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„Es wird wahrscheinlich nicht mehr so werden wie vorher“

Ist Neumarkt-St. Veit gewappnet? Das sagt Erwin Baumgartner zur Energieversorgung der Stadt

Biogas am westlichen Ortseingang von Neumarkt-St. Veit. Mit der Fernwärme, die die Anlage von Felix Rauscheder produziert, werden kommunale Liegenschaften geheizt.
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Biogas am westlichen Ortseingang von Neumarkt-St. Veit. Mit der Fernwärme, die die Anlage von Felix Rauscheder produziert, werden kommunale Liegenschaften geheizt.
  • Kirsten Seitz
    VonKirsten Seitz
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In Neumarkt-St. Veit ist das Thema Umweltschutz und Energie schon seit Jahren ein großes Thema. Doch seit Ausbruch des Ukraine-Krieges beschäftigen sich die Menschen noch mehr mit dem Thema. Bürgermeister Erwin Baumgartner erklärt im Interview, wie die Stadt mit der Energiekrise umgeht und wie gut Neumarkt-St. Veit gewappnet ist, wenn die Energieversorgung knapp werden sollte.

Neumarkt-St. Veit – Am 23. September fand zum dritten Mal die „Earth Night“ statt. Ab spätestens 22 Uhr sollte für eine ganze Nacht lang das Licht ausgeknipst oder zumindest reduziert werden. Die Earth Night will so alle Jahre wieder auf das Problem der stetig zunehmenden Lichtverschmutzung durch den ungehemmten Kunstlichtkonsum aufmerksam machen. Fakt ist, dass Lichtverschmutzung nachweislich Umwelt, Tiere, Pflanzen, Menschen und Natur stark gefährden.

In Neumarkt-St. Veit ist unabhängig von der Earth Night das Thema Umweltschutz und Energie schon seit Jahren ein großes Thema. Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges beschäftigen sich die Menschen noch mehr mit dem Thema Energieversorgung. Hinzu kommt, dass es nach der Abschaltung der Atomkraftwerke Ende des Jahres auch zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen kann – bis hin zu Blackouts. Wie die Stadt Neumarkt mit der Krise umgeht, erklärt der erste Bürgermeister Erwin Baumgartner im aktuellen Interview.

Sind Sie darauf vorbereitet, wenn die Energieversorgung knapper wird?

Erwin Baumgartner: Das Thema der Energie ist bei uns seit einigen Jahren sehr aktuell. Daher haben wir in den vergangenen Jahren bereits Photovoltaikanlagen auf unser Wasserwerk, im Freibad und am Kindergarten zur Eigenstromnutzung gebaut. Die Mittelschule ist bereits energetisch saniert, die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt worden. Wir haben einen Vertrag für die Lieferung von Fernwärme für unser städtisches Freibad sowie Herzoglicher Kasten mit Gaststätte und Geschäftshaus schließen können. Weiter beheizen wir unsere neue Kindergarteneinrichtung mit einer Luftwärmepumpe, die größtenteils aus der eigenen Photovoltaikanlage mit Strom versorgt wird. Im städtischen Bauhof mit dem Feuerwehrgebäude ist aktuell eine Hackschnitzelheizung in Betrieb genommen worden. Die Hackschnitzelheizung kann größtenteils mit eigenem Hackgut betrieben werden. Durch die aktuelle Energiekrise hat dieses Thema natürlich nochmals an Bedeutung gewonnen und bestärkt uns bei dem eingeschlagenen Weg.

Wie hoch ist der Verbrauch der Energiekosten?

Baumgartner: Der Verbrauch für alle städtischen Einrichtungen kann nicht pauschal genannt werden, da wir zum einen eine Vielzahl von Einrichtungen und diese auch unterschiedliche Heizsysteme haben. Bei der Schule zum Beispiel hat sich der Stromverbrauch in den vergangenen fünf Jahren halbiert, was eine Einsparung von rund 50.000 Kilowattstunden bedeutet.

Wie verhält sich denn mittlerweile der Stromverbrauch der Stadt zur Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energieformen?

Baumgartner: Das Ergebnis des Stromverbrauchs im Vergleich zur Erzeugung erneuerbarem Strom zeigt, dass der Verbrauch im Jahr 2020 um 2,03 Millionen Kilowattstunden im Vergleich zum Jahr 2015 zurückging. Dafür wurden im Jahr 2020 rund 4,09 Millionen Kilowattstunden mehr erneuerbarer Strom produziert, als im Gegensatz zum Jahr 2015. Das ergibt eine eigene Stromproduktion von 124,8 Prozent im Jahr 2020. Im Jahr 2015 lag die eigene Stromproduktion noch bei 98,4 Prozent. Im Ergebnis bedeutet das: Der Verbrauch sinkt, und die Stromproduktion steigt.

