Hochbetrieb im Mosthäusl: Die Obstpresse steht in Niederbergkirchen voll im Saft

Timon Hermann und Florian Dirnberger (rechts) bei der Arbeit: Das zerkleinerte Obst pressen die Helfer beim Obstpressen zusammen und fangen den Saft auf.
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Timon Hermann und Florian Dirnberger (rechts) bei der Arbeit: Das zerkleinerte Obst pressen die Helfer beim Obstpressen zusammen und fangen den Saft auf.

Birnen, Quitten, Äpfel: Der überwiegende Anteil der gepressten Früchte wird als Saft abgefüllt, aber auch der Most steht immer noch hoch im Kurs, wenn der Gartenbauverein Niederbergkirchen die Presse hervorholt. In Rekordjahren wurden schon 45000 Liter gepresst –und in diesem Jahr?

Von Bettina Niederschweiberer

Niederbergkirchen – „Wenn’s regnet im August, regnet’s Honig und guten Most“ – diese und noch viele weitere alte Bauernregeln zur Obsternte stehen in Josef Wimmers kleinem roten Buch. Eines haben diese vermeintlichen Weisheiten gemeinsam: So alt sie auch sein mögen, in jedem Spruch steckt etwas Wahres. So wäre das wechselhafte Wetter im August eine gute Voraussetzung für das Apfelmosten, das der Obst- und Gartenbauverein aus Niederbergkirchen auch dieses Jahr wieder durchführt.

Bis Mitte Oktober Hochbetrieb

Im kleinen, rustikalen und unscheinbaren Mosthäusl hinter dem Schützenwirt herrscht von Anfang September bis Mitte Oktober Hochbetrieb. Mit Maschinen und elektronischer Erhitzungsanlage stellt der Verein vorwiegend Apfelsaft, aber auch Apfelmost her.

Im ersten Jahr gleich eine schlechte Ernte

Dass das nicht immer so einfach und modern ging, weiß Wimmer als ehemaliger Vorsitzender. Er kann sich gut an die Anfangszeit erinnern. 27 Jahre war er im Vorstand seit der Gründung des Vereins im Jahr 1985. Klein habe man angefangen, mit wenigen Mitgliedern und überschaubarem finanziellen Spielraum, erzählt er.

1987 hat der Verein dann aber erstmals, auf Rat von Obstbauern, in eine Obstpresse investiert. „Ausgerechnet in einem Jahr, in dem es eine schlechte Obsternte gab und wir die Presse nicht brauchten“, erinnert sich Wimmer. Das Mosten hat damals noch ganz anders stattgefunden. „Früher haben wir uns große 60-Liter-Fässer gekauft und das gepresste Obst für den Most nur mit einer chemischen Flüssigkeit haltbar gemacht. Dass das nicht schmeckte, ist uns schnell klar geworden“, sagt Wimmer und schmunzelt.

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Tageslanges

Fortan haben die Niederbergkirchener den gepressten Saft zu Hause in Töpfen erhitzt und anschließend in Flaschen abgefüllt. Wimmer schüttelt den Kopf, wenn er heute darüber nachdenkt, denn auch das sei ein riesiger Aufwand gewesen. „Man hat ja meist eine große Menge an Äpfeln, die portionsweise abgekocht werden mussten. Da stand man schon tagelang in der Küche.“

Hygienemaßnahmen gelten bei der Obstpresse im Besonderen

Heute geht es einfacher: Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und des Sicherheitsabstandes helfen Angehörige und Mitglieder des Vereins beim Mosten mit.

Organisatorin ist Vorstandsmitglied Sylvia Petermeier. Sie nimmt Anmeldungen entgegen, teilt die Mosthelfer ein und plant den Mosttag. Anhand der Meldezahlen und den von ihr notierten Mengen an Obst, die gemostet werden müssen, vergibt sie über mehrere Tage verteilt dann entsprechende Zeitfenster, damit keine Wartezeiten entstehen.

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Ab 80 Grad Celsius wird der Saft für ein Jahr lang haltbar gemacht

Kassier Florian Gebert erklärt vor Ort, was im Mosthäusl schrittweise passiert: „Zuerst wiegen wir das Obst. Meistens bringen die Leute Äpfel oder Birnen für einen Direktsaft, manchmal auch Quitten. Danach zerkleinert eine Maschine das Obst. Im nächsten Schritt wickeln wir die Masse in große Tücher. Die werden zusammengepresst und der Saft aufgefangen. Die Erhitzungsanlage erwärmt den Saft dann auf 80 Grad Celsius und macht ihn dadurch ein Jahr haltbar. Am Ende füllen wir in die Zehn-Liter-Big-Packs ab.“ Den Abfall sammeln sie auf einem Hänger, den die Jäger als Futter für die Rehe verwenden.

Die Sorte spielt keine Rolle

Dreiviertel der Äpfel, die abgeliefert werden, werden zu Saft verarbeitet. Dabei spielt die Sorte keine Rolle, solange die Früchte reif sind. „Ein Viertel wird zu Most, genauer gesagt Apfelwein“, erklärt Wimmer. In der Herstellung unterscheidet er sich insofern vom Saft, dass der Most nicht erhitzt wird, sondern einen längeren Gärprozess durchläuft, ehe er Ende November nach mehrmaligem Absetzen zu genießen ist.

Man weiß beim Endprodukt, was man hat!

Florian Gebert freut sich, dass viele Leute das Angebot wahrnehmen und ihre Früchte zum Mosten bringen. „Ich finde es super, dass wir die Möglichkeit bieten können, eigene Äpfel oder Birnen aus der Region weiterzuverarbeiten. Man weiß beim Endprodukt dann einfach, dass es selbst gemacht ist und nur Natürliches enthalten ist.“

Auf ein erntereiches Jahr folgt meistens ein schwaches

Die Ernte ist nicht immer gleich, sagt Obstexperte Josef Wimmer. Meistens bewege man sich in einem Zweijahresrhythmus. Auf ein erntereiches Jahr folgt meistens ein schwaches. Dieses Jahr sei die Ernte durchwachsen. 2019 hätten starker Regen und Hagel den Bäumen zugesetzt. Und auch der Frost während der Blütezeit im Frühjahr habe dazu beigetragen, dass es in diesem Jahr weniger Früchte gibt, erklärt Wimmer. Die Bäume müssen sich erst wieder erholen.

Mehr als 5000 Kilogramm sollten 2020 drin sein

Allerdings gab es auch schon ganz andere Zeiten: In besonders ertragreichen Jahren konnte der Verein schon 45 000 Kilogramm Obst mosten. Vorstandsmitglied Sylvia Petermeier erhofft sich für 2020 zumindest die Menge vom Vorjahr. „Etwas mehr als 5300 Kilogramm wären schon wünschenswert, da der Aufwand fürs Waschen und die Reinigung der Anlagen immer gleich bleibt.“

Die Birnen werden zuerst gewogen, ehe sie zerkleinert, gepresst und erhitzt werden.
Der ehemalige Vereinsvorsitzende Josef Wimmer besitzt in seinem Garten zahlreiche Apfelbäume.

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