Feste abgesagt: Volksfestplatz, Stadtplatz und Schlossgarten bleiben in diesem Jahr leer

Lautenspieler, Ritter, Barbaren und Gesinde: Sie müssen heuer draußen bleiben. Wegen der Corona-Krise muss auch das Schlossgartenfest im Park zu Adlstein ausfallen. Traditionell findet dieses am 14. August statt. Enzinger
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Lautenspieler, Ritter, Barbaren und Gesinde: Sie müssen heuer draußen bleiben. Wegen der Corona-Krise muss auch das Schlossgartenfest im Park zu Adlstein ausfallen. Traditionell findet dieses am 14. August statt. Enzinger

Das Verbot von Großveranstaltungen trifft auch die Stadt Neumarkt-St. Veit schwer. Zur Gefahr der Ansteckung mit Corona kommen auch noch Existenzängste und damit die Bereitschaft ein großes Fest zu organisieren. Jan Dalhoff hat deswegen schon frühzeitig reagiert.

Neumarkt-St. Veit – Was Festwirt Josef Zens und Neumarkts Bürgermeister Erwin Baumgartner schon vor wenigen Wochen befürchtet haben, ist jetzt Gewissheit geworden: Alle Großveranstaltungen bis Ende August sind abgesagt. Das trifft auch das Neumarkt-St. Veiter Volksfest, das jedes Jahr traditionell an Pfingsten stattfindet. „So traurig das auch ist, aber wenn man den gesundheitlichen Aspekt betrachtet, ist das die richtige Entscheidung“, kommentiert Bürgermeister Baumgartner die Anweisung durch die Regierung.

Dass alle Großveranstaltungen abgesagt werden, die bis 31. August anfallen, kann Baumgartner nachvollziehen. „Die Leute brauchen Planungssicherheit. Die Feste benötigen ja auch eine lange Vorlaufzeit!“ Natürlich habe auch die Stadt Neumarkt-St. Veit schon rechtzeitig vorausgeplant. Jetzt, da höhere Gewalt im Spiel sei, müssten die Verträge aufgelöst werden. Vorausleistungen, welche die Standbetreiber bereits gezahlt hätten, würden zurückgezahlt.

Kein Stadtplatzfest? Schpana ist gelassen

Nicht das einzige größere Fest in Neumarkt, wenn es auch mit zehn Volksfest Tagen die größte Dimension eingenommen hätte. Im Jahreskalender der Rottstadt darf auch das Stadtplatzfest nicht fehlen, wofür die Eishockeycracks vom EC Schpana verantwortlich zeichnen. Ihr Starkbierfest im März war das erste Fest überhaupt in Neumarkt-St. Veit, das wegen der Coronakrise abgesagt worden war. Jetzt also auch das Fest in der guten Stube der Stadt Anfang Juli. „Das ist für uns kein Beinbruch. Unser Verein ist glücklicherweise nicht von den Einnahmen des Festes abhängig“, zeigt sich der Vorsitzende des EC Schpana, Günther Ohneis, relativ gelassen. Finanziell seien sie nicht vom Stadtplatzfest abhängig. Denn die Eiszeiten, die der Hobby-Eishackler in der Waldkraiburger Eishalle beanspruchen, bezahlt jeder Spieler aus der eigenen Tasche. Die Erlöse aus Veranstaltungen dienten eher der Finanzierung des Spielbetriebs, erklärt Ohneis.

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Da sind Einnahmen wie aus einem Stadtfest, natürlich herzlich willkommen. Erst seit einigen Jahren richten die Eishackler das Fest aus, dessen Organisation vorher in den Händen des TSV Neumarkt-St. Veit lag. Und Ohneis macht auch keinen Hehl daraus, dass die Erlöse aus dem Stadtplatzfest zweifellos die Vereinskasse aufbessern würden. „Doch wenn es regnet und das Fest witterungsbedingt abgesagt werden muss, würde uns dieses Geld ebenso fehlen.“ Und nach zwei Jahren guten Wetters prognostiziert der Eishockeychef: „Heuer hätte es eh geregnet!“

Kommt für die Puckjäger eine Alternative in Frage? Dazu kann Ohneis noch nichts sagen. In einer Dimension eines Stadtfestes sicher nicht. Ein Fest zu einem späteren Zeitpunkt wie früher, mit 100 bis 200 Leuten, wie es früher die Sommerfeste am Schpanaweiher waren? Das will Ohneis nicht kategorisch ausschließen, er sagt aber auch, dass man sich darüber aktuell noch nicht unterhalten habe. Zu frisch sei die Nachricht über die Absage der Großveranstaltungen.

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Das Verbot großer Feste war noch gar nicht kommuniziert, da hatte aber die Neumarkter Kulturinitiative „Quod Erat Demonstrandum“ (Q.E.D.) bereits die Reißleine gezogen. Deren Vorsitzender Jan Dalhoff hat seine Mitglieder in einem Schreiben vor knapp drei Wochen darüber informiert, dass es in diesem Jahr kein Schlossgartenfest geben würde. Einen Tag vor dem Feiertag Mariä Himmelfahrt, also am 14. August, findet das mittelalterliche Fest im Schlossgarten zu Adlstein statt. Diesmal allerdings fällt auch dieses Fest Corona zum Opfer.

Und dabei spielt nicht nur das nun ausgesprochene Verbot von Großveranstaltungen eine Rolle. „Selbst wenn wir die Veranstaltung durchführen würden, glaube ich kaum, dass sie gut besucht sein würde.“ Von der Unsicherheit, von der Angst der Leute, sich vielleicht anstecken zu können, spricht Dalhoff in diesem Zusammenhang.

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Dalhoff nennt aber auch noch einen anderen Gesichtspunkt: „Wir haben viele ältere Mitglieder im Verein, die bereits beim Aufbauen gefährdet wären!“ Wer sollte eine Infektion verantworten? Und dann bringt Dalhoff auch noch den Aspekt, dass die bereits verstrichenen Wochen, in denen man sich im Krisenmodus befindet, an der Bereitschaft zehren. „Es gibt Leute mit Existenzängsten. Die bereits von der Kurzarbeit betroffen sind oder um ihre Arbeitsstelle bangen. Da hat man erstens nicht den Nerv, eine Großveranstaltung zu organisieren. Man will sich dann nicht auch noch Urlaub nehmen, um für den Auf- und Abbau zur Verfügung stellen.“ Dalhoff könne solche Gründe durchaus nachvollziehen. An eine Verschiebung des Festes ist nicht zu denken. Es wird wohl 2021 werden, bis Rittersleut, Hofdamen und Schlossreigenkinder die Zeit im Schlossgarten zurückdrehen können.

Bleibt nur noch das Weinfest im Herbst

Die einzige Hoffnung ruht auf dem Deutsch-italienischen Weinfest, das im Herbst in der Rottstadt im Zuge der Partnerschaft zwischen Neumarkt-St. Veit und der italienischen Kommune Caneva gefeiert werden soll. Der Verein Ponte und die Feuerwehr Neumarkt hatte dieses Fest zusammen mit der Q.E.D. im Turnus von zwei Jahren durchgeführt. 2020 wäre es wieder soweit. „Es sind noch einige Wochen hin, eine Entscheidung ist hier noch nicht gefallen“, sagt dazu Dalhoff.

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