Großer Umbau in Lohkirchen: Jetzt kommt Schwung in die Planung der Asylwohnungen

Idyll mitten in Lohkirchen: Am Mittwoch will der Gemeinderat über die Ausschreibungen abstimmen. Die Submission soll Anfang September stattfinden, die Vergaben für die ersten Arbeiten Mitte September erfolgen.
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Idyll mitten in Lohkirchen: Am Mittwoch will der Gemeinderat über die Ausschreibungen abstimmen. Die Submission soll Anfang September stattfinden, die Vergaben für die ersten Arbeiten Mitte September erfolgen.
  • Josef Enzinger
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2016 hat der Gemeinderat zum ersten Mal beraten. Am Mittwoch will der Gemeinderat die ersten Entscheidungen fällen –und dann soll alles Ruckzuck gehen.

Lohkirchen– Aus dem Bankhaus soll ein Wohnhaus werden – so jedenfalls lauten schon seit einigen Jahren die Pläne für das Raiffeisengebäude am östlichen Ortseingang von Lohkirchen, wo künftig anerkannte Asylbewerber wohnen sollen. Doch entschieden wurde noch nichts, weil dem Gemeinderat bislang keine entscheidungsreifen Planungen vorlagen. „Der Planer war überlastet“, erklärt Georg Obermaier, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen die Verzögerung. Deswegen hat die Gemeinde reagiert und das Planungsbüro Gerhard Bichler aus Gangkofen hinzugezogen, das im Rahmen einer Planungsgemeinschaft den Architekten Reichenspurner bei der Erstellung der Ausschreibungsunterlagen unterstützt.

Am Mittwoch Nägel mit Köpfen machen

Das Leistungsverzeichnis für die Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten stellt Josef Reichenspurner fertig. Das Leistungsverzeichnis für die Baumeisterarbeiten erarbeitet derzeit das Büro Bichler, informiert die Gemeinde. Wie sich zuletzt herausgestellt habe, seien noch Detailfragen zu klären – beispielsweise die Einbringung einer Horizontalabdichtung des Mauerwerkes, die in der ursprünglichen Planung nicht vorgesehen war. In der jüngsten Sitzung erfuhren die Gemeinderatsmitglieder, dass die Ausschreibung der Baumeisterarbeiten für das Raiffeisengebäude und für das Heizgebäude aufgrund der fördertechnischen Unterschiede getrennt voneinander zu erfolgen haben. Planer Bichler wird diese und weitere Punkte ansprechen und im Rahmen der nächsten Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 29. Juli, 19 Uhr, vorstellen. Ziel ist es, so schnell wie möglich die Leistungsverzeichnisse fertigstellen zu können.

Vergabesitzung schon am 17. September

Dann soll es Ruckzuck gehen: Als Submissionstermin ist der 10. September angedacht, die Vergabesitzung könnte laut Planung der Verwaltungsgemeinschaft am 17. September stattfinden. Und auch die Bauzeiten hat man schon im Blick: Geplant ist, dass die Rohbauarbeiten im April 2021 abgeschlossen sind.

So weit, so gut. Doch in der zurückliegenden Sitzung flammte plötzlich wieder die Diskussion über die Sinnhaftigkeit auf, Sanierung und Abriss wurden abgewogen.

Ein Abriss ist so gut wie unmöglich

Doch ist ein Abriss überhaupt möglich, zumal es sich bei dem Raiffeisengebäude um ein denkmalgeschütztes Objekt handelt? Lohkirchens Bürgermeister Siegfried Schick (UWG) hatte Kontakt mit dem Landratsamt Mühldorf aufgenommen, das wiederum beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vorstellig geworden ist. Dieses hat daraufhin mit Schreiben vom 29. Juni 2020 die „Denkmaleigenschaft“ bekräftigt.

Theoretisch gibt es die Möglichkeit, dagegen vorzugehen: Möchte die Gemeinde die Denkmaleigenschaft anzweifeln, dann wäre der dafür mögliche juristische Weg, einen Antrag auf Abbruch zu stellen und gegen den Ablehnungsbescheid zu klagen. Ein jahrelanger Rechtsstreit wäre die Folge, warnte die Verwaltung die Gemeinderäte schon in der vergangenen Sitzung.

