Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Gottesdienste fallen alle aus

Gottesdienste als Infektionstreiber? Zahlreiche Infizierte nach Messfeier in Schönberg

Hotspot St.-Michaels-Kirche: Offenbar haben sich zahlreiche Schönberger bei den Gottesdiensten an Ostern mit dem Corona-Virus infiziert.
+
Hotspot St.-Michaels-Kirche: Offenbar haben sich zahlreiche Schönberger bei den Gottesdiensten an Ostern mit dem Corona-Virus infiziert.

Hat das Osterfest in der Kirche die Inzidenzwerte in die Höhe getrieben? Stark angestiegene Zahlen bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus im nördlichen Landkreis nähren diesen Verdacht. Unter anderem ist auch Kaplan Bernhard Häglsperger betroffen.

Neumarkt-St. Veit – „Wir sind alle völlig sprachlos und sehr betroffen“, sagt Pfarrer Franz Eisenmann zur Nachricht aus dem Gesundheitsamt in Mühldorf, dass bereits der Gottesdienst am Gründonnerstag in Schönberg die Ansteckung mit Covid-19 forciert haben könnte.

„Wir haben alle Hygieneschutzrichtlinien eingehalten, was uns auch die Fachstellen bestätigt haben. Wir wüssten nicht, was wir falsch gemacht haben könnten. Das fragen sich auch unsere braven Ordner verzweifelt, die jetzt positiv getestet worden sind.“

Pfarramt hilft bei Nachverfolgung

Ist es das Gespräch vor den Kirchentüren? Oder die Tatsache, dass bereits mehrere Gottesdienstbesucher das Virus in sich trugen? Diese Möglichkeit sei laut Eisenmann im Gespräch mit dem Gesundheitsamt Mühldorf zur Sprache gekommen.

Zwar hätten die Besucher FFP2-Masken getragen. „Doch die allgemeine Viruslast könnte schon so hoch gewesen sein, dass es schließlich zu den Ansteckungen gekommen ist“, erklärt Eisenmann.

Kaplan Häglsperger mit Covid-19 infiziert

Begonnen hat alles damit, dass Kaplan Bernhard Häglsperger am Dienstag nach Ostermontag krank geworden ist. Ein PCR-Test habe die Covid-19-Erkrankung am Mittwoch bestätigt. „Kaplan Häglsperger ging es zwei Tage nicht gut. Ich habe mich gleich danach testen lassen und war negativ“, erklärt Pfarrer Franz Eisenmann, der sich allerdings als Kontaktperson der Kategorie 1 seitdem in Quarantäne befindet. Weitere Maßnahmen in der Kirchengemeinde seien bis dato nicht in Erwägung gezogen worden, weil ja sämtliche Hygieneschutzmaßnahmen eingehalten worden seien.

Lesen Sie dazu auch: Diese Regeln gelten seit dem 12. April im Kreis Mühldorf

178 Personen kontaktiert

Das Pfarramt habe aber die Liste mit den Gottesdienstbesuchern, die von Gründonnerstag bis Karsamstag die Messfeiern in Schönberg besucht hatten, dem Gesundheitsamt zur Nachverfolgung übergeben. Nachdem sich dann abgezeichnet hatte, dass bereits infizierte Gottesdienstbesucher die Kirche betreten hatten, habe das Gesundheitsamt das Pfarramt benachrichtigt und um Unterstützung bei der Nachverfolgung gebeten.

Schließlich galt es, eine Liste mit knapp 100 Haushalten und 178 Personen rund um Schönberg abzuarbeiten. Das sei am vergangenen Wochenende erfolgt. „Dabei hat sich herausgestellt, dass sich einige nach den ersten Meldungen über eine steigende Infektionszahl bereits einem Test unterzogen haben“, sagt Eisenmann. Mindestens ein Drittel aller kontaktierten Personen hätten von einem negativen Ergebnis berichtet.

Neuinfektionen bei 60- bis 70-Jährigen

Die vielen Neuinfektionen in Schönberg seien vor allem bei 60- bis 70-Jährigen in Schönberg festgestellt worden, die Eisenmann als Kirchenbesucher auch identifiziert hat. Die weitere Spitze an Corona-Positiven in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen in Schönberg könne er sich aber nicht erklären. „Aus dieser Altersgruppe waren es nur ein paar wenige, die die Gottesdienste besucht haben.“

Kirche wollte keine Panik verbreiten

Inzwischen ist mehr als eine Woche vergangen. Vorwürfe, dass die Kirche etwas verschleiern wolle, weist Eisenmann von sich. Die Nachverfolgung sei in erster Linie Sache des Gesundheitsamtes. Das Pfarramt habe sich aber sofort bereit erklärt, die Behörde zu unterstützen. Unverständnis, dass man nicht unmittelbar nach Bekanntwerden der Covid-19-Erkrankung des Kaplans reagiert habe, begegnet Eisenmann damit, dass die Kirchenbesucher bei der konsequenten Einhaltung der AHA-Regeln in der Kirche und mit FFP2-Maske nicht zu den Kontaktpersonen der ersten Kategorie zählen würden. „Und wir wollten schließlich nicht unbegründet Panik verbreiten“, sagt der Pfarrer.

