Erharting erinnert an Ritterschlacht im Jahr 1322

Die Akteure der Schlachtfeldwanderung: (von links) Michael Rieder, Sylvia Unterhuber, Stefan Kafurke, Leo Biermaier, Thomas Mück und Maria Atzinger in der Gewandung der damaligen Zeit.
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Die Akteure der Schlachtfeldwanderung: (von links) Michael Rieder, Sylvia Unterhuber, Stefan Kafurke, Leo Biermaier, Thomas Mück und Maria Atzinger in der Gewandung der damaligen Zeit.

Erharting – Der Brauchtumsverein Erharting hat bei einem Treffen Ende Juli das geplante Programm zur 700-Jahr-Feier der Ritterschlacht in Erharting vorgestellt.

Anwesend waren auch Bürgermeister Matthias Huber (UWG) mit Gemeinderäten, die Vorstände verschiedener Vereine sowie Daniel Baumgartner, Koordinator der Geschichtsarbeit im Landkreis Mühldorf.

Der Brauchtumsverein möchte im Mai 2022 ein viertägiges Ritterspektakel veranstalten, das sich möglichst nah an historischen Fakten orientiert.

Im Kampf ging esum die Königswürde

Die Spiele werden auf der Mittermüller-Wiese beim Pauli Wirt ausgerichtet. Damit befindet man sich – 700 Jahre später – genau im Zentrum der Schlacht, wo die Wittelsbacher damals als Sieger gegen die Habsburger hervorgegangen waren. Bei diesem Kampf ging es um die Königswürde des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zwischen Ludwig dem Bayern, ein Wittelsbacher, und Friedrich dem Schönen, ein Habsburger.

Mit Ludwig kämpfte König Johann von Böhmen, Johann von Luxemburg und der Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg. Auf Friedrichs Seite standen der Bischof von Passau sowie Friedrich III. von Leibnitz, der Bischof von Salzburg, und Dietrich Bischof von Lavant. Auch der Bruder von Friedrich, Leopold I., Herzog von Österreich, war unter den Verbündeten.

Aus dieser Schlacht am 28. September 1322, wo sich 11 200 Behelmte gegenüberstanden, ging schließlich Ludwig der Bayer als Sieger hervor. Er wurde später zum Kaiser des römisch-deutschen Reiches gekrönt.

Friedrich der Schöne wurde in der Burg Dornberg in Erharting gefangen gehalten und anschließend in der Burg Trausnitz in der Oberpfalz interniert.

An dieses historische Ereignis, das das heutige Europa mitgeprägt hat, wird Erharting im Mai 2022 gedenken. Das Dorf wird vier Tage lang ein mittelalterliches Lagerleben inszenieren, mit einem Handwerkermarkt und verschiedenen Musikgruppen. Es sind Gaukler geladen, Händler und Künstler, die nach damaliger Methode arbeiten sowie Reitergruppen. Verschiedene Garküchen sind geplant, und ein Turnierplatz wird errichtet, an dem sich die Helden wie Johann von Luxemburg und Dietrich von Lavant messen können. Der Brauchtumsverein Erharting wird sich bei der Inszenierung des historischen Rückblicks so nah wie möglich an die geschichtlichen Tatsachen von 1322 halten.

Neben diesem Gedenken an die letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen auf deutschem Boden in den Fluren von Erharting, wird der Brauchtumsverein Veranstaltungen organisieren, die dieses Ereignis fachlich dokumentieren.

Verschiedene Aktionen sollen im Vorfeld darauf hinführen. Zum Beispiel werden Schlachtfeldwanderungen mit mehreren Stationen veranstaltet, an denen die Bewaffnung und Ausrüstung der damals kämpfenden Ritter ebenso erläutert wird wie die Verpflegung der vielen Tausend Beteiligten durch den Küchentross. Die Notlage der unter der Besatzung leidenden Bauern bleibt nicht unerwähnt.

Voraussetzung für diese Informationen sind die Fundstücke von Waffen- und Ausrüstungsgegenständen, die der Heimatforscher Herbert Matejka jahrzehntelang geborgen hat.

Exponate aus demSchlachtgeschehen

Diese Exponate, unter denen sich viele Pfeil- und Armbrustspitzen, Lanzenteile, Dolche, Schwerter und eine große Menge Hufeisen befinden, wurden in den vergangenen Jahren von der archäologischen Staatssammlung München dem Schlachtgeschehen von 1322 zugeordnet. Somit kann das Kampfgebiet auf die Gegend um Erharting eingegrenzt werden.

Die nächste Veranstaltung zu diesem Thema ist eine Schlachtfeldwanderung und findet am 27. September 2020 um 14 Uhr statt. Treffpunkt zu dieser Erkundung mit den original gewandeten Akteuren des Brauchtumsvereins ist am Parkplatz des Pauli Wirts in Neuhäusl bei Erharting. fuh

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