Das Projekt ist nicht unumstritten: Asylwohnungen mit Stadl-Charakter – aber es ist von Steuergeldverschwendung die Rede

Klageweg mit wenig Aussicht auf Erfolg

Wird die Denkmaleigenschaft bestätigt, was nach Ansicht der Verwaltung in Oberbergkirchen wahrscheinlich ist, dann bliebe noch die Möglichkeit zu versuchen, ein bestehendes Denkmal beseitigen zu dürfen. Die Genehmigungsaussichten sieht Georg Obermaier mehr als gering an, da sich die Gemeinde auf das häufig gebrauchte Argument der Unzumutbarkeit nicht wird berufen können.

Schick: Es kommt nur der Einbau von Wohnungen infrage

In der Sitzung fragte Gerhard Obermaier (UWG) nach, ob die Fördersumme für das Projekt bekannt sei. Bürgermeister Siegfried Schick konnte dazu keine konkrete Aussage treffen. Er betonte aber, dass für das Raiffeisengebäude nur die Variante mit dem Einbau von Wohnungen infrage käme.

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Was kostet der Umbau?

Georg Obermaier will sich zu den zu erwartenden Kosten der Sanierung im Vorfeld der Sitzung am Mittwoch nicht konkret äußern.

Auf Anfrage verweist Obermaier allerdings auf die Fördermittelzusage in Höhe von 630 000 Euro, „doch es wird schon gemunkelt, dass dieser Topf immer leerer wird. Wir hoffen natürlich, dass es nächstes Jahr noch genügend Mittel gibt“.

Von der KfW seien rund 150 000 Euro zu erwarten, weitere 54 000 Euro seien von der Landesstiftung im Gespräch gewesen. Ursprünglich sei die Summe von 1,345 Millionen Euro im Raum gestanden, um das Raiffeisengebäude in Wohnungen für anerkannte Asylbewerber umzuwandeln. Diese Angaben berufen sich allerdings auf eine Kostenschätzung Anfang 2019.

Erst einmal ist Schädlingsbekämpfung angesagt

Obermaier betont in diesem Zusammenhang, dass diese Summe wohl nicht mehr realistisch sei. Er könne aber auch nicht einschätzen, ob die nun im Raum stehende Sanierungsmaßnahme deutlich teurer würde oder vielleicht sogar günstiger. Es sei schwierig, in Zeiten von Corona die Auftragslage bei Baufirmen richtig einzuschätzen. „Wir wollen ihnen Gutes tun, indem wir in diesem Jahr noch ausschreiben. Vielleicht bekommen wir Gutes zurück, indem sich die Kosten in Grenzen halten.“

Zunächst müsse noch eine Schädlingsbekämpfung im Gebälk des denkmalgeschützten Gebäudes vorgenommen werden, so Obermaier. Doch nach der erfolgten Ausschreibung könnten schon im Herbst die Baumeisterarbeiten den Anfang machen.

Gemeinderat beschäftigt sich seit 2016 mit den Sanierungsplänen

Schon seit August 2016 beschäftigt sich der Gemeinderat mit den Planungen zum Umbau des Raiffeisengebäudes, speziell für Wohnungen, in denen anerkannte Asylbewerber untergebracht werden sollen. Damals wurde aus den Statuten zitiert,dass Gemeinden bei der Städtebauförderung einen Fördersatz von bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten erhalten, wenn sie leer stehende Gebäude sanieren, damit dort anschließend anerkannte Flüchtlinge wohnen können. Mit der Sanierung sollen Kosten für einen Abriss und Neubau eingespart und gleichzeitig alte Gebäude im Ortskern wiederbelebt werden. Die Vorgabe: Die Wohnungen müssen für mindestens sieben Jahre an anerkannte Asylbewerber vermietet werden. Der Gemeinderat hatte damals das Vorhaben mit 9:0 befürwortet.

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