Familiengeschichte im Fokus: Schicksalsschläge ab 1916 im Hause Döring

Das Geschäft um 1995. Döring

Zur Geschichte der Neumarkter Verleger-Familie in Neumarkt-St. Veit – Teil zwei unserer Serie

Neumarkt-St. Veit – Mit der angekündigten Geschäftsaufgabe der „Büroteek“ geht für Neumarkt-St. Veit eine über 130-jährige Firmengeschichte zu Ende, die nicht unwesentlich zur Entwicklung des Ortes beigetragen hat. Eng verbunden ist der Name des Eigentümers, Döring, auch mit dem Neumarkter Anzeiger. In mehreren Teilen wird der Neumarkter Anzeiger die 130-jährige Geschichte der Dörings beleuchten.

Döring junior fällt im Oktober 1916

Der Verleger, Zeitungsredakteur und Reporter Hermann Döring sorgt sich im ausgehenden 19. Jahrhundert auch um die Zukunft seines Betriebes und bereitet seinen 1890 erstgeborenen Sohn Hermann junior auf die Geschäftsübernahme vor. Dieser besucht erfolgreich die Realschule in Landshut, seine anschließenden Lehr- und Ausbildungsjahre führen ihn nach Leipzig, Traunstein und München.

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Die Geschäftsübergabe verhindert der erste Weltkrieg, in dem Döring junior. am 13. Oktober 1916 als Offiziersanwärter einer Pionierabteilung in Frankreich fällt. Hermann Döring verkauft 1919 die Druckerei und den Verlag des Neumarkter Anzeigers an die Altbayerische Verlagsanstalt in Mühldorf und möchte sich zur Ruhe setzen, aber daraus wird nichts.

Am 1. April 1922 kauft er die Druckerei zurück, der Verlag bleibt jedoch in Mühldorf und Hermann Döring weiter Lokalredakteur. Der Grund für dieses Handeln ist die stetig steigende Inflation, die seine ganzen Altersrücklagen verzehrt hat.

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1933 übernehmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland, was sich in kurzer Zeit auch im Bereich des Pressewesens zeigt. Als zweite Tageszeitung erscheint ab 1. September 1933 im Geiger-Verlag Mühldorf die „Neumarkter Post“; vereinigt mit der Altbayerischen Volkswacht. Es wird ein Tagblatt für Neumarkt, amtliches Organ der NSDAP, Kreisleitung Mühldorf. Im Herbst 1934 erscheint folgender Artikel: „Dem Vater des Neumarkter Anzeiger, dem nunmehr bald 80-jährigen Hermann Döring gebührt nach einem reichen Lebenswerk nun auch die verdiente Ruhe. Darum wird die Geschäftsstelle des Neumarkter Anzeigers im Hause Döring ab 1. August 1934 aufgehoben. Die Zeitungsausgabe erfolgt ab morgen am Marktplatz 46 im Hause Jandl“.

Die Nachfolger von Hermann Döring

Dies geschieht nach einer Verordnung der NSDAP, die auch in kürzester Zeit für das Verschwinden des Neumarkter Anzeigers sorgt.

Nach dem Tod seines Bruders Hermann 1916 ist der damals 13-jährige Otto Döring noch zu jung um das Geschäft zu übernehmen. Er arbeitete in den Zwanzigerjahren in mehreren Großbetrieben, in denen er sich das Wissen und Können aneignete um den elterlichen Betrieb übernehmen zu können.

1930 legte er die Meisterprüfung als Buchdrucker ab. Als große Stütze bei der Entwicklung seines Unternehmens stand ihm seine Gattin Irmgard zur Seite, die er im Jahre 1939 geheiratet hatte. Noch im selben Jahr wurde Otto Döring zu den Waffen gerufen und erlebte den Zweiten Weltkrieg bis 1945.

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