Auszeichnung für Jonas Voglsamer

Faszination Mittelalter als Antriebsfeder: Neumarkter wird Bundessieger im Metallbau

Jonas Voglsamer mit der Siegerurkunde des Bundesleistungswettbewerbs des Metallhandwerks in seine eigenen Schmiede.Ott
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Jonas Voglsamer mit der Siegerurkunde des Bundesleistungswettbewerbs des Metallhandwerks in seine eigenen Schmiede.Ott

„Metallbau ist langlebig und nachhaltig, da ist immer noch alles so wie früher“ erklärt Jonas Voglsamer. Die Begeisterung für seinen Beruf ist ihm ins Gesicht geschrieben. Schon in seiner Kindheit faszinieren ihn talentierte Schmiede und alte Mittelalterfilme.

Neumarkt-St. Veit – Seit Ende letzten Jahres darf der 21-Jährige sich nun selbst zu den besten Metallbauern Deutschlands zählen. Dank seines hervorragenden Gesellenstücks erreicht der Neumarkt-St. Veiter das beste Kammerergebnis Niederbayerns. Seine Hutablage mit weiteren Aufhänge-Möglichkeiten überzeugt auch die Jury auf Landesebene und so steckt der Neumarkter kurzerhand auch noch den Bayernsieg ein. Das Ende der Fahnenstange war damit aber noch nicht erreicht: Als Bester seines Jahrganges qualifiziert er sich so für den Bundesleistungswettbewerbs des Metallhandwerks 2020.

Voglsamers Gesellenstück: Wandgarderobe mit Erweiterungsfunktion aus Messing und geschmiedetem Stahl

Absolute Neuheit: Virtuelle Prüfung

In der Welt des praktischen Leistungswettbewerbes gab es so etwas noch nie: Der Wettkampf auf Bundesebene muss aufgrund der Pandemie digital vor einer Web-Cam stattfinden. „Mit der Umstellung auf einen virtuellen Wettbewerb sind wir neue Wege gegangen. Damit wollten wir bewusst ein zeitgemäßes Zeichen setzen für exzellente Ausbildungsleistungen im Metallhandwerk und deren Anerkennung“, erklärt der Vizepräsident des Bundesverbands Metall, Michael Winterhalter.

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Exzellent ist auch die Leistung von Jonas Voglsamer. Überzeugend erklärt er per Video-Chat die Gestaltung und Skizzierung seines Stabendes für ein Baumgitter und gewinnt damit den ersten Platz in der Fachrichtung Metallgestaltung.

Mit diesem geschmiedeten Stabende für ein Baumgitter gewinnt Voglsamer auf Bundesebene.

Mittlerweile arbeitet der Metallbauer nicht mehr in seinem Ausbildungsbetrieb Scheidhammer, sondern in seiner eigens renovierten Schmiede und ist im Garten- und Landschaftsbaubetrieb seines Vaters angestellt. In seinen Vorstellungen plant er schon die nächsten Skulpturen, Gartenzäune und Hochbeete. „Hauptsache ich kann mich künstlerisch und handwerklich austoben und in alle Richtungen flexibel bleiben“, so Voglsamer. Er hofft auch andere davon begeistern zu können, ein so widerständiges Material wie Eisen, in verschiedenste künstlerische Formen zu bringen.

Mehr Begeisterung wünscht sich auch der Obermeister der Metallinnung

Eine solche Begeisterungsfähigkeit wünscht sich auch der Obermeister der Metallinnung Altötting Mühldorf, Anton Hudlberger aus Heldenstein. An Betrieben mangelt es nicht in der Innung, die insgesamt 80 Mitglieder zählt. 30 bis 40 Betriebe würden regelmäßig ausbilden, und zwar in den Fachrichtungen Konstruktionstechnik, was dem Tätigkeitsfeld eines Schlossers entspricht, und in der Metallgestaltung, „früher der klassische Schmied“, erklärt Hudlberger. Doch es fehle an Auszubildenden, der Trend sei rückläufig, bedauert Hudlberger und vermutet die Gründe in der Anspruchshaltung der Schulabgänger.

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„Flexibel in alle Richtungen“

Ausbildungen in Büro und Industrie würden als attraktivere Segemente gesehen, Metallbau und Metallgestaltung erscheine deswegen weniger anziehend, weil damit eine gewisse Flexibilität einhergeht. Tätigkeiten auf Baustellen und Montagearbeiten zum Beispiel, „da spielt bei den jungen Leuten auch die Witterung eine Rolle oder ob ich mich im Beruf dreckig mache!“, sagt Hudlberger ganz offen. Wichtig sei ein gewisser „Idealismus, ein Handwerk erlernen zu wollen“. Gerade als Metallbauer könne man vielseitig tätig sein, „ein abwechslungsreicher und zukunftsträchtiger Beruf in allen Bereichen, in denen man mit Metall zu tun hat“, sagt Hudlberger und beruft sich auf die eigene Erfahrung.

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Vom Schmied zum Betriebswirt

Er habe selbst die Schule mit einem Quali abgeschlossen, dann Schmied gelernt, zwei Meisterbriefe erhalten und schließlich auch seinen Betriebswirt gemacht. „Heute stehen uns alle Wege offen“, betont Hudlberger und hofft, dass ein Umdenken stattfindet. Zum Teil will er das schon erkannt haben. „Wir haben mittlerweile auch Abiturienten und Realschüler in Ausbildung.“ Er wertet das als Signal, dass Handwerksberufe, speziell im Metallsektor, wieder an Wertschätzung zunehmen.

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