Auch für Tesla

Erharting unter Strom: Supercharger laden 120 Kilometer in nur fünf Minuten

Ein Dutzend Schnellladestationen stehen beim Pauliwirt. Sie finden mittlerweile regen Zuspruch.
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Ein Dutzend Schnellladestationen stehen beim Pauliwirt. Sie finden mittlerweile regen Zuspruch.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Tesla-Sprecher Samy Abdel Aal spricht über die schnellsten Ladesäulen im Landkreis, die auf dem Parkplatz des Pauliwirt installiert worden sind. Wie sieht es grundsätzlich mit der E-Mobilität im Landkreis aus? Autohändler beziehen Stellung.

Erharting – Bis vor wenigen Wochen waren es immer wieder Lastzüge, die den freien Platz auf dem Grundstück des Landgasthofes Pauliwirt in Erharting zur Pause genutzt haben. Das ist jetzt vorbei. Denn dort, wo bislang ein unbefestigter Parkplatz war, stehen jetzt ein Dutzend Tesla-Ladesäulen. Die schnellsten im Umkreis: „Eine Investition in die Zukunft“, verrät Klaus Heimeldinger, Eigentümer des Areals rund um den Pauliwirt.

Tagungshotel soll von den Superchargern profitieren

Zwar ist sein Gasthof, der im September 2020 in die „Non Stop Hotel Group“ übergegangen ist, derzeit geschlossen. Doch als Tagungshotel ist der Familienbetrieb bei Erharting in Zeiten ohne Corona beliebter Treffpunkt von Vertretern der Wirtschaft. Heimeldinger erhofft sich nicht nur eine steigende Attraktivität für Business-Leute, sondern auch eine steigende Frequenz im Restaurantbereich. Neben den zwölf Ladesäulen will der Pauliwirt künftig auch konventionellen Elektro-Autos eine Lademöglichkeit anbieten. „Zwei Ladestationen sind für diese geplant“, sagt Heimeldinger.

Erhartings Bürgermeister Matthias Huber begrüßt den Ausbau der Infrastruktur für E-Fahrzeuge. Er glaubt aber nicht, dass die Zukunft alleine der E-Mobilität vorbehalten bleibt.

Hervorragende Ladekapazitäten – auch für konventionelle E-Fahrzeuge?

Erhartings Bürgermeister Matthias Huber begrüßt, zumal die Investition in Neuhaus sicher auch den Fortbestand des Pauliwirts fördert. Die Ladekapazitäten bezeichnet er als hervorragend, „doch würde ich mich freuen, wenn bald auch Ladestationen für konventionelle E-Fahrzeuge anderer Hersteller folgen“. Den Trend in Richtung E-Mobilität begrüßt Huber grundsätzlich, wobei er eine gewisse Skepsis äußert, den Fokus alleine darauf zu legen. Die Reichweiten seien noch ausbaufähig, besonders im Transportwesen. „Für eine Fahrt nach Würzburg muss ich zweimal aufladen, damit ich hin und wieder zurückkomme“, sagt er. Ein gesunder Mix zwischen E-Fahrzeugen, Benzinern, Dieseln und Wasserstoff-Autos wäre seiner Ansicht nach erstrebenswert.

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Automobilhersteller rüsten auf: Nachfrage nach Transportern wächst

Tatsächlich kommen immer mehr Transporter auf den Markt, die auch über gute Reichweiten verfügen, wie der Niederbergkirchener Autohändler Klaus Biedermann auf Nachfrage bestätigt. Er handelt mit der Marke Peugeot, die der PSA-Gruppe angehört. „Expert“ heißt der E-Transporter, der mit 75-Kilowatt-Batterien ausgestattet werden kann. „Damit hat er eine reichweit von etwa 300 Kilometern“, erklärt Biedermann. Er spricht von einem guten Jahr für die E-Mobilität. Die Anreize durch die Regierung, die im vergangenen beim Kauf von E-Fahrzeugen eine Förderung in Aussicht gestellt hatte, habe einen Boom bei den E-Fahrzeugen ausgelöst.

Der Neumarkter Autohändler Anton Blank ist zuversichtlich, was den Verkauf von E-Autos in diesem Jahr betrifft.

Großes Interesse an batteriebetriebenen Kleinwagen

Beim Peugeot iOn sei das Käuferverhalten noch zurückhaltend gewesen. „Doch seit es den 208er als E-Version gibt, verzeichneten wir ein gigantisches Interesse.“ Zwei E-Fahrzeuge als Kleinwagen hatte er 2019 verkauft. 2020 seien die Zahlen im guten zweistelligen Bereich gewesen. Wenn man die Förderung abzieht, bewege man sich bei der Anschaffung eines Neuwagens preislich zwischen einem Diesel und einem Benziner.

„Das rechnet sich, wenn man berücksichtigt, dass das Fahrzeug zehn Jahre steuerfrei ist.“ Vergünstigte Versicherungen spielten ebenfalls eine Rolle, „und wenn man dann auch noch eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach hat, ist das eh eine gemähte Wiese!“ Auch das Kraftfahrt-Bundesamt, bestätigt, dass immer mehr Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Ein Trend, der sich fortsetzt? Biedermann bleibt bei seinen Prognosen zurückhaltend: Wegen Corona dürfe man aktuell im Autohaus nur beratend tätig sein, das Auto berechnen und es lediglich von außen zeigen. Probefahrten scheiden aus.

