Hattenkofers sagen „servus“: Am Freitag schließt das Hotel Post in Neumarkt-St. Veit – vorerst

Am Freitag ist Schluss, verkündet Gastwirt Sepp Hattenkofer: „Ohne Corona hätte ich noch ein halbes Jahr weitergemacht. Vielleicht auch noch ein ganzes Jahr drangehängt. Aber die Vorschriften wegen Corona sind einfach eine unangenehme Belastung.“Jaensch/privat
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Vorzeitiges Ende wegen Corona: Nach 13 Jahren steht wieder ein Pächterwechsel an. Bis Oktober soll der „Postwirt“ allerdings geschlossen bleiben.

Neumarkt-St. Veit– „Zimmerservice und überhaupt Hotelbetrieb ist mit Mundschutz einfach nicht meine Sache“, redet Rosa Hattenkofer gar nicht lange um den heißen Brei herum. Die gelernte Hauswirtschafterin führt seit März 2007 mit ihrem Gatten Sepp das Hotel „Zur Post“ am Neumarkt-St. Veiter Stadtplatz. „Was ist denn das für eine Freundlichkeit – mit Maske?“, fügt sie fragend hinzu, und Gatte Sepp stimmt ihr kopfnickend zu. Jetzt soll Schluss sein. Am Freitag haben die Pächter des „Postwirts“ zum letzten Mal geöffnet.

Beliebter Treffpunkt der Vereine – doch Corona ließ das nicht mehr zu

Vor dreizehneinhalb Jahren übernahmen die beiden Wirtsleute dieses alteingesessene Hotel in Neumarkt-St. Veits Stadtplatz. Zuvor hatten sie bei Landshut lange eine Gaststätte geführt und auch in der neuen Arbeitsstelle fühlten sie sich bald heimisch.

„Die Post“, wie die die Neumarkter das Hotel und Restaurant kurz nennen, war damals schon Heimstätte vieler Vereine. Diese Vereine waren froh, dass sie ihr Heim behalten konnten.

Der Schweinebraten war die Spezialität

Als gutes Speiselokal behielt das Restaurant seinen guten Namen. Sepp Hattenkofer hatte als gelernter Metzger bei einer guten Lehrmeisterin die bayerische Küche ausgiebig gelernt. Im ersten Jahr in der Rottstadt half ihm die gute Seele beim Kochen in der modernen Küche. Nicht nur der Schweinebraten und die Steaks wurden eine Spezialität des Kochs.

Eine Aufnahme von der Post im Jahre 1915, als sie noch als Poststation diente.

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Etliche Stammtische gehörten zum Inventar der Post, durch das Schließen einiger Neumarkter Lokale wuchs diese Zahl stetig an. Die vielen teilbaren Gasträume des Lokals eigneten sich besonders für Jahreshauptversammlungen und Veranstaltungen großer und kleinerer Vereine und Parteien, Familien feierten dort gerne Jubiläen und Feste. Doch in Zeiten von Corona war es still geworden.

Sepp Hattenkofer: „Ohne Corona hätte ich noch ein halbes Jahr weitergemacht!“

Ans Aufhören hatte der Post-Sepp schon gedacht. Immer wieder einmal. „Allmählich habe ich das Rentenalter erreicht. Ohne Corona hätte ich noch ein halbes Jahr weitergemacht. Vielleicht auch noch ein ganzes Jahr drangehängt. Aber die Vorschriften wegen Corona sind einfach eine unangenehme Belastung.“ Deswegen soll schon jetzt Schluss sein.

Der „letzte“ Montagsstammtisch vom 27. Juli, der sehnlichst auf die Wiedereröffnung wartet.

Seine Bedienungen tragen den Mundschutz klaglos. Die „Post“ hatte unter seiner Ägide treue und beliebte Stammbedienungen, und wenn Not am Mann war, konnte er auf bis zu zwölf Aushilfen zugreifen. Die Beliebtheit des Wirtspaares als Arbeitgeber war immer einwandfrei.

Neuer Pächter ab dem 1. Oktober

Wie es scheint, fanden Hattenkofers schon einen Nachfolger für ihre Post. Nur soviel verraten die beiden: Ein Gastwirtspaar, das die bayrisch-schwäbische Küche beherrscht, will am 1. Oktober die Post wieder mit neuem Leben erfüllen.

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Doch für die Hattenkofers ist am Freitag Schluss. Sie verabschiedeten sich bei ihren Gästen, dankten ihnen für die Treue und versprachen, dass sie nicht endgültig von der Bildfläche verschwinden werden. Natürlich werden immer wieder mal von der Isar an die Rott zurückzukommen.

Früher Brauerei und Landwirtschaft

Um 1800 war der Gasthof „Zur Post“ eine Brauerei mit Landwirtschaft, Pferdewechselstelle und Bierkeller sowie amtliche Haltestation für die Postkutschen. Dort konnten sich die Reisenden stärken, während die Knechte frische Pferde für die Weiterreise einspannten. 1780 wird schon ein Peter Rächl als Posthalter erwähnt, dem sein Bruder Felix als Posthalter und Wirt folgt.

In den Chroniken taucht der 1812 geborene Felix Rächl als Bierbrauer und Posthalter der nächsten Generation auf. Dessen Sohn Rudolf Rächl sorgte anschließend dafür, dass sich der Postbräu weiterhin Ansehen genoss. Unter dessen Sohn verschuldete sich der Besitz dermaßen, dass er versteigert wurde. Er zog nach München, wo er 1924 heiratete und schließlich als Buchhalter wieder nach Neumarkt-St. Veit zurückkehrte.Josef Hauer und Josef Wagner hießen die nächsten Posthalter.

Seit 1929 im Besitz der Berghammers

1905 wurde das Gasthaus von der Münchner Unionsbrauerei Schulein & Co. erworben und verpachtet. Von den weiteren Pächtern fällt vor allem Sebastian Wimmer auf, der den Gasthof vergrößerte und renovierte. Im September 1929 erwarb Georg Berghammer das Anwesen, das seitdem in Familienbesitz geführt wurde. Die „Post“ wurde bis nach der Jahrtausendwende von einem Familienmitglied der Berghammers geführt.Bekannt ist der „Postschorsch“, Georg Berghammer (1932 bis 2014), der den Betrieb 1989 an seinen Sohn Georg übergeben hatte. Dieser verunglückte jedoch 2006 tödlich bei einem Fallschirmsprung. Danach hatten die Hattenkofers das Gasthaus übernommen – bis heute.

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