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Mehr regenerativen Strom produziert als insgesamt verbraucht

Hier ist sogar Ökostrom „übrig“: So schafft Neumarkt das Energie-Wunder

An der Sonnenseite der Ökologie: In der Stadt Neumarkt-St. Veit wird weit mehr Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt als insgesamt verbraucht wird.
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An der Sonnenseite der Ökologie: In der Stadt Neumarkt-St. Veit wird weit mehr Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt als insgesamt verbraucht wird.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Strom von der Sonne, aus Biomasse und aus Kraft-Wärme-Kopplung: Neumarkt-St. Veit produziert mehr regenerative Energie, als insgesamt verbraucht wird. Das sind die Geheimnisse.

Neumarkt-St. Veit – Bei der Bürgerversammlung vor wenigen Tagen verkündete Bürgermeister Baumgartner: „Mittlerweile sind wir bei 125 Prozent angelangt.“

Konkrete Zahlen auf der Bürgerversammlung

Baumgartner lieferte bei der Bürgerversammlung konkrete Zahlen und verglich den Status Quo mit dem Ergebnis von 2015. Damals habe die Stadt Neumarkt-St. Veit einen Gesamtstromverbrauch von 25,1 Millionen Kilowattstunden gehabt. Aus eigener Stromproduktion waren im Jahr 2015 rund 24,7 Millionen Kilowattstunden dokumentiert worden. Also rund 98,4 Prozent des Stroms waren aus eigener Stromproduktion erzeugt worden.

LED bringt massive Einsparung mit sich

Fünf Jahre später ist die eigene Stromproduktion im Vergleich zum Stromverbrauch auf 124,8 Prozent angestiegen. 28,8 Millionen Kilowattstunden sind es nun, was an Ökostrom in Neumarkt-St. Veit erzeugt wird. Im Gegenzug ist der Gesamtverbrauch zurückgegangen. Von 25,1 Millionen auf 23,01 Millionen Kilowattstunden.

Mehr Gewerbetreibende, aber weniger Stromverbrauch

Die Anzahl der „jährlichen Letztverbraucher“ ist im Zeitraum von 2015 bis 2020 von 2288 auf 2418 angestiegen. Damit ist auch der Stromverbrauch von 6,38 Millionen Kilowattstunden auf 6,63 Millionen Euro angestiegen. Bei den gewerblichen Verbraucher aber ein ganz anderes Bild. Zwar ist auch hier die Zahl angestiegen, von 526 auf 566. Der Verbrauch allerdings ist zurückgegangen, von 3,15 Millionen Kilowattstunden auf 2,86 Millionen Kilowattstunden.

Umstellung auf LED beim Straßenlicht macht sich bemerkbar

Aus Sicht der Stadt legte Bürgermeister Erwin Baumgartner einen besonderen Wert auf die Feststellung, dass die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED eine signifikante Stromeinsparung nach sich gezogen habe. Verbrauchten die Laternen in der Stadt 2015 noch 190 556 Kilowattstunden Strom, reduzierte sich die Strommenge für die Beleuchtung nach der Umstellung auf nur noch knapp 47 000 Kilowattstunden.

Fotovoltaikstrom auch vom Dach des Kindergarten und der Schulen

Und das Ende der Fahnenstange – sprich der Ausbau weiterer ökologischer Energieerzeugung und die Suche nach weiterem Einsparungspotenzial ist noch nicht erreicht. Wie Baumgartner bei der Versammlung im Saal des Fruhmannhauses verkündete, werde die Stadt weitere Möglichkeiten ausloten, um Strom durch die Sonne zu gewinnen. Fotovoltaikanlagen sind zum Beispiel am Kindergarten der Rottalzwerge geplant. Die Vergabe dafür hat der Stadtrat in seiner jüngsten, nicht öffentlichen, Sitzung beschlossen.

Sonnenstrom für die Attraktionen im Freibad

Fotovoltaikstrom wird auch im Freibad erzeugt, um den Strombedarf für die Attraktionen zu decken. Die Fotovoltaikanlage am Wasserwerk sei bereits im Betrieb. Eine geplante PV-Anlage an der Grund- und Mittelschule werde zur Eigennutzung und für die Einspeisung herangezogen.

Bauhof und Feuerwehr nutzen künftig Hackschnitzelheizung

Baumgartner wies außerdem darauf hin, dass für den Bauhof und das Feuerwehrhaus eine Hackschnitzelheizung für die Wärme sorgen soll. Die Anlage ist fast fertig, aber wurde noch nicht in Betrieb genommen. Eine neue Heizungssteuerung in der Mehrzweckhalle soll künftig ebenfalls für Stromeinsparungen sorgen, ebenso der Austausch der Heizung in der Grund- und Mittelschule.

