Große Solidarität beim Blutspenden zu Coronazeiten: Zwölf Erstspender in Neumarkt-St. Veit

Die fleißigen Helfer vor Ort: Das Ehrenamtsteam um Wilma Kalisch, Teamleiterin, Hilde Baumgartner, Hausfrau, Barbara Niederreiter, Hausfrau, Marianne Zentmeier und Petra Höcht, beide Rentnerinnen (von links) bereitet die Brotzeiten für die Spender vor.
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Die fleißigen Helfer vor Ort: Das Ehrenamtsteam um Wilma Kalisch, Teamleiterin, Hilde Baumgartner, Hausfrau, Barbara Niederreiter, Hausfrau, Marianne Zentmeier und Petra Höcht, beide Rentnerinnen (von links) bereitet die Brotzeiten für die Spender vor.

Von der Wurstsemmel bis zur Rundum-Desinfektion: Wie in der Rottstadt die Teams Hand in Hand arbeiten

Von Karlheinz Jaensch

Neumarkt-St. Veit– „Wenn ich überall solche Helfer hätte wie in Neumarkt-St. Veit, dann hätte ich viele Sorgen weniger.“ Das sprach Florian Abt, der Gebietsreferent des Blutspendedienstes BRK München, am Blutspendetag in Neumarkt-St. Veit. Und er führte gleich weiter aus, dass die Blutspendeaktionen ohne Freiwilligenteams nie so erfolgreich sein könnten, wie sich das derzeit gestaltet.

Keimfreie Verpackung der Wurstsemmeln

Dass das Neumarkter ehrenamtliche Helferteam so lobenswert funktioniert, ist einmal der guten Führung durch Wilma Kalisch und der perfekten Einstellung ihrer Mannschaft geschuldet.

Für den Spendetermin um 16 Uhr haben die Damen an diesem Tag schon am Vormittag bei den örtlichen Geschäften alle Lebensmittel gekauft, die für eine deftige Brotzeit für die Spender vorgesehen sind. Schon vor 15 Uhr treffen sich diesmal fünf Damen im Kulturbahnhof, dem Spendenort, und desinfizieren erstmal alle Flächen und Gegenstände, die zur Zubereitung der Brotzeiten für die Spender gedacht sind. Dann geht es los mit Aufschneiden, Streichen, üppig Belegen und „keimfrei“ Verpacken.

Spuckschutzwände und Schutzmasken

Das Freiwilligenteam übernimmt dann die Anmeldung, sorgt dafür, dass die Hygienevorschriften genau beachtet werden und übergibt die Spender dann dem Hauptamtsteam.

Die Gespräche und Untersuchungen führen die Ärzte mit den Spendenwilligen hinter Spuckschutzwänden, obwohl sowieso alle Menschen im Gebäude Schutzmasken tragen. Die Liegen stehen hinter Stellwänden und sind gut belegt. Da der Erfrischungsraum wegfällt, ist mehr Platz für Liegen als sonst. Dennoch stehen immer Wartende bereit und warten im gehörigen Abstand zueinander auf freie Plätze.

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Vier Stunden ohne Komplikationen

So geht das an diesem Spätsommertag vier Stunden lang ohne Komplikationen.

Die belegten Semmeln werden nach der Spende dann wieder von Helfern an die Spender ausgegeben, dazu ein geschlossenes Getränk. Im Kulturbahnhof ist aus Gesundheitsgründen kein Erholungsraum eingerichtet, das Zusammensitzen mit anderen Spendern fehlt in Coronazeiten.

Am Ende waren es 174 Spender

Die Bilanz zeigt, dass das Coronavirus immer noch das Spendenverhalten beeinflusst: 174 Spender – davon zwölf Erstspender – sind ein gutes Ergebnis, finden die Ehrenamtlichen vor Ort. Denn die Spendenbereitschaft sei in Zeiten von Corona weiterhin hoch.

Das sagen Helfer und Spender zum Bluspenden:

Florian Abt, 40, BRK-Gebietsreferent, München: „Anfangs war bei der Spendenbereitschaft ein regelrechter Boom zu verzeichnen. Und sie ist immer noch gut. Vielleicht hat dadurch die Solidarität zugenommen, denn wir verzeichnen seitdem viel Erstspender. Die Spendentermine werden immer noch extrem gut angenommen, obwohl der Geselligkeitsaspekt der Mehrfachspender wegen fehlendem Erholungsraum fast wegfällt. Aber ein Team wie hier schafft eine Atmosphäre, die die Spender mögen.“

Petra Höcht, 72, BRK-Helferin, Neumarkt-St. Veit „Also Corona hat mein Verhalten überhaupt nicht beeinflusst. Ich mache das hier und anderswo schon seit sechs Jahren. Das Helfen ist für mich Lebensphilosophie. Es macht Spaß und ich weiß, dass ich hier gebraucht werde. Der Mensch braucht eine Aufgabe. Da ich weiß, wie wichtig Blutkonserven sind, weiß ich auch, dass meine Arbeit hier sehr sinnvoll und hilfreich ist. Mittlerweile habe ich hier viel Erfahrungen gesammelt, die ich auch gerne weitergebe.“

Marianne Zehentbauer, 80, BRK-Helferin, Neumarkt-St. Veit „Schon immer helfe ich, wo ich kann. So bin ich halt. Und die Wilma Kalisch ist meine Nachbarin und Freundin. Als die mich fragte, ob ich mitmache, war das für mich freilich selbstverständlich. Jeden Tag braucht das Rote Kreuz Blutkonserven, also ist das ganz wichtig, was wir hier tun. Ich bin schon zwölf Mal dabei gewesen, und an die Corona-Auflagen kann ich mich gewöhnen. Solange ich kann, unterstütze ich den Blutspendedienst.“

Georg Gebler, 71, Spender, Rentner, Neumarkt-St. Veit: „Also Corona beeinflusst mich nicht. Das ist meine 102. Spende, und ich werde solange spenden, wie es geht. In erster Linie gehe ich, weil ich helfen will. Schon immer. Aber ich hab hier immer meine Kollegen getroffen und wir haben geratscht. Jetzt zwar nicht, aber das wird wieder gehen. Ich habe schon ungezählte Auszeichnungen, sogar eine Einladung zu einem traumhaft schönen Gemeinschaftsabend erhalten. Aber wichtig ist, dass ich helfen kann.“

Ramona Haagen, 18, Spenderin, Studentin, Neumarkt-St. Veit:„Meine große Schwester ging schon immer zum Blutspenden und erklärte mir, wie wichtig das ist. Es war nicht schlimm, weniger als befürchtet, mir wurde hier alles genau erklärt und es ging alles gut. In erster Linie geht es mir ums Helfen, das Coronavirus spielt dabei keine Rolle. Meine Schwester hat mich erfolgreich überzeugt; ich weiß, wie dringend Blutkonserven gebraucht werden. Da gibt es für mich keine Alternative. Ich werde auch weiterhin spenden.“

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