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Nachwuchs spielt mit Herz und Können

Höchste musikalische Qualität beim Akademiekonzert in Neumarkt-St. Veit gezeigt

Zur Abwechslung mitreißender Tango: Facundo Barreyra (Mitte) hatte sichtlich Freude an der Begeisterung des Streicherensembles.
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Zur Abwechslung mitreißender Tango: Facundo Barreyra (Mitte) hatte sichtlich Freude an der Begeisterung des Streicherensembles.

Zum 18. Mal fand die Mühldorfer Sommerakademie statt. Beim Konzert der der Teilnehmer wurde im Kulturbahnhof in Neumarkt-St. Veit deutlich: Was im Rahmen der Akademie mit den jungen Künstlern erarbeitet wird, hat hohes Niveau. Dies ist angesichts der Qualität der Dozenten aber nicht verwunderlich.

Neumarkt-St.Veit – Die Teilnehmer der Sommerakademie entscheiden selbst, auf welche Musikstücke sie im Verlauf der Akademiezeit besonderen Wert legen, und wie sie das Programm des Konzerts gestalten. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Die jungen Leute, die eine Möglichkeit nutzen, ihr Können zu perfektionieren, stellen hohe Ansprüche an sich selbst. Wer also beim Sommerakademie-Konzert ein „Best of“ der „Klassikhitparade“ erwartet, wäre sicher enttäuscht. Ausgewählt wurden durchwegs Musikstücke, die nicht unbedingt zu hören sind, wenn man einen Klassik-Radiosender einschaltet, sondern Werke, die an Künstler hohe Ansprüche stellen, nicht nur an das technische Können, sondern auch an die eigene Auseinandersetzung mit Komponisten und deren Musik.

Von Stamitz bis Tango

Ganz oben auf dem Programzettel stand ein Viola-Konzert von Carl Stamitz, der durchaus gefällige Musik komponiert hat und zu Lebzeiten einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte. An der Viola im Saal des Kulturbahnhofs zeigte Christopher Sandberg sein großes Können. Begleitet wurde er von Ludmilla Kogan am Klavier, einer ausgezeichneten Musikerin, wie sich im Laufe des Konzertes noch öfter erweisen sollte.

Nach einem gekonnten Bach, der Partita Nr. 1 in h-moll, gespielt von Johann Sötzler, war einer der besonderen Höhepunkte des Konzerts zu hören. Von Bela Bartok komponiert, spielte Caroline Spengler auf der Viola, wieder begleitet von Kogan, ein Viola Konzert. Fehlerfrei sowieso, zeigte die Künstlerin eine beeindruckende Leistung auch in der Interpretation – so mancher Bartok-Interpret könnte sich von ihr noch inspirieren lassen.

Eine Fantasie, basierend auf Bellinis Oper „La Sonnambula“, komponiert von Giovanni Bottessini für Kontrabass und Klavier hatte sich Tony Zhixiong Liu ausgewählt, er wurde von Anja Kleinmichel am Klavier begleitet, die ihrer Kollegin Kogan in Bezug auf Können und Einfühlungsvermögen in Nichts nachstand. Liu ist ein Könner am Kontrabass, von der diesem Instrument oft nach gesagten „Behäbigkeit“ war nichts zu spüren.

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Vor der Pause erklang das wohl herausragendste Stück des Spätnachmittags. Zwei junge Männer hatten sich Dmitri Schostakowitsch ausgewählt und von ihm die berühmte Sonate für Viola und Klavier op. 147 vorgeführt. Dozent Florian Richter machte seine Liebe zu diesem Stück in einer leidenschaftlichen Anmoderation spürbar. Er holte Hintergründe vor den Vorhang, die dann, als die beiden jungen Musiker Eike Coetzee an der Viola und Viktor Satler am Klavier spielten, auch nachvollziehbar wurden. Der Komponist, vom Diktator Stalin mit Berufsverbot belegt, lässt die Angst mitspüren, die er hatte, wenn das Klopfen der Geheimdienstmänner an den Türen zu hören war, die innere Zerrissenheit, ob er sein Heil in der Flucht suchen könnte, die immer noch große Liebe zur Heimat, Verzweiflung und Hoffnung. Dass zwei so junge Männer ein so persönliches Werk so gekonnt interpretieren, davor kann man nur den Hut ziehen und den Dozenten bestätigen: Ihre Leistung geht über den Unterricht am Instrument deutlich hinaus und das ist es, was die Sommerakademie über den Rang eines Geheimtipps hinausgehoben hat.

„Lokalmataorin“ Sabine Libera aus Waldkraiburg überzeugte mit ihrer Interpretation einer Sarabande und einer Courante aus einer Bach-Suite mit musikalischer Eleganz und technischem Können. Und ganz zum Schluss gab es noch eine musikalische Überraschung: Bandoneon-Profi Facundo Barreryra, der in Kraiburg wohnt, aber international gefragt ist, hatte mit den Streichern mehrere Tangomelodien einstudiert, die das Publikum mitrissen und so etwas wie das mit verdientem langem Applaus gewürdigte Sahnehäubchen des Konzerts waren.

krb

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