Der Ukraine-Krieg hat für uns auch schwere Folgen. Öl und Gas werden knapper und somit teurer. Sind Sie gewappnet?

Baumgartner: Der größte Gebäudekomplex der Stadt ist die Grund- und Mittelschule mit den beiden Turnhallen sowie dem Kinderhort und dem Hausmeisterhaus. Der städtische Kindergarten Kunterbunt soll ebenfalls mit einer Fernwärmeleitung an das Heizsystem der Schule angeschlossen werden. Hier ist im kommenden Jahr eine Hackschnitzelheizung geplant. Nach diesen Maßnahmen hat die Stadt Neumarkt kein größeres Gebäude mehr, in welchem die Heizung mit Gas oder Öl betrieben wird. Dadurch sind wir mit der Energieversorgung der städtischen Liegenschaften nicht mehr vom globalen Energiemarkt anhängig, sondern können die Energie aus der Region beziehen beziehungsweise vor Ort selber produzieren.

Wie bereiten Sie sich auf die Energiekrise vor?

Baumgartner: Die Versorgung der Gebäude mit Energie wird einer der wichtigsten Themen der Kommunen für die kommenden Jahre. Wie sich die globale Energiekrise weiter entwickelt, ist schwer zu prognostizieren. Nach unserer Einschätzung und Gesprächen wie zum Beispiel mit den Energienetzen Bayern gehen wir nicht davon aus, dass der Region die Energie ausgehen wird. Vielleicht normalisiert sich der Energiebereich in den kommenden Monaten beziehungsweise nach dem Winter wieder. Es wird aber wahrscheinlich nicht mehr so werden wie vorher, und der Bezug von billigem Gas wird vermutlich der Vergangenheit angehören.

Wie spart die Stadt denn Energie?

Baumgartner: Ich würde jetzt die Warmwasserbereitung beziehungsweise die Heizung im Rathaus ausschalten. Warmwasser wird wahrscheinlich zurzeit nur in der Küche benötigt, jedoch glaube ich, auch nicht in großen Mengen. Diese könnte auch durch einen Wasserkocher ersetzt werden und das meiste Geschirr wird vermutlich in der Spülmaschine gespült. Sollte es zu Feuchte-Problemen im Bereich des Sockels am Rathaus kommen, müssen wir die Heizung wieder einschalten. Dies würde ich erst einmal beobachten. Bezüglich der Raumtemperatur müsste es diesen Winter auch mal wieder möglich sein, dass die über die Raumthermostate zu regeln sind. Beim Thema Außenbeleuchtung könnte man noch prüfen, ob nicht auf einen Teil davon verzichtet werden kann.

Gibt es ihrerseits weitere Pläne zum Energiesparen?

Baumgartner: Für die Haushaltsplanung 2023 würde ich noch PV-Anlagen prüfen und die zugehörigen Kosten ermitteln, sodass entweder der Stadtrat separat darüber entscheidet oder im Zuge der Haushaltsaufstellung darüber entschieden werden kann. Geprüft werden müsste unter anderem, ob eine PV-Anlage auf den Dächern der Grund- und Mittelschule möglich wäre, am Hort oder am Kindergarten in der Wintermeierstraße. Da die Regierung auch den Bau von PV-Anlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden bestrebt und das Dach des ehemaligen Rathaus schon früher mal für eine PV-Anlage vorgesehen wurde, würde ich auch diese prüfen lassen. Bei unseren anderen denkmalgeschützten Gebäuden würde ich erstmal nichts machen. Hier finde ich eine PV-Anlage schon einen mächtigen Eingriff in das Erscheinungsbild.

Was ist ihnen besonders wichtig?

Baumgartner: Es ist schon sehr bedenklich, wie schnell sich unser komfortables Leben verändern kann. Es wird hoffentlich jedem bewusst, wie gut es uns gegangen ist. Die befürchteten Veränderungen, insbesondere für den Winter, treffen uns alle. Und natürlich hoffen wir, dass alles oder vieles wieder so wird, wie wir es gewohnt waren. Das sollte aber alles nicht so schnell wieder vergessen werden und beim eigenen Lebensstil Beachtung finden.

(pet)

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