HISTORISCHER EISKELLER

Erhartinger Brauerei: So bleibt das Bier unter Tage frisch

(Von links) Reinhard Kobler, Alex Kobler, Tobias Huber, Herbert Maßberger und Christian Faul lenken die Eisblöcke in Richtung Förderband.
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Dank der frostigen Temperaturen konnten sich die Mitarbeiter der Brauerei Erharting auf dem Eisweiher furchtlos bewegen: gut zehn Zentimeter war das Eis stark. (Von links) Reinhard Kobler, Alex Kobler, Tobias Huber, Herbert Maßberger und Christian Faul lenken die Eisblöcke in Richtung Förderband. Becker
  • vonPeter Becker
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Das gibt es nur noch alle paar Jahre: dass echtes Eis vom Bräuweiher das Bier im Erhartinger Sommerkeller kühlt. Heuer war es dank der tiefen Temperaturen wieder so weit: Mitarbeiter der Brauerei schnitten Eis vom Weiher und lagerten es im Keller der Biergartenwirtschaft ein.

Erharting – Gummistiefel statt Winterstiefel, warmer Pulli statt dicker Jacke: Am Erhartinger Weiher herrschen eigentlich fast schon frühlingshafte Temperaturen. Und doch dreht sich am Mittwochmorgen hier alles ums Eis. Trotz des Tauwetters ist der Eisweiher in Erharting bis zum Mittwoch noch mit einer gut zehn Zentimeter dicken Eisschicht bedeckt. Dick genug, um hier die Schlittenkreissäge anzusetzen. Nach vier Jahren fräsen die Mitarbeiter der Brauerei Erharting wieder Eisblöcke aus dem Weiher.

Bereits gegen 8 Uhr beginnt Reinhard Kobler damit, mit einer elektrischen Säge Bahnen aus dem Eis des Weihers zu schneiden. „Am Anfang schwappte gleich viel Wasser nach oben, da haben wir schon befürchtet, dass es nichts wird“, erklärt er. Doch je größer das Loch im Eis wird, umso mehr stabilisiert sich das Eis.

Von besonders guter Qualität

Mit Harken befördern die Mitarbeiter die gut zehn Zentimeter dicken Eisblöcke in Richtung Förderband, über das das Eis auf einen Hänger rumpelt. Etliche Male werden die beiden Hänger zum Sommerkeller hochgezogen und dort entladen.

Das klare, dicke Eis hat in diesem Jahr eine so gute Qualität, dass es möglicherweise die ganze Biergartensaison halten wird.

„Das Eis ist heuer klar und fest und damit besonders gut“, stellte Walter Mayer dabei fest. „Das könnte bis in den September hinein halten“, mutmaßte der langjährige Mitarbeiter. Schlecht hingegen sei es, wenn das Eis eher firnig sei oder eine Schneeauflage habe. Denn das bedeute deutlich weniger Kühlleistung.

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Das Eisen hat in Erharting eine lange Tradition. 1872 wurde der Erhartinger Sommerkeller errichtet, in dem das Eis des Weihers für die Kühlung bis weit in den Sommer hinein konserviert wurde. Heute gibt es im Erhartinger Sommerkeller zwar längst eine elektrische Kühlung, doch das Eis erfüllt auch noch eine ganz andere Aufgabe. Das Eis hält das Gewölbe feucht und sichert somit seinen Bestand.

Bis unter die Gewölbedecke füllt das Eis am Ende den Raum. An die 200 Kubikmeter kühlen den Sommerkeller in den nächsten Monaten auf natürliche Weise.

Immer öfter frostfreie Jahre

Am Sommerkeller angekommen zerkleinern die Mitarbeiter ein zweites Mal die Eisblöcke: „Wir klopfen das dann mit den Kellen in die Öffnungen, von wo aus es etwa fünf Meter nach unten fällt“, erklärt Mitarbeiter Johannes Wimmer, der schon mehrmals beim „Eisen“ dabei war. Unter ihnen füllt sich nach und nach der Gewölbekeller.

Fuhre um Fuhre klopfen (von links) Tobias Unterhaslberger, Fabian Maier und Johannes Wimmer das Eis in den Gewölbekeller.

Inhaberin Amelie Röhrl zeigt sich jedenfalls sehr zufrieden, sowohl mit der Eis-Ausbeute, als auch mit dem Arbeitseifer ihrer Mitarbeiter: „Wenn es richtig kalt ist, sind meine Mitarbeiter nur schwer zu motivieren. Aber dieses Jahr ist es perfekt.“

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Immer öfter gibt es frostfreie Jahre, an ein Eisen ist dann nicht zu denken. Zuletzt war es 2017 und 2012 so kalt, dass Eis aus dem Weiher gefräst werden konnte. Das inzwischen selten gewordene Spektakel lassen sich an diesem Vormittage deshalb auch viele Schaulustige nicht entgehen.

Gebannt starrten besonders die Jüngeren aufs Eis und konnten sich nur schwer erklären, warum das Eis nicht einmal fürs Schlittschuhlaufen freigegeben war, obwohl es ganz offensichtlich sehr gut trug.

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