Geschichtsstunde im Neumarkter Rathaus: Graf entdeckt Verwandten auf Schlachtenbild von 1847

Fast wie ein Wimmelbild: Das Schlachtengemälde von Franz Xaver Zattler aus dem Jahr 1847 hängt im ersten Obergeschoßes des Rathauses Schloss Adlstein. Darauf explizit dargestellt: Generalmarschall Carl Philipp von Wrede, ein Vorfahr der Frau von Tassilo Graf Montgelas (links), der den Ahn seiner Familie auf dem Stadtplatz in Neumarkt entdeckt hat. Bürgermeister Erwin Baumgartner zeigt auf den erklärenden Begleittext zur Schlacht von 1809.
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Fast wie ein Wimmelbild: Das Schlachtengemälde von Franz Xaver Zattler aus dem Jahr 1847 hängt im ersten Obergeschoßes des Rathauses Schloss Adlstein. Darauf explizit dargestellt: Generalmarschall Carl Philipp von Wrede, ein Vorfahr der Frau von Tassilo Graf Montgelas (links), der den Ahn seiner Familie auf dem Stadtplatz in Neumarkt entdeckt hat. Bürgermeister Erwin Baumgartner zeigt auf den erklärenden Begleittext zur Schlacht von 1809.

Tassilo Graf von Montgelas ist ein Ur-Großenkel des großen Ministers Max Joseph Montgelas, dessen Name immer in Verbindung mit dem modernen Bayern gebracht wird. In der Rottstadt wanderte Tassilo auf den Spuren seiner Vorfahren – und wurde auf einem Gemälde im Rathaus Adlstein fündig.

Von Josef Enzinger

Neumarkt-St. Veit – Wenn Tassilo Graf von Montgelas über seine Kinder- und Jugendzeit sinniert, dann rücken auch die Kommunen Egglkofen und Neumarkt-St. Veit in den Fokus seiner Erinnerungen. Nach 50 Jahren kehrte der Nachfahre des berühmten Ministers Maximilian-Joseph Montgelas, der in München lebt, zurück in seine Heimat. Im Rathaus von Schloss Adlstein plauderte der 83-Jährige über seine Familie und verblüffte mit Informationen, in der auch die Schlacht von 1809 bei Neumarkt an der Rott eine Rolle spielt.

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt

Einen Graf hat man selten zu Gast im Rathaus, stellte Neumarkt-St. Veits Bürgermeister Erwin Baumgartner fest, der als Gemeinschaftsvorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft den betagten Nachfahren des Ministers Montgelas zusammen mit dem Vorsitzenden der Montgelas-Gesellschaft Pierre Wolff empfing und ihm auch einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Neumarkt gewährte. 90 Minuten lang hatte der Graf zuvor über seine Kindheit parliert, mit launigen Worten seinen Bezug zur Region beleuchtet und auch die Geschichte des Adelsgeschlechtes Montgelas umrissen.

Ur-Großenkel des berühmten Ministers, der als Schöpfer des modernen bayerischen Staates gilt

Der Ur-Großenkel des berühmten Ministers, der als Schöpfer des modernen bayerischen Staates gilt, gab im Schloss Adlstein zu, dass er lange Zeit verstrichen ließ bis zu dieser Rückkehr. „1969 war das, bei der Beerdigung meines Vetters Emmanuel“. Dieser hatte kurz vor seinem Tod Rudolf Konrad Graf Montgelas adoptiert, was schließlich auch zu einem Zerwürfnis im Adelsgeschlecht geführt habe. Daraus macht Graf Tassilo keinen Hehl. Der Kontakt nach Egglkofen, wo die Familie Montgelas 1833 das Schloss erworben hatte, sei in der Folgezeit eingefroren.

Nur beste Erinnerungen an „Tante Mimi“

Doch erinnert sich Tassilo Graf von Montgelas noch gut an seine „Tante Mimi“, Maria Gräfin von Montgelas, die der Sohn des Oberstleutnants Ludwig Graf von Montgelas als Jugendlicher besonders im Sommer gerne im Schloss Egglkofen besucht hatte und dort Zeit mit dem späteren Schlossherrn Rudolf Konrad verbrachte. Als eine Dame von Welt, eine große Persönlichkeit beschreibt er seine Tante. „Herrschaftlich ja, aber nicht abgehoben“. Graf Tassilo, der mit seiner Familie in Ampfing lebte, spricht bei seinem Blick auf die 50er Jahre von einer Zeit, in der Land und Leute rund um Egglkofen vom Schloss geprägt gewesen seien.

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Seit 2011 gibt es die gemeinnützige Graf-von-Montgelas-Stiftung

Das Schloss war bis 2015, dem Tod von Rudolf Konrad Graf von Montgelas, im Besitz der Familie der Familie Montgelas. 2011 hatte Rudolf Konrad die gemeinnützige Graf-von-Montgelas-Stiftung gegründet, der er auch das Schloss Egglkofen vermachte.