Das könnte Sie auch interessieren:Frau aus Landkreis Rosenheim stirbt nach Astrazeneca-Impfung - Untersuchung eingeleitet

Hohe Infektionszahlen auch in Neumarkt-St. Veit

Hohe Infektionszahlen gab es auch in Neumarkt-St. Veit. Christian Bachmann, Geschäftsführer der Firma Bachmann Schlafsysteme in Neumarkt-St. Veit, bestätigt, dass es vor etwa 14 Tagen ein „einigermaßen starkes Corona-Infektionsgeschehen“ im Betrieb gab. Erst sei eine Mitarbeiterin positiv getestet worden, die sich in der Familie angesteckt habe. „Das ist aber glücklicherweise nicht in die Firma getragen worden.“

Keine Ansteckung auf dem Firmengelände, Schutzmaßnahmen tadellos

Rund 25 Mitarbeiter sind anschließend positiv auf die britische Mutation des Coronavirus getestet worden. Nachweisbar habe sich niemand in der Firma angesteckt hat, stellt Christian Bachmann klar. So habe das Gesundheitsamt bei einer Kontrolle die „Firma auf den Kopf gestellt“ und bescheinigt, dass alles tadellos sei und es keinen Grund gebe, den Betrieb zu schließen. Man habe lediglich festgelegt, dass die Mitarbeiter in der Produktion mit FFP2-Masken arbeiten müssen.

Nach 25 Infektionen: Reihentestung bei der Firma Bachmann

Am vergangenen Donnerstag hat das Gesundheitsamt dann eine Reihentestung im Betrieb organisiert. Dabei sei kein einziger Mitarbeiter positiv getestet worden, sagt Bachmann. Ein Grund ist sicher auch, dass man seit einem Jahr ein Hygienekonzept habe und „wir sehr strikt auf die Einhaltung achten“. Dazu gehört ein wöchentlicher PCR-Test genauso wie die üblichen Coronaregeln. Zudem seien mittlerweile 80 Prozent der Mitarbeiter aus der Verwaltung im Homeoffice. „Meine Penetranz bei der Einhaltung zahlt sich hier aus, auch wenn die Mitarbeiter mich nicht immer dafür lieben“, sagt Bachmann.

Auch interessant: In Neumarkt-St. Veit wird jetzt auch gegen Corona geimpft

Inzidenz liegt im Norden bei 486,1

Wie das Landratsamt in Mühldorf bestätigt, lagen die Infektionszahlen im nördlichen Landkreis im Zeitraum von 2. bis 8. April mit 486,1 deutlich über dem Landkreisdurchschnitt von aktuell 258,9.

Neben den zusätzlichen Testangeboten in Neumarkt St. Veit laufen die Planungen für ein weiteres Schnelltestangebot im nördlichen Landkreis. In den Schulen im nördlichen Landkreis sollen Schüler, Lehrer und Schulpersonal täglich getestet werden. Wegen des Infektionsgeschehens sind in der kommenden Woche alle Gottesdienste in den Kirchen des Pfarrverbandes Neumarkt-St. Veit abgesagt worden.

Diese Woche keine Präsenzgottesdienste

Bis zum 19. April finden keine Präsenzgottesdienste statt. Das Pfarramt in Neumarkt-St. Veit versucht nun, die Gottesdienste digital anzubieten. In seelsorgerlichen Fragen sei er trotz Quarantäne weiterhin telefonisch erreichbar, betont Pfarrer Franz Eisenmann. Wenn Präsenz eines Seelsorgers erwünscht ist, stehen in Neumarkt-St. Veit Gemeindereferentin Franziska Maier und Gemeindeassistentin Sandra Großmann zur Verfügung.

Maximal 25 Teilnehmer an Beerdigungen

Wie das Landratsamt ergänzt, habe man mit Vertretern der Religionsgemeinschaften vereinbart, dass vorerst keine Präsenzgottesdienste mehr stattfinden. Beerdigungen werden auf eine maximale Teilnehmerzahl von 25 Personen begrenzt. Auf Gesang in den Gotteshäusern wird verzichtet.

Heimerls Appell: „Kontakte noch stärker reduzieren!“

Aufgrund der angespannten Lage im nördlichen Landkreis appelliert Landrat Max Heimerl (CSU): „Insbesondere im privaten Umfeld und am Arbeitsplatz müssen neben einer konsequenten Einhaltung der AHA-Regeln die Kontakte noch stärker reduziert werden. Wo immer es geht, sollte im Homeoffice gearbeitet werden.“ Alternativ sollten die Testangebote in Betrieben und in den Kommunen wahrgenommen werden. „Nur so kann es gelingen, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen!“ (re)

Kommentare