DAS BRINGT DAS JAHR 2017

Erwin packt den Gummihammer aus

Auch dieser Entwurf setzt sich nicht durch:Das Gebäude zum seniorengerechten Wohnen wirkt durch seine Höhe zwar nicht mehr als Koloss, doch der Flughafen München meldet Bedenken an aufgrund der Höhe. Im Dezember bringt die Stadt Neumarkt-St. Veit Kommunal-Puzzles heraus. Allerdings behält sich Bürger- und Baumeister Erwin Baumgartner (kleines Bild) das Recht vor, immer das letzte Puzzleteil zu setzen. wi/tz
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Auch dieser Entwurf setzt sich nicht durch:Das Gebäude zum seniorengerechten Wohnen wirkt durch seine Höhe zwar nicht mehr als Koloss, doch der Flughafen München meldet Bedenken an aufgrund der Höhe. Im Dezember bringt die Stadt Neumarkt-St. Veit Kommunal-Puzzles heraus. Allerdings behält sich Bürger- und Baumeister Erwin Baumgartner (kleines Bild) das Recht vor, immer das letzte Puzzleteil zu setzen. wi/tz

Eher breit und dafür flach? Oder schön schlank und dafür umso höher? Einen Konsens für den Bau des seniorengerechten Wohnheimes zu finden, fordert den Neumarkter Stadtrat auch 2017 heraus. Die Heimatzeitung weiß schon jetzt, welche Lösung sich schließlich durchsetzen wird.

Januar

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer vermeidet beim Frühschoppen der CSU in Neumarkt das Thema Flüchtlinge. Er lenkt stattdessen das Interesse geschickt auf das Thema Radweg entlang der B 299 nach Stetten und verspricht, wie 2010, „endlich Druck zu machen!“

Die Diskussion um das Seniorenwohnprojekt an der Einmayrstraße geht in die nächste Phase. Plötzlich ist von fünf Geschossen die Rede: Zwei unter Tage, ein Erdgeschoss und oben drauf zwei weitere. Der Stadtrat lehnt ab: „Fünf Geschosse sind ja mehr als die bisherigen vier!“

Bürgermeister Erwin Baumgartner erklärt das Jahr 2017 zum Jahr der Schlusssteine.

Februar

Die Umgehungsstraße in Egglkofen steht im neuen Bundesverkehrswegeplan. Nach eingehender Prüfung stellt das Bundesverkehrsministerium aber fest: Die Umgehungsstraße braucht es gar nicht, weil die Häuser entlang der Ortsdurchfahrt sowieso leer stehen.

Nachdem sich die Initiatoren des „Café International“ in die Wolle gekriegt haben, geht es mit dem „Café Miteinander“ in der evangelischen Friedenskirche weiter. CSU-Stadträtin Rosmarie von Roennebeck will trotzdem weiter integrieren und hat ein eigenes Café-Projekt ins Leben gerufen. Ins „Café durcheinander“ kann jeder kommen, auch Fans vom „Café miteinander“.

März

„Sukzessive Modularbauweise“: So lautet das Credo beim Radweg von Schoßbach nach Stetten. Doch der erste Spatenstich scheitert, weil das Straßenbauamt vergessen hat, die Bäume zu roden: Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt eine „Schonzeit“ für Bäume zwischen dem 1. März und dem 30. September vor, bis dahin herrscht also Stillstand.

Der städtische Kindergarten lädt zum offenen Mühle-Turnier ein: Bürgermeister Erwin Baumgartner darf im Finale den Schlussstein setzen.

April

Der Johannesplatz in Neumarkt-St. Veit mutiert zum Vergnügungsviertel. Nachdem im Dezember 2016 in der Taste-Bar zum Striptease geladen wurde, öffnet nun auch eine Shisha-Bar im Schatten der Kirche. Pfarrer Franz Eisenmann ist außer sich.

Ganz Neumarkt-St. Veit ist mit schnellem Internet versorgt. Ganz Neumarkt? Nein. Frauenhaselbach, einst unerschütterlich im Kampf um schnelles Internet, verweigert aus Solidarität zu Stadtrat und Breitbandreferent a. D. Reinhard Fuchs den Anschluss.

