Für ein Stück Normalität in Zeiten von Corona: Nikolaus in Erharting kommt trotzdem

Der Erhartinger Nikolaus ist gerne gesehen. Der Brauchtumsverein will trotz Corona an den Hausbesuchen festhalten, muss sich aber an strikte Hygienerichtlinien halten.
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Der Erhartinger Nikolaus ist gerne gesehen. Der Brauchtumsverein will trotz Corona an den Hausbesuchen festhalten, muss sich aber an strikte Hygienerichtlinien halten.

Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt: Brauchtumsverein Erharting will trotz Corona von Haus zu Haus gehen. Doch auch für die Heiligen gilt dabei, einige Regeln zu beachten.

von Josef Enzinger

Erharting – Josef Vorbuchner ist ein Heiliger mit Leib und Seele. Wenn Stephani-Umritt in Erharting ist, dann lässt er schon Monate vorher die Barthaare sprießen, um möglichst authentisch den Heiligen Josef zu mimen. Gleichzeitig kommt ihm die Gesichtsbehaarung zugute, wenn er für den Erhartinger Brauchtumsverein als Heiliger Nikolaus unterwegs ist. Auch in diesem Jahr – obwohl er vor wenigen Wochen noch gar nicht genau wusste, ob er überhaupt in die Rolle des Bischofs aus Myra schlüpfen darf. In Zeiten von Corona muss man sich zweimal fragen, ob der Nikolaus von Haus zu Haus geht, um seine Gaben zu verteilen. Der Brauchtumsverein nimmt die Herausforderung an.

Besuche bei den Senioren schwierig

„Dass wir in das Caritas-Altenheim gehen und dabei die alten Leute in ihren Zimmern besuchen – das fällt in diesem Jahr definitiv aus. Aber an den Hausbesuchen wollen wir festhalten“, das sagt Leo Biermaier, langjähriges Mitglied im Brauchtumsverein von Erharting, der schon Hunderte Kinder als Heiliger besucht, gelobt und getadelt, schließlich aber jeden mit Geschenken bedacht hat. „In diesem Jahr herrschen halt wegen Corona andere Voraussetzungen“, sagt Biermaier, dem natürlich klar ist, dass die tatsächlichen Besuche schlussendlich vom tatsächlichen Infektionsgeschehen rund um den 5. Dezember abhängig ist.

Nikolaus muss 1,5 Meter Abstand zum Kind halten

Man habe sich aber schon frühzeitig Gedanken darüber gemacht, inwieweit der Nikolausdienst durchgeführt werden kann, welche Hygienerichtlinien einzuhalten seien. Dabei habe man sich eng mit dem Gesundheitsamt abgestimmt, berichtet Biermaier. „Natürlich wird der Heilige beim Betreten eines Hauses Maske tragen, bei seinem Vortrag allerdings darf er auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten – Voraussetzung ist, dass er die 1,5 Meter Abstand zum Kind einhält“, erklärt Biermaier. Handschuhe tragen Nikolaus und Krampus ohnehin, „und der Sack voller Gaben, mit Nüssen und Äpfeln wird in den Raum gestellt, zur Selbstbedienung, das Verteilen fällt flach!“ Körperkontakt ist nämlich untersagt.

Bis zu 250 Auftritte waren es in den vergangenen Jahren – und diesmal?

Jedes Jahr sind es zwischen 220 bis 250 Auftritte, die die Heiligen des Brauchtumsvereins an mehreren Tagen zu bewältigen haben. „Bis zu acht Paare sind dann unterwegs“, verrät Rosmarie Leserer, die schon seit etlichen Jahren die Einsatzzeiten der Ehrenamtlichen koordiniert. Über Anmeldungen für 2020 kann sie sich nicht beschweren. „Schon im September sind die ersten Anmeldungen aufgeschlagen“, sagt Leserer. Schulen und Kindergärten hätten sich schon vor Wochen gemeldet, dass sie den Nikolausdienst wieder in Anspruch nehmen wollen. „Weil sie den Kindern auch ein Stück Normalität in Zeiten von Corona bringen wollen.“

Erfindungsreichtum ist gefragt: Warum nicht den Nikolaus im Freien empfangen?

Die Auftritte in Privathaushalten werden freilich etwas verändert ablaufen, sagt Koordinatorin Leserer. Man legt den Privatleuten nahe, den Besuch des Nikolauses im Freien abzuhalten, „was auch sehr stimmungsvoll sein kann, etwa mit einer Feuerschale.“

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Und den Stab darf diesmal der Krampus halten

Der Nikolaus wird eher allgemein auf die Kinder eingehen. Tunlichst werde man in diesem Jahr auf den Austausch von Zetteln, auf der Lob und Tadel verzeichnet seien, verzichten, um nicht unnötig ein Infektionsgeschehen zu provozieren. „Und den Stab wird wohl der Krampus halten müssen!“ Dass eine Geschenkübergabe wird nicht erfolgen. Dass auf eine Geschenkübergabe verzichtet wird, sieht Leserer sogar als Chance: „Damit der Fokus nicht alleine darauf gerichtet ist, was denn im Sack stecken könnte!“

Nikolaus wechselt öfter die Handschuhe

Die Erhartinger Nikoläuse werden wohl an vier, fünf Tagen unterwegs sein, schätzt Biermaier. Die Gewänder würden täglich desinfiziert werden. Handschuhe gewaschen. „Schon ohne Corona haben wir die Handschuhe aus hygienischen Gründen bis zu dreimal gewechselt. Das Händeschütteln fällt in diesem Jahr sowieso weg!“

So mancher Lausbub wird wohl nichts gegen die Abstandsregel haben, vor allem, wenn dann der finstere Gesell mit seiner Rute auf Distanz bleibt. Wobei Leo Biermaier abwinkt: „Eine Maßregelung mit der Rute – das kommt bei uns sowieso nicht vor!“

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