Franz Artinger scheidet nach 36 Jahren aus dem Gemeinderat aus

Ob im Kreistag oder im Gemeinderat:Das Wort von Franz Artinger hatte immer Gewicht. Nach 36 Jahren verabschiedet sich der Zweite Bürgermeister aus dem Gemeinderat. Bichler

Zweiter Bürgermeister Franz Artinger prägte die Entwicklung der Gemeinde Niederbergkirchen als Kommunalpolitiker mit. Jetzt ist für ihn Schluss. Im Interview wirft er einen Blick zurück auf die vergangenen 36 Jahre und berichtet von seinen Zielen für die Zukunft.

Niederbergkirchen – In mehr als der Hälfte seiner bisher 67 Lebensjahre gehörte der Maurermeister, Bautechniker und Restaurator (nun in Ruhestand) Franz Artinger dem zwölfköpfigen Gemeinderat der Gemeinde Niederbergkirchen an und prägte in dieser Zeit die positive Entwicklung der Gemeinde in vielen Bereichen durch seinen Einsatz maßgeblich mit. Diese Zeit endet nun am 30. April. In einem Interview beantwortete er Fragen zu seiner Zeit als Gemeinderat und in weiteren Funktionen im Dienste der Allgemeinheit.

Seit wann haben Sie dem Gemeinderat angehört?

Franz Artinger. Meine Zeit als Gemeinderat begann am 1. Mai 1984. Damals war ich noch nicht ganz 32 Jahre alt. Sie endet nun nach 36 Jahren ohne Unterbrechung am 30. April 2020.

Was hatte Sie damals dazu bewogen, als relativ junger Bürger zu kandidieren?

Franz Artinger. Nur so sah ich die Möglichkeit die Entwicklung der Gemeinde aktiv mitzugestalten.

+++ Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren! +++

Mit wie vielen Bürgermeistern haben Sie in diesen Jahren zusammengearbeitet?

Franz Artinger. Die ersten vier Jahre, bis 1988, war ich Gemeinderat bei Friedrich Siller, der dann aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgab. Von 1988 bis 1996 war dann Markus Kreuzpointner unser Bürgermeister. In den nächsten zwölf Jahren, bis 2008, amtierte Sebastian Bichler als Bürgermeister, und danach bis jetzt arbeitete ich mit Werner Biedermann zusammen.

Welche Aufgaben haben Sie zu Beginn Ihrer Gemeinderatstätigkeit als die wichtigsten angesehen?

Franz Artinger. Ganz wichtig war mir von Anfang an der Erhalt der Grund- und Teilhauptschule. Die Teilhauptschulen wurden dann ja überall aufgelöst, aber die Grundschule konnte, auch aufgrund einer Sanierung mit viel Eigenleistung, erhalten werden. Dringend erforderlich erschien mir auch die Verbesserung der Wasserversorgung und der Kanalisation. Die Schaffung von Bau- und Gewerbeflächen war mir außerdem ein großes Anliegen.

Im Bereich der Kinderbetreuung hat sich ebenso Vieles getan in den letzten drei Jahrzehnten...

Franz Artinger. Einen Kindergarten gab es zu Anfang meiner Zeit als Gemeinderat noch nicht. Dazu kam noch, auch um die Schule zu erhalten, der Wunsch und die Notwendigkeit bessere Sportanlagen und eine größere Turnhalle zu errichten. Schließlich sah ich auch Bedarf für eine bessere Ausstattung der beiden Ortsfeuerwehren. All das konnte, wenn auch aufgrund der angespannten Finanzlage der Gemeinde, erst nach und nach, verwirklicht werden.

Was waren die größten Probleme oder Herausforderungen für die Gemeinde?