In der Wirtschaft bahnt sich eine Sensation an. Nachdem sämtliche Genossenschaftsbanken ihre Geldautomaten aus den Gemeinden der VG Oberbergkirchen abgezogen hat, gründet der vielfache Bäckerei-Filialist Toni Jung die „Elsässische Genossenschaftsbanken“, kurz „Banque coopérative d’Alsace“, um die Geldversorgung sicherzustellen.

Mai

„LaBrassBanda“ rockt eine Woche vor dem offiziellen Volksfestbeginn Neumarkt-St. Veit. Anlass ist der 33. Geburtstag der Crocodiles vom EC Schpana. Festwirt Sepp Zens ist so begeistert, dass er kurzerhand das Volksfest für eröffnet erklärt. „Es rentiert sich doch gar nicht, das Zelt für die eine Woche zuzusperren!“ Baumgartner willigt ein. Er zapft aber diesmal nicht an, sondern setzt den Schlusskieselstein, nachdem der Volksfestplatz mit feinem Riesel befestigt worden ist.

Juni

Nach dem Verkehrsgalgen in der Bahnhofstraße und dem Galgenberg als Siedlung gibt es nun auch die bepflanzte Galgenkonstruktion am Parkplatz hinter dem alten Rathaus: Stilgerecht erhält der Platz den Namen „Am Galgenhain“.

Stadtrat Ludwig Spirkl bleibt bei seiner Forderung nach einer Verkehrsberuhigung in der Einmayrstraße. Sein Vorschlag, die Straße in „Einbahnstraße“ umzubenennen, fällt im Gremium durch.

Juli

Sämtliche Integrations-Kaffeekränzchen haben sich totgelaufen. Nachdem bei der letzten Umbenennung von einem „Café Intrige“ die Rede war, will jetzt gar keiner mehr weitermachen.

Bei der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause zögert Ludwig Spirkl das Sitzungsende mit einem Fragenmarathon hinaus. Unter anderem fordert er eine 30er-Zone in der Einmayrstraße, „damit nur noch Personen unter 30 darauf fahren dürfen!“ Bürgermeister Baumgartner ist genervt, stellt einen Antrag zur Geschäftsordnung: Künftige Themen, die bereits in den Ausschüssen Thema waren, sollen zwar auch im Stadtrat zur Abstimmung kommen, Nachfragen sind aber nicht mehr erlaubt. „Es ist schließlich schon alles g’sagt!“ „Aber nicht von jedem“, ruft Spirkl dazwischen. Es gibt zwar keinen Fraktionszwang, doch mit sämtlichen UWG-Stimmen setzt Baumgartner den Antrag durch.

August

Nach einjähriger Sanierung könnte der katholische Kindergarten nun wieder sein Domizil in der Badstraße beziehen. Doch den Vitus-Kindern gefällt es in den Containern bei St. Veit so gut, dass sie dort bleiben wollen. Die Stadt überlegt eine alternative Nutzung des Gebäudes: Will die Rottaler Volksbank nicht einziehen, solange sich beim Trager nichts tut? Die Bank lehnt ab.

Gute Nachricht für Notdürftige in Neumarkt: Die öffentliche Toilette im alten Rathaus ist fertig. Als Bürgermeister Erwin Baumgartner bei der Einweihung den letzten Klostein setzt, strahlt er: „Das Klo kostete nur halb so viel wie die Toiletten im Mühldorfer Rathaus!“

September

15 Jahre Städtepartnerschaft: Mit einjähriger Verspätung soll nach dem Fauxpas von 2016 die Feier zur 15-jährigen Partnerschaft mit Caneva in Form eines Weinfestes stattfinden. Alles ist vorbereitet. Doch schon wieder passiert ein Missgeschick: Das Rathaus hat vergessen, die Canevesen einzuladen.

Beim „Tag des offenen Denkmals“ kann man in diesem Jahr den Tragerwirt besichtigen. Auch Bürgermeister Erwin Baumgartner kommt und haut mit seinem Gummihammer alle Steine, die rumliegen, in den Boden. Verschwitzt klärt er die verdutzten Besucher auf, dass er für einen Weltrekordversuch im Schlusssteineklopfen trainiert.