Freibad bald warm über die Fernwärme?

Ein ehrgeiziges Projekt ist die Nutzung von Fernwärme. Die Stadt steht hier in Verhandlungen mit dem Betreiber einer Biogasanlage bei Furth, am westlichen Ortseingang von Neumarkt-St. Veit. Geht es nach den Vorstellungen der Stadt, könnte die Wärme nicht nur für das Freibad genutzt werden. Auch öffentliche Gebäude wie der Herzogliche Kasten könnten von der Abwärme des Biomasse-Kraftwerkes profitieren.

Künftig Kriterienkatalog für Freiflächenanlagen

Bei aller Sympathie für ökologisch produzierten Strom, hat sich der Neumarkter Stadtrat zuletzt dafür ausgesprochen, uneingeschränktes Wachstum von Freiflächenanlagen einzudämmen. Nachdem dem Stadtrat ein Antrag für eine Acht-Megawatt-Anlage vorgelegen war, entschied sich das Gremium auf Anregung von Stadträtin Johanna Kaltenecker dafür, erst einmal einen Kriterienkatalog zu entwickeln, der als Basis für zukünftige Entscheidungen dienen soll. Im konkreten Fall bezog sich der Antrag zwar auf eine Fläche entlang einer Bahnlinie.

Freiflächenanlagen: Stadt will Vorschlag erarbeiten

Doch Kaltenecker hatte Skepsis geäußert und argumentativ die Erschließung wertvollen Ackerbodens infrage gestellt. In der Bürgerversammlung sagte Bürgermeister Baumgartner dazu, dass sich die Stadt inzwischen verschiedene Versionen solcher Kriterienkataloge aus anderen Gemeinden eingeholt habe. „Daraus werden wir gemeinsam mit dem Stadtrat einen Vorschlag erarbeiten.“

Großes Interesse an Solarstrom – doch es gibt Lieferengpässe

Solarstrom ist nicht nur in puncto Freiflächenanlagen gefragt. Auch Privatpersonen setzen weiter auf Sonnenstrom. „Die Leute rennen uns die Tür ein.“ Solar-Profi und Heizungsbauer Richard Weindl aus Neumarkt-St. Veit kann sich nicht darüber beschweren, dass die Auftragsbücher leer wären. Nach wie vor nehmen die Leute viel Geld in die Hand, um sich ein Stück weit unabhängig vom Strommarkt zu machen. Photovoltaikanlagen auf dem Dach sind weiterhin im Trend. Einziges Problem: „Wir haben Anfragen ohne Ende, wissen aber nicht, wann und ob überhaupt die bestellte Ware bei uns eintrifft“, klagt Weindl.

Angebot kann am nächsten Tag schon um zehn Prozent höher liegen

Er spricht zum einen von „brutalen Lieferschwierigkeiten“ und von „starken Preisschwankungen“. Ein Angebot könne am nächsten Tag schon nicht mehr darstellbar sein, Kunden müssten auch rückwirkend mit Preiserhöhungen rechnen. Wenn er heute die Technik für eine Fotovoltaikanlage ordert, habe er mit langen Wartezeiten rechnen: „Wenn ich Glück habe, kommen die Module im September, die Batterien allerdings werden nicht vor Weihnachten geliefert.“

Schauen, wie sich der Markt über den Sommer hinweg entwickelt

Das liege daran, dass die Batterien fast ausschließlich aus China kommen. Und dort wird wegen Corona gerade das Leben wieder heruntergefahren. Geschlossene Häfen führten dazu, dass die Produkte aus China auf sich warten lassen. Die Konsequenz: „Wir müssen mittlerweile Leute wegschicken, vertrösten und schauen, wie sich der Markt über den Sommer hinweg entwickelt.

Auf Platz eins steht der Fotovoltaikstrom

In Neumarkt-St. Veit nimmt der Fotovoltaikstrom nach wie vor Platz eins bei den ökologisch erzeugten Energien ein. Im Jahr 2020 wurden durch 615 Solaranlagen 15,52 Millionen Kilowattstunden durch die Sonne erzeugt. Knapp dahinter mit 13,28 Millionen Kilowattstunden kommt die Biomasse. Fünf solcher Anlagen stehen im Gemeindebereich von Neumarkt-St. Veit. Und auch auf Kraftwärmekopplung wird zurückgegriffen. Elf Anlagen sind in Neumarkt gemeldet, im Jahr 2020 haben diese allerdings mit 146 000 erzeugten Kilowattstunden einen verschwindend geringen Anteil am Ökostrom der Rottstadt.

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