Wenn der Graf von seiner Jugendzeit rund um Neumarkt-St. Veit berichtet, dann kommt er auch auf die Verbindung zur Rottstadt zu sprechen, bedingt durch seine Heirat mit Sophie Fürstin von Wrede. Seine Gattin ist in der fünften Generation Nachfahrin des Hauptfeldmarschalls Carl Philipp von Wrede (1767 bis 1838).

Das Kuriose daran: Ausgerechnet Wrede ist es, der in den Geschichtsbüchern als wegweisender Strippenzieher der Entmachtung des Ministers Montgelas im Jahre 1817 genannt wird.

Jener Generalfeldmarschall Wrede zeichnete sich auch bei der berühmten Schlacht von 1809 an der Rott aus. Er wird sogar auf einem Bild von Franz Xaver Zattler aus dem Jahr 1847 heroisch hervorgehoben. Auf dem Kunstwerk, das im ersten Stock des Neumarkter Rathauses hängt, wird der „Generallieutnant Fürst Wrede“ als Anführer eines Regiments dargestellt, der sich anschickt, in den Kampf zu ziehen.

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Bald Montgelasstraße auch in Neumarkt?

Die enge Verbindung des Marschalls zu Neumarkt-St. Veit würdigte die Stadt damit, dass sie einst in der neuen Siedlung am Galgenberg eine Straße nach dem Hauptfeldmarschall benannt hat. Das freute auch Graf Tassilo, wenngleich er auch zur Kenntnis nahm, dass es im ganzen Ort keine Montgelasstraße gibt. „Vielleicht ändert sich das ja bis zu meinem nächsten Besuch“, kokettierte der Graf bei seinem Abschied.

Ähnlichkeit zum Vorfahren ist frappierend: Graf stand Modell für Denkmal

Auch in der vierten Generation nach dem berühmten bayerischen Minister ist dem Grafen Tassilo von Montgelas die Ähnlichkeit zu seinem Urahn nicht abzusprechen. „Die Nase“, schmunzelt der 83-Jährige und zeigt auf sein markantes Körperteil, „war ausschlaggebend, dass ich für ein Denkmal Modell stehen durfte“. Der Graf spielt damit auf die Metallinstallation an, die vor 15 Jahren am Promenadeplatz in München errichtet worden ist.

Montgelas-Monument steht am Promenadeplatz

Graf Tassilo warf sich in historische Kluft, um anschließend für die Erstellung der computergenerierten Porträt-Rekonstruktion des einstigen Ministers abgescannt zu werden. Daraus entstand die 6,20 Meter große und fast zehn Tonnen schwere Alu-Konstruktion, die nun in unmittelbarer Nähe des Bayerischen Hofes steht. Geschaffen hat dieses Monument die Berliner Künstlerin und Kunstprofessorin Karin Sander.

„Das Prätentiöse entspricht nicht dem Naturell eines Montgelas!“

Die Skulptur ist nicht unumstritten, manche mögen sie, anderen ist sie zu abstrakt. Und auch Tassilo Graf zu Montgelas gibt zu, dass das Denkmal den Minister übertrieben darstellt. „Dieses Prätentiöse – das entspricht nicht dem Naturell eines Montgelas“.

Wer war eigentlich Max Joseph von Montgelas?

Maximilian Joseph von Montgelas wurde am 12. September 1759 in München geboren. Sein Vater stammte aus Savoyen und war bayerischer General, seine Mutter war eine geborene Gräfin Trauner aus Landshut. Seine Ausbildung führte Montgelas von Nancy über Straßburg nach Ingolstadt, wo er sein Jurastudium abschloß. Montgelas war überzeugt von der Vorstellung eines starken und straff organisierten Staates, in dem die Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution verwirklicht werden sollten: die Gleichheit der Menschen im Staat.

Beamte sollten nicht mehr Fürstendiener sein

Er beförderte eine einheitliche Ausbildung der Beamtenschaft, die nicht mehr Fürstendiener, sondern Staatsdiener sein sollten. Sein beruflicher Aufstieg führte ihn vom unbezahlten Hofrat zum Inhaber dreier Ministerämter (Außen-, Innen- und Finanzminister). Nach der Niederlage Napoleons begann die politische Neuordnung des Reiches im Deutschen Bund; Kronprinz Ludwig und Feldmarschall Wrede erwirkten bei König Max I. Joseph 1817 seinen Sturz. Auch nach seiner Entmachtung behielt Montgelas seinen Sitz in der Kammer der Reichsräte. Sein Haus am Promenadeplatz in München, das Montgelas als Privathaus auch für Dienstgeschäfte genutzt hatte, kaufte im Juni 1817 der König. Er starb am 14. Juni 1838.

„Es kommt nicht oft vor, dass wir einen Grafen im Rathaus begrüßen dürfen“, meinte Bürgermeister Erwin Baumgartner (rechts). Es folgte die Bitte um die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Neumarkt, der Graf Tassilo gerne entsprach.
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