Fürsprecher der Gärtner: Karl Dürner beklagt Übervorteilung der Supermärkte

Gärtnereien und Blumengeschäftemüssen in der Coronakrise geschlossen bleiben, Supermärkte dürfen aber Schnittblumen und Ähnliches verkaufen. Das ist nicht gerecht, finden die Bürgermeister des Landkreises. obs/Bund deutscher Baumschulen (BdB)
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Gärtnereien und Blumengeschäftemüssen in der Coronakrise geschlossen bleiben, Supermärkte dürfen aber Schnittblumen und Ähnliches verkaufen. Das ist nicht gerecht, finden die Bürgermeister des Landkreises. obs/Bund deutscher Baumschulen (BdB)

Die rigorose Schließung der Blumengeschäfte und Gärtnereibetriebe hat inzwischen auch die Bürgermeister im Landkreis Mühldorf auf den Plan gerufen. Mit einem eindringlichen Appell wendet sich nun Bürgermeistersprecher Dr. Karl Dürner an den ehemaligen Staatsminister und CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Marcel Huber.

Neumarkt-St. Veit – Er beruft sich auf „vehemente Beschwerden der Blumengeschäfte im Landkreis“, die von der Schließung betroffen seien, während in den Lebensmittel-Supermärkten in größerem Umfang, bedingt durch die Frühlingshochsaison, Pflanzen und Blumen angeboten würden und der hohe Bedarf durch intensive Belieferung der Großgärtnereibetriebe erweitert werde. Die kleinen, „für unsere Bürger in den Kommunen bedeutsamen, harmonischen, die Lebensqualität unterstreichenden Betriebe sehen sich hier eindeutig ungerecht behandelt“, erklärt Schwindeggs Bürgermeister Dr. Dürner in seinem Schreiben.

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Der Supermarkt werde übervorteilt, der kleine Idealist, Individualist, bliebe auf der Strecke, gibt Dr. Dürner als Grundtenor dieser Berufsgruppe an den Landtagsabgeordneten der CSU weiter. „Gleichzeitig werden mehr Personen in die Supermärkte gedrängt, von Sicherheitsabständen kann dort keine Rede mehr sein“, beklagt Dr. Dürner.

Er wisse selbst, dass es schwierig sei, hier Abhilfe zu schaffen. „Aber ein gerechter Aspekt wäre, wenn zumindest den Betrieben mit Schnittblumen, Saatgut, Pflanzen die Öffnung erlaubt würde“, appelliert er an Dr. Huber.

Dieser hat auf das Schreiben des Bürgermeistersprechers reagiert, bestätigt dabei die Ansicht Dürners: „Diese Regelung ist im Prinzip schon ungerecht. Auch bei mir ist es schon zu Beschwerden in dieser Angelegenheit gekommen.“ Doch auch er habe keine Musterlösung. „Soll der Supermarkt wegen dieser Ungerechtigkeit nur einen Teil seines Sortiments anbieten?“ Man müsse froh sein, dass den Bürgern dieses Sortiment grundsätzlich noch zur Verfügung stehe.

„Grundsätzlich ist eine Öffnung nicht möglich“

Er habe sich bereits an das bayerische Wirtschaftsministerium, an die bayerische Staatsregierung und an das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gewandt. „Grundsätzlich ist eine Öffnung nicht möglich“, stellt Dr. Huber gleich klar und verteidigt die restriktive Haltung des LGL in diesem Fall. „Es ist Frühlingsanfang, beste Pflanzzeit, dann hätte man draußen wieder Halligalli!“ Die meisten Gärtnereibetriebe würden schließlich nicht den größten Profit aus Salatpflanzerl generieren, sondern mit Pflanzen, die eben nicht der Grundversorgung dienten, sondern der optischen Aufwertung des Gartens.

Internetvermarktung und Vertrauenskasse als Lösungsansatz

Für Betriebe, die nun aber überwiegend Lebensmittelversorger seien, gebe es laut LGL zwei Möglichkeiten für Betriebe, die den Status des Grundversorgers einnähmen: Die Internetvermarktung und die Vertrauenskasse. Das Erste hält Dr. Huber für nicht praktikabel: „Diese Form der Vermarktung ist für diese Art der Produkte nicht geeignet. Es macht ja keinen Sinn, zehn Salatpflanzerl durch die Gegend zu schicken.“ Die Vertrauenskasse hingegen könne auch er sich vorstellen: „Man stellt ähnlich wie bei den Blumenfeldern ein gewisses Sortiment vor die Haustür und vertraue auf die Ehrlichkeit der Kunden. Es müsste halt die Einhaltung der Abstände wie auf einem Markt gewährleistet sein.“ Die Entscheidung, wer dies praktizieren dürfe, obliege wiederum der Behörde vor Ort, also dem Landratsamt, so Dr. Huber.

Bei allem Interesse der Gärtnereien, ihre Produkte an den Mann zu bringen, betont Huber, dass eines über Allem stehen müsse: „Es darf kein Zögern geben, diese Seuche in den Griff zu bekommen.“ Jede zwingende Ansammlung von Menschen müsse verhindert werden.

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