Gibt es bald wieder ein Neumarkter Bier? Die Gerste dafür ist bereits reif für die Ernte

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Aus der Bierlaune heraus geboren machen Hanjo Hellfeuer und Richard Hirschberger nun ernst und wollen 40 Jahre nach der Schließung der letzten Neumarkter Brauerei wieder ein Neumarkter Bier brauen. Die Umsetzung ist nicht einfach, aber der Plan klingt vielversprechend.

Neumarkt-St. Veit – Wir schreiben den 5. April 1984 – der letzte Sud des Klosterbräus von St. Veit wird angesetzt. Eine letzte Marge noch, dann ist Schluss. Der Brauerei wird der Zapfhahn abgedreht. Nur noch Neumarkter in höherem Alter können sich an den Geschmack des Bieres erinnern, das über Jahrhunderte hoch droben im Kloster St. Veit gebraut worden ist. Das muss nicht so bleiben. Richard „Hirsche“ Hirschberger und Hanjo Hellfeuer wollen das Bier wieder auferstehen lassen.

Wie viele solcher Ideen ist auch die Reinkarnation des Neumarkter Biers aus einer Bierlaune heraus entstanden. Beim Vatertagsfest der Fußballer des TSV Neumarkt-St. Veit im vergangenen Jahr reifte die Idee, ein eigenes Neumarkter Bier zu brauen. Und wer Hanjo Hellfeuer kennt, der weiß: Wenn sich der Fußball-Abteilungsleiter etwas in den Kopf gesetzt hat, dann bleibt er stur.

Ende März wurde die Gerste angesät

„Wir haben uns im Oktober mit einem Landwirt zusammengesetzt und das Ganze besprochen. Er hat Ende März angesät – in einigen Tagen können wir ernten“, berichtet Hellfeuer und zeigt auf das Feld bei Hörbering. 1,3 Hektar Braugerste wachsen dort, biologisch angebaut. Nach dem Dreschen soll die Sommergerste in eine Mälzerei gebracht werden, in Zusammenarbeit mit einer größeren Brauerei soll dann das „Sankt Veiter Bier“ reifen. Mit welcher Brauerei sie zusammenarbeiten, wollen Hellfeuer und Hirschberger nicht verraten.

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Wenn die beiden Spezl von ihren Brauplänen sprechen, verbinden sie das mit ihrer Jugend. Denn beide haben ihre eigene Geschichte mit dem Klosterbräu St. Veit. Hirschberger hat in seiner Freizeit dort gejobbt, „als Tragerlschubser und Ausfahrer“. Hanjo Hellfeuer ist als „Wirtsbua“ dort aufgewachsen, Mama Irmgard führte die Klosterschänke von 1978 bis 1988. Vier Jahre, nachdem der letzte Sud des Klosterbräus angesetzt worden war, schloss auch die Schänke ihre Pforten.

Den Klosterbräu gab es seit 1643, der letzte Sud wurde allerdings 1984 angesetzt. Mit ihr schloss die letzte Brauerei in Neumarkt-St. Veit. Richard Hirschberger und Hanjo Hellfeuer wollen nun an alte Traditionen anknüpfen und ein St. Veiter Bier brauen, das dem der Klosterbrüder ziemlich nahe kommen soll.

Seitdem ist es still geworden in St. Veit. Die Wandbemalung am Sudhaus verblasst immer mehr, die Sudkessel sind schon längst ausgebaut und auch das Klosterstüberl hat keine Gäste mehr gesehen. Für die beiden Bierbrauer ist klar: „Auch wenn wir uns noch so sehr diese gute alte Zeit herbeisehnen – unser Bier wird nicht das Bier vom Klosterbräu sein. Schließlich gibt es ja auch das Kloster nicht mehr. Unser Bier wird etwas ganz Eigenes sein.“

„Lieblich, kräftig, süßlich – aber nicht zu hopfig!“

„Lieblich, kräftig, süßlich“, wie Hirschberger schwärmt. „Bernsteinfarben“, fügt er noch hinzu und „vollmundig – auf keinem Fall aber zu hopfig“, sagt „Hirsche“ und hebt mahnend den Zeigefinger. „Den ersten Probesud werden wir auch nur einigen wenigen Personen zukommen lassen und dann weiter daran feilen“, sagt Hellfeuer, der zuversichtlich ist, dass das Experiment gelingt.

Kontakt zu Brauleuten, die noch in St. Veit gelernt haben

Diesen Optimismus begründen die beiden Bierliebhaber mit ihrem besonderen Draht zu ehemaligen Brauern von St. Veit, „Leute, die dort das Brauen gelernt haben“, sagt Hirschberger, ohne Namen zu verraten. Diese hütet er genauso wie die Brauer die Rezeptur des Bieres von damals, das ihnen in Fragmenten zugespielt worden ist.

Er betont: „In erster Linie machen wir das Ganze aus Spaß an der Freud. Wir wollen uns an der Idee nicht bereichern.“ Schließlich soll das Bier zunächst auch nur den Menschen in Neumarkt- St. Veit zur Verfügung stehen.

Erste Kostprobe im Oktober

Zumal hinter dem Verkauf des dann gewonnenen St. Veiter Bieres auch noch ein sozialer Aspekt steht. „Wegen der Corona-Krise hat die Fußballabteilung in diesem Jahr nichts erwirtschaftet. Alle Feste sind ausgefallen“, klagt Hellfeuer. Der Gewinn aus dem Verkauf des Bieres soll das Loch in der Abteilungskasse füllen. „Wenn für die Fußballer was übrig bleibt, wäre das schon Lohn genug für uns“, sagt Hellfeuer, und Hirschberger nickt zustimmend.

Und wann ist mit einer ersten Kosteprobe zu rechnen? Nach der Ernte und dem Ansetzen des Suds wollen die beiden ihrem St. Veiter Bier etwa zehn bis zwölf Wochen Zeit geben, zu reifen. Am Ende soll es dann ein Märzen sein, wenn es nach Richard Hirschberger geht, oder ein echtes Festbier, ein Oktoberfestbier. „Zeitlich könnt‘s nicht besser passen, oder?“

Klosterbräu-Relikte bei Online-Auktionen

In so manchem Haushalt gibt es sie noch, die Relikte der einstigen Klosterbrauerei von Neumarkt-St. Veit. Bierkrüge, Gläser und auch Bierdeckel, Auch Hanjo Hellfeuer hat ein kleines Sortiment zu Hause. Interessant ist, wie heute noch, fast 40 Jahren nach Schließung des Klosterbräus in St. Veit, diese Erinnerungsstücke gehandelt werden.

Auf Ebay werden immer noch Gläser in verschiedenen Variationenangeboten. 20 Euro für ein Halbliterglas sind dabei normal. Man findet das Logo des Klosterbräus auf der Internetseite von Kronenkorken bei Sammlern aus Österreich.

Sogar Etiketten bei Internet-Versteigerungen

Sogar Etiketten werden gesammelt und sind bei Online-Versteigerung bereits ab einem Euro zu haben. Als die „Alte Schmiede“ in Neumarkt-St. Veit vor einem Jahr geräumt worden ist, fanden sich ganze Träger mit Schnappverschlussflaschen. Ganz speziell: Der Bierdeckel, der 2017 aufgetaucht war und der einen Narren mit Schnabelschuhen und Schellen zeigt. Zum Faschingszug 1958 war er gedruckt worden, verbunden mit der Aufforderung, St. Veiter Bier zu trinken.

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