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Zuversichtlicher Blick in das Jahr 2021

„Bei uns läuft das mit der E-Mobilität allmählich an“, sagt Anton Blank vom gleichnamigen Autohaus in Neumarkt-St. Veit. Das Problem des Opel-Händlers seien im vergangenen Jahr die langen Lieferzeiten und Engpässe generell gewesen. „Beim Corsa hat es gedauert und der E-Mokka ist aktuell nicht lieferbar.“ Dafür gebe es verstärkt Nachfragen, in erster Linie von Handwerkern, nach Nutzfahrzeugen wie dem E-Zafira oder der elektrischen Variante des Vivano, die Reichweiten von bis zu 300 Kilometern hätten. Entsprechend zuversichtlich blickt Blank in das Jahr 2021.

Worum es sich bei den Tesla-Säulen genau handelt. Im aktuellen Interview gibt Tesla-Pressesprecher Samy Abdel Aal Auskunft:

Worum handelt es sich bei den Ladesäulen in Erharting?

Samy Abdel Aal:Der Standort Erharting umfasst zwölf Supercharger der neuesten Generation V 3. Diese verfügen über eine Ladeleistung von bis zu 250 Kilowatt Gleichstrom, dem Äquivalent von einer Spitzenzuladung von bis zu 120 Kilometer elektrischer Reichweite in nur fünf Minuten. Im typischen Ladefenster der Tesla-Kunden von zwischen fünf und 80 Prozent erreicht man damit bei den meisten Modellen eine Zuladung von rund 400 Kilometern Reichweite. Die Ladezeit halbiert sich gegenüber Teslas V 2 Superchargern um rund die Hälfte auf knapp 20 Minuten.

Zum Ladevorgang: Welche Rolle spielen dabei erneuerbare Energien?

Abdel Aal: Sämtliche Supercharger-Standorte der DACH-Region werden mit Ökostrom betrieben.

Welche Kriterien spielten bei der Wahl des Standortes Erharting eine Role? Zumal im benachbarten Frixing ja bereits Schnellladesäulen von Tesla stehen.

Abdel Aal: Das Ladeverhalten an den Superchargern wird ständig analysiert, und das Netzwerk je nach Bedarf erweitert. Dies umfasst sowohl den Ausbau vorhandener Schnellladestationen als auch die Erweiterung des Netzwerks durch gänzlich neue Standorte. Der Supercharger in Erharting unterstützt speziell die Hauptverkehrsroute an der A 94 zwischen München und Wien sowie auch den stetig wachsenden regionalen Kundenstamm. Der Standort am Autohof Mühldorf war mit vier Ladepunkten zu klein und konnte nicht weiter ausgebaut werden.

Wie viele Ladestellen für Tesla-Fahrzeugen gibt es mittlerweile?

Abdel Aal: Tesla betreibt deutschlandweit 81 Supercharger-Standorte mit mehr als 750 Schnellladeplätzen.

Wie sieht die infrastrukturelle Ausrichtung aus?

Abdel Aal: Der Supercharger ermöglichen Tesla-Kunden vorrangig das komfortable Langstreckenreisen durch ganz Europa. Auf dem Kontinent gibt es bereits über 550 Supercharger mit über 5400 Schnellladeplätzen, strategisch platziert entlang der wichtigsten Hauptverkehrsrouten.

Welchen Radius decken die Ladesäulen ab? Wo sind weitere geplant? Welche langfristigen Pläne verfolgt Tesla hier?

Abdel Aal: Die Abdeckung beträgt in den wichtigsten Märkten Europas – von der Nord-Süd-Achse von Norwegen bis hinunter nach Spanien und Portugal – sowie in Westeuropa bereits nahezu 100 Prozent. Dies bedeutet, dass beinahe jedes Reiseziel ausschließlich unter Benutzung des Supercharger-Netzwerks erreicht werden kann. Das Netzwerk wächst permanent weiter, und auch Osteuropa wird immer weiter erschlossen.

Gibt es eine Übersicht dazu, wie viele Teslas in Deutschland unterwegs sind?

Abdel Aal: Seit 2019, dem Jahr der Markteinführung des „Model 3“, wurden über 27 500 Teslas in Deutschland ausgeliefert. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es insgesamt 1905.

Sind Tesla-Ladestationen kompatiblen zu anderen E-Fahrzeugen?

Abdel Aal: Aktuell können nur Tesla Fahrzeuge am Supercharger-Netzwerk laden.

Wie wird an den Ladesäulen abgerechnet? Wie viel kostet eine Kilowattstunde?

Abdel Aal: Die Kilowattstunde kostet an Tesla Superchargern in Deutschland durchschnittlich 0,35 Euro. Abgerechnet wird über den „My Tesla Account“ des Kunden, den dieser mit der Bestellung des Fahrzeugs eingerichtet bekommt und auf dem in der Regel eine Kreditkarte oder ähnliche Zahlungsmethode durch den Kunden hinterlegt wird. Der Kunde muss also nur einstecken, das Auto wird über Funk erkannt, das Konto dann automatisch belastet.

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