Von der Fotovoltaik überzeugt

Neumarkt-St. Veit - Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden - dies erwägt die Stadt Neumarkt-St. Veit. Mehrzweckhalle, Schule, Feuerwehrgerätehaus und Bauhof würden sich dafür anbieten. Informationen lieferte dazu der Landkreisbeauftragte Hans Holz vor dem Bauausschuss.

Anhand seiner eigenen Anlage, die seit 2001 Strom einspeist, erklärte Holz die Rentabilität der Fotovoltaiktechnik. Neun Jahre produziere sein 14,4 Kilowatt peak (kWp, Erklärung siehe Kasten) großes "Kraftwerk" bereits Strom, "und die Erträge sind tendenziell gestiegen", informierte Holz. Abnutzungserscheinungen habe er noch nicht bemerkt.

Welche Dimensionen an Ertrag eine Bürgeranlage leisten kann, erklärte Holz am Beispiel der Anlage auf der Mehrzweckhalle in Niederbergkirchen. 35,84 kWp sei diese groß, seit 2002 ist diese 167000 teure Anlage im Betrieb, finanziert wurde sie mit 39.000 Euro Eigenkapital, das sich auf 30 Gesellschafter verteilt, die wiederum jeweils jeweils 1330 Euro investiert hätten. Der Rest der Investition wurde laut Holz über einen KfW-Kredit geschultert.

Zwei Jahre war die Anlage tilgungsfrei, dies ermöglichte dieser Gesellschaft bürgerlichen Rechts, dass sie für die Renovierungsarbeiten der örtlichen Schule einen Kredit bereit stellen konnte. Nach zehn Jahren sei die Anlage getilgt, danach schütte sie auch aufgrund eines damals sehr guten Kreditzinses pro Beteiligung 45 Prozent des Investitionsanteils aus. Dass die Anlage gut läuft, belegte Holz mit Zahlen: In den sechs Jahren, in denen die Anlage bereits Strom einspeist, habe sie 228400 Kilowatt Strom erzeugt, Holz rechnete daraus eine durchschnittliche Stromerzeugung von rund 1012 Kilowatt pro kWp und pro Jahr. Aufgrund der stetigen Verbesserung der Technologie könne man heute davon ausgehen, dass heutzutage mindestens 1100 Kilowatt Strom pro kWp "geerntet" werden können. Bei einer derzeitigen Vergütung von 43 Cent pro Kilowatt also pro kWp ein Ertrag von 470 Euro.

Niederbergkirchen habe die Rentabilität solcher Bürgerkraftwerke schon vor Jahren erkannt. Weitere fünf solcher großflächigen Anlagen mit jeweils knapp 30kWp Fläche seien am Netz. Von zehn bis zwölf Prozent an Renditen sprach Holz.

Entsorgungsängste zerstreute Holz. "Insbesondere deutsche Hersteller verfügen bereits über Entsorgungsstraßen, in welchen ausgediente Module zerlegt werden." Schließlich handle es sich um wiederverwertbares Silicium. Ein Problem sieht er allerdings bei der Dünnschichttechnologie, da bei solchen Modulen Schwermetalle eingearbeitet seien.

Zu Befürchtungen, dass Fotovoltaikanlagen "strahlen" könnten, erklärte Holz: "Gleichstrom, wie ihn die Fotovoltaiktechnik produziert, strahlt definitiv nicht." Werde Gleichstrom aber in Wechselstrom umgewandelt, strahle dieser sehr wohl. Es sei darauf zu achten, dass der Raum, in dem die Wechselrichter untergebracht sind, ausreichend weit entfernt lägen. Doch selbst hier sei nach drei Metern eine Strahlung nicht mehr messbar. So ein Raum böte sich in einem Dach oder Keller an.

Holz empfahl eine schnelle Entscheidung. Aufgrund der Wirtschaftskrise seien auch die Preise für Fotovoltaikanlagen um zirka zehn Prozent zurückgegangen.

"Eine gute Sonnenscheindauer, maximal 20 Grad Celsius und dazu noch kalter Ostwind - das wäre optimal", Bedingungen, wie sie Wonnemonat Mai böte, wären für die maximale Auslastung optimal, so Holz.

Wie die Stadt nun weiter verfährt, ließ das Gremium offen. Ob die Stadt die Realisierung von Fotovoltaikalagen auf öffentlichen Gebäuden selbst ausführt, eine Bürgerinitiative gegründet werden soll oder die Stadt eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gründe, werde sich in den nächsten zwei bis drei Monaten entscheiden, "zumal wir in diesem Jahr dafür nichts im Haushalt eingeplant haben", erläuterte Bürgermeister Erwin Baumgartner. Spätestens 2010 will die Stadt aber aktiv werden.

Ferdinand Rothkopf (CSU) regte an, in Frage kommende Nutzflächen zusammenzustellen und einen groben Rahmen zu schaffen, welche Flächen geeignet erscheinen. je

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