Franz Artinger. Da wegen der unzureichenden Verhältnisse bei der Wasserversorgung und der Abwasserbeseitigung für Niederbergkirchen vom Landratsamt ein Baustopp verfügt wurde, musste gehandelt werden. Wegen der für die Bürger sehr hohen zu erwartenden Anschlusskosten und dem von der Verwaltung geforderten Anschlusszwang kam es zu großen Widerständen und es dauerte Jahre, bis eine sinnvolle Lösung verwirklicht werden konnte. Dies gelang dann aber mit der Errichtung einer flächendeckenden Wasserversorgung, wobei das Wasser von einer 1996 gegründeten Wassergenossenschaft an die Gemeinde geliefert und von dieser an alle angeschlossenen Haushalte verteilt wird, so dass alle Bürger gleiche Gebühren zu entrichten haben. Auch die Lösung der Abwasserfrage war lange strittig. Die Entscheidung fiel dann zugunsten einer Ableitung der Abwässer zur Kläranlage nach Mühldorf und gegen eine gemeindliche Kläranlage.

Womit ist die Gemeinde aktuell konfrontiert?

Franz Artinger. In den letzten Jahren erwies sich die Planung zur dringend notwendigen Erweiterung des Kindergartens als großes Problem, das den zukünftigen Gemeinderat wohl 2020 und 2021 weiter beschäftigen wird. Die unter anderem wegen geringer Gewerbesteuereinnahmen niedrigen finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde und die zwischenzeitlich hohe Verschuldung bildeten stets einen Hemmschuh.

Welche Aufgaben sehen Sie für die Zukunft als die wichtigsten Herausforderungen für die Gemeinde?

Franz Artinger. Zum einen den Erhalt der Grundschule. Dann aber auch die Umsetzung der Erweiterung des Kindergartens um eine Gruppe, die Sanierung weiterer Gemeindestraßen, die ja in den letzten Jahren schon in mehreren Bereichen durchgeführt wurde. Und weiterhin auch die Schaffung von Bauland.

Welche Ämter haben Sie in Ihrer Zeit als Gemeinderat innegehabt ?

Franz Artinger. Seit 1996 wurde mir das Amt des zweiten Bürgermeisters bis heute anvertraut, also 24 Jahre lang. 30 Jahre lang war ich Mitglied im Rechnungsprüfungsausschusses, seit 1996 Vorsitzender dieses Ausschusses. Außerdem gehörte ich von 2002 bis 2014 dem Kreistag von Mühldorf an und war in diesen Jahren auch Mitglied des Bauausschusses im Kreistag.

Was raten oder wünschen Sie den neuen Gemeinderäten?

Franz Artinger. Den neuen Gemeinderäten wünsche ich viel Glück bei ihren Entscheidungen und dass es ihnen gelingt, sich bei den Entscheidungen an die Fakten zu halten.

Was sehen Sie als Ursache dafür an, dass es immer schwieriger wird, junge Leute für eine Kandidatur für den Gemeinderat zu gewinnen?

Franz Artinger. Zum einen ist heutzutage leider in vielen Fällen keine oder zu wenig Bereitschaft zu erkennen, sich für die Gemeinde einzusetzen. Zum anderen spielt aber sicher auch die Angst eine Rolle, nicht gewählt zu werden.

Was waren in Ihrer Zeit als Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister die größten Enttäuschungen und die aus Ihrer Sicht erfreulichsten Erfolge?

Franz Artinger. Als größte Erfolge bewerte ich die Schaffung der Wasserversorgung mit den eigenen Tiefbrunnen, dann die zentrale Lösung der Abwasserfrage mit der Klärung der Abwässer in Mühldorf. Auch den Erhalt der Grundschule sehe ich als großen Erfolg an und schließlich, dass die Gemeinde am Ende meiner Gemeinderatszeit schuldenfrei ist. Sehr enttäuscht hat mich die schwierige Zusammenarbeit mit Vertretern der Kirche, als es um die Umsetzung von Anbau und Erweiterung des Kindergartens ging.

Ist es Ihnen schwer gefallen, sich nun von der politischen Bühne zu verabschieden?

Franz Artinger. Nein.

Was haben Sie sich jetzt als ihren Lebensschwerpunkt gesetzt?

Franz Artinger. Mich um Haus und Garten zu kümmern, auf Reisen noch einiges von der Welt anzuschauen und eventuell noch zu studieren.

Interview: Sebastian Bichler

Kommentare