Wettspiel an.“

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Von einer großen Überlegenheit der Neumarkter ist die Rede. Während anfangs der Kampf flau von statten ging, entwickelte er sich schon bis zur ersten Halbzeit (4:0) zu einem fairen Spiel. In den zweiten 45 Minuten konnte Neumarkt noch dreimal „einsenden“, während Eggenfelden nur das Ehrentor blieb.

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Ein „Hipp-Hipp-Hurra!“ auf die Neumarkter

Der Neumarkter Mannschaft widmete Döring dann „zu ihrem so glänzendem Siege ein dreifaches Hipp Hipp Hurra! Es waren am Schauplatz des Turniers etwa 200 Zuschauer anwesend.“

Die Fußballbegeisterung nimmt stetig zu

Die Fußballbegeisterung wuchs. Am letzten Oktobersonntag 1920 fand im Rahmen des ersten Stiftungsfestes des Neumarkter Turnvereins ein Freundschaftsspiel gegen Pfarrkirchen statt. Im Neumarkter Anzeiger hieß es: „Obwohl der Wind grimmig kalt über das Spielfeld hinwegblies, sodass es sogar einigen Gnackfettigen zu bunt wurde, ging doch der Kampf vonstatten.“ Neumarkt gewann mit 3:1.

Größere Rohheiten bleiben aus

Am 7. November spielt die Neumarkter Elf gegen Eggenfelden. Dabei ging es hoch her, wie Döring berichtet. Und dieses Mal kommt sogar der Schiedrichter gut weg: „Das Benehmen der Gästemannschaft war sehr unsportlich. Es ist nur der Umsicht des Schiedsrichters aus Mühldorf zu verdanken, dass das Spiel nicht zu größeren Rohheiten ausartete.“

Die Fußballer etablieren sich

Zum Jahresende 1920 ist der Fußballsport in Neumarkt an der Rott angekommen. Auch organisatorisch können sich die Neumarkter Fußballer innerhalb des Turnvereins etablieren. In der Monatsversammlung im Dezember 1920 berichtet der Neumarkter Anzeiger über diese Entwicklung, verweist dabei auf einen ansehnlichen Aktivkassenbestand von 150 Mark. „Ferner wurde beschlossen, die Haftpflichtversicherung für seine Mitglieder recht ausgiebig für alle Fälle festzulegen.“

Fußball im Winter – selbst wenn der Rasen zum Sumpf wird

Die Begeisterung machte auch vor den winterlichen Festtagen nicht halt, so vermeldete die Ortszeitung. Das Wetter am Dreikönigstag 1921 hätte den Spielplatz in einen Sumpf verwandelt, schreibt Döring. Doch das „Wettspiel“ zwischen den Fußballspielclubs Neumarkt a. R. und Tüßling fand statt. „Trotz der malerischen Kostümierung der Tüßlinger schnitten diese sehr schlecht ab. Das Spiel endete mit 4:0 zugunsten Neumarkts.“

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