2,5 Stunden Schulweg und 23 Stopps zwischen Schönberg und Mühldorf – Eltern sprechen von "unhaltbaren Zuständen"

Der Schulbusverkehrist in vielen Städten und Landkreisen ein Streitthema. Auch im Landkreis Mühldorf: Schüler, die von Schönberg ins Gymnasium nach Mühldorf oder in die Realschule nach Waldkraiburg müssen, sind täglich rund zweieinhalb Stunden mit dem Bus unterwegs. Symbolbild Marijan Murat/dpa
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Der Schulbusverkehrist in vielen Städten und Landkreisen ein Streitthema. Auch im Landkreis Mühldorf: Schüler, die von Schönberg ins Gymnasium nach Mühldorf oder in die Realschule nach Waldkraiburg müssen, sind täglich rund zweieinhalb Stunden mit dem Bus unterwegs. Symbolbild Marijan Murat/dpa

Eltern kritisieren die ihrer Meinung nach zu langen Fahrzeiten vom nördlichen zur Schule in Mühldorf oder Waldkraiburg. Deshalb seien Kinder täglich fast zwei Stunden im Bus unterwegs und kämen sogar zu spät zum Unterricht. Das Landratsamt wiegelt ab.

Schönberg – Als Andrea Schnablinger auf der Homepage des Landratsamtes über das ÖPNV-Gesamtkonzept gelesen hatte, wollte sie schon beinahe aufatmen. Sie bemüht sich seit dem 2015 darum, die Busverbindung für die Schüler von Schönberg nach Mühldorf ins Gymnasium oder in die Realschule nach Waldkraiburg zu verbessern. Bisher allerdings ohne Erfolg.

Die Schüler sind derzeit rund zweieinhalb Stunden unterwegs, um zur Schule und wieder nach Hause zu kommen. Als es im Gymnasium wegen des G8 noch vermehrt Nachmittagsunterricht gegeben hat, mussten die Schüler sogar mit dem Zug nach Neumarkt-St. Veit fahren und dort von ihren Eltern abgeholt werden, da der Unterricht um 15.15 Uhr endete, der Bus aber bereits um 15 Uhr abgefahren war.

Für Schnablinger, und da ist sie nicht alleine, sind das „unhaltbare Zustände“. Ihre Versuche, Verbesserungen zu erreichen, sind bisher im Sand verlaufen: Die Schulen sind nicht zuständig und im Landratsamt hat sie die Auskunft bekommen, dass nach ihren Berechnungen alles in Ordnung ist.

55 Minuten Fahrzeit für 30 Kilometer

Die Entfernung von Schönberg nach Mühldorf oder nach Waldkraiburg beträgt etwa 18 Kilometer. Das ist eine Fahrzeit von rund 20 Minuten. Die Schüler der Buslinie 7515 müssen allerdings 30 Kilometer bis nach Mühldorf fahren. Sie sind planmäßig rund 55 Minuten unterwegs. Eine Zeit, die nur selten eingehalten werden kann, wie Andrea Schnablinger sagt. Die Strecke führt über Zangberg, Ampfing und Waldkraiburg nach Mühldorf. Die Realschüler nach Waldkraiburg steigen in Ampfing in einen Bus um, der sie direkt zur Realschule nach Waldkraiburg fährt. Deshalb kommen die Realschüler in der Regel pünktlich zum Schulbeginn um 8 Uhr. Die Schüler, die nach Mühldorf ins Gymnasium wollen, kommen dort zwischen 7.40 Uhr und 7.45 Uhr an; allerdings ist der Schulbeginn bereits um 7.50 Uhr. Für Andrea Schnablinger ein Unding: „Wenn schon die gleiche Buslinie für Mühldorf und Waldkraiburg notwendig ist, sollte wenigstens der Schulbeginn an beiden Schulen auch gleich sein. Ein Problem sieht die Mutter auch darin, dass die Zahl der Haltestellen der Buslinie 7515 kontinuierlich erweitert wurden. Von Schönberg nach Waldkraiburg gibt es 17 Haltestellen, bis nach Mühldorf sind es 23.

Als die Buslinie vor 40 Jahren ihren Betrieb aufnahm, waren es zum einen weniger Haltestellen und zum anderen auch weniger Nutzer, sagt Schnablinger. Aber in dieser Zeit seien die Orte gewachsen und der Zulauf an die weiterführenden Schule ebenfalls. Das zeigt sich daran, dass „Schulkinder ab der neunten Haltestelle im Bus stehen müssen und Oberbergkirchen gar nicht mehr angefahren wird, weil der Bus schon voll ist“. Sie würden von einem anderen Bus mitgenommen.

Neben den Schülern, die den Linienbus täglich nutzen, kommen auch noch tageweise Berufsschüler, Schüler der FOS und selbstzahlende Schüler ab der elften Klasse dazu. Das heißt, sie kaufen eine Tages- oder Wochenkarte im Bus, was den Fahrplan dann noch einmal aus dem Takt bringt.

Landratsamt: Fahrzeit normal, keiner kommt zu spät

Da ist die Tatsache, dass die Schüler um 13 Uhr Schulschluss haben, aber noch bis 14.11 Uhr auf dem Schulgelände warten müssen, bis der Bus sie wieder nach Hause bringt, fast schon ein Ärgernis am Rande.

Andrea Schnablinger denkt aber auch noch weiter. Was machen Azubis, die zu ihrem Ausbildungsbetrieb und wieder nach Hause kommen müssen, oder Arbeitnehmer, die kein Auto haben. Chancengleichheit für die Bevölkerung auf dem Land sieht für Andrea Schnablinger anders aus. Aus ihrer Sicht müsste die ÖPNV-Anbindung grundsätzlich überdacht werden.

Das Landratsamt sieht keinen Handlungsbedarf. Auf Anfrage heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, dass die Fahrzeit des Busses nichts Außergewöhnliches sei: „Dies ist bei der Streckenlänge von knapp 40 Kilometern durchaus im normalen Bereich“, heißt es auf Anfrage. Auch die Nutzung von Stehplätzen sei im Rahmen einer bundesweiten Regelung zulässig.

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Obwohl es durch hohes Verkehrsaufkommen vor allem in Mühldorf oder Fahrgäste, die einen Fahrschein lösten, zu Verspätungen kommen könne, seien die Schüler pünktlich da: „Es ist nicht richtig, dass die Schüler wegen einer großen Verspätung des Busses zu spät in der Schule eintreffen“. Die Busse seien spätestens acht Minuten vor Schulbeginn da.

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