Oktober

Am Johannesplatz öffnet auch noch ein Dessousgeschäft. Pfarrer Eisenmann ist empört und beantragt, den Platz rund um die Kirche künftig für Personen unter 16 Jahren zu sperren.

Der Tragerwirt bleibt Baustelle, wird aber mittlerweile aufgrund seiner historischen Bedeutung neben dem Netto-Logistikzentrum von Erharting sowie dem 177 000-Euro-Klo von Mühldorf zum Weltkulturerbe ernannt. Der Rottaler Volksbank als potenziellen neuen Mieter ist das inzwischen egal: Sie zieht mit dem Stammhaus ins neue Bankenzentrum nach Schönberg um, wo sie die Nähe zur elsässischen Genossenschaftsbank sucht. Aus der Rottaler Volksbank wird die „Eschlbacher Kommunalbank“.

Hurra, entlang der B 299 nach Stetten darf gerodet werden! Die ersten 50 Meter Radweg sind binnen einer Woche fertiggestellt. Ein Shuttle-Bus bringt die Kinder mit ihren Rädern zu diesem sicheren Radlweg, wo sie sich richtig austoben.

November

Nach dem großartigen Erfolg zum 33. Geburtstag kündigt der EC Schpana an, auch den 34. Geburtstag groß zu feiern – „weil das nämlich keine Primzahl ist!“ Im Mai 2018 kommt die Spider Murphy Gang, weil die nicht nur 41-jähriges Bühnenjubiläum feiert, sondern auch das 14. Jubiläumsjahr, seit sie zuletzt in Neumarkt gespielt haben.

Der Protest gegen das überdimensionierte Wohnprojekt für Senioren geht weiter. Jetzt nimmt die Stadt selbst die Zügel in die Hand, trägt das Fundament bis zu einer Tiefe von zehn Metern ab, um danach ein sechsgeschossiges Seniorenwohnheim ohne Keller zu bauen. Das ist immer noch fünf Meter niedriger als die Dachrinne vom benachbarten Rie besecker-Gebäude.

Potenzielle Wohnungskäufer im Rentenalter lockt die Stadt mit dem Förderprojekt: „Alt kauft neu“. Voraussetzung: Die Rentner müssen vorher ihr Eigenheim für das Projekt „Jung kauft Alt“ zur Verfügung gestellt haben. Das Seniorenwohnprojekt soll auch einen Namen erhalten. Vorgeschlagen war: „Nördlich des Galgenbergs“, „Caneva II“ und „Klein-Manhatten“. Schließlich setzt sich aufgrund der gewaltigen Dimension des Gebäudes „Colosseum seniorem“ durch.

Dezember

Bürger der Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen freuen sich: Die „Elsässische Genossenschaftsbank“ und die „Eschlbacher Kommunalbank“ fusionieren zur „Elsäschlbacher Kommunalgenossenschaftsbank“. Man verspricht, dass alle Filialen inklusive der Geldautomaten erhalten bleiben. Lohkirchens Gemeinderat Reinhard Retzer ist skeptisch.

Pünktlich zu Weihnachten kommt Neumarkt-St. Veit als 3 D-Puzzle heraus: Das „Colosseum seniorem“ gibt es als Junior-Edition mit 3000 Teilen und als seniorengerechte Ausgabe mit drei – wobei in beiden Fällen der Bürgermeister persönlich vorbeikommt, um das Schlussteil zu setzen.

2018 ist ein magisches Datum für Egglkofen: Die Montgelas’sche Schlossbrauerei würde dann ihren 300. Geburtstag feiern. Ein bayerisch-französisches Konsortium – darunter die ehemals elsässische Genossenschaftsbank – will dem alten Brauereikomplex neues Leben einhauchen. Das soll Arbeitskräfte bringen und Neuzugezogene, die Leerstände an der B 299 füllen. Zum Ende der Sanierung setzt Bürgermeister Johann Ziegleder den Schlussstein – Erwin Baumgartner ist neidisch. lus/tig

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