Erharting: Drei Tote bei Massenpanik im Jahr 1797

Durch das Portal der Kirche,dem einzigen Weg ins Freie, zwängten sich die von einer Panik erfassten Kirchenbesucher. Dabei kam es zur Katastrophe vor 222 Jahren, bei der drei Menschen starben., Josef Padlesak

Die Primiz des Neupriesters Josef Ramersberger ist die erste schriftliche Erwähnung einer solch erhabenen Feier in der Pfarrgemeinde Erharting. Das Ereignis zu dem damals zahlreiche Gläubige pilgerten, endete vor 222 Jahren in einem Unglück.

Erharting – Das erste Messopfer eines Neupriesters galt schon seit jeher als besonderes Ereignis, vor allem in dessen Heimatpfarrei, aber auch weit darüber hinaus. Der erste Segen eines neu geweihten Priesters gilt seit jeher als besonders wirkungsvoll, quasi wegen der „Unverbrauchtheit“ des Geistlichen.

Kirchenvolk strömt nach Erharting

Am Sonntag, 3. September 1797, strömte aus allen Himmelsrichtungen das Kirchenvolk nach Erharting, war es doch gewissermaßen einer aus ihrer Mitte der dieses besondere Sakrament empfangen hatte und nun mit ihnen den Beginn seines neuen Lebensabschnittes, der ausschließlich Gott geweiht war, würdig zu begehen.

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Damit das Gotteshaus all die Gläubigen aufnehmen konnte, hatte man bei solch außergewöhnlichen Festen die Kirchenbänke abmontiert und ins Freie gebracht um mehr Platz für die Gottesdienstbesucher zu schaffen.

Mit allem möglichen Pomp begann die mehrstündige Feier. Die Kirche war heillos überfüllt, die Gläubigen standen dicht an dicht im Kirchenraum, alle wollten unmittelbar dabei sein. Diese Beengtheit, verbunden mit dem Wunsch, alles genau sehen zu können, was sich im Presbyterium, das ausschließlich der Geistlichkeit vorenthalten war, abspielte, dürfte die ohnehin schon angespannte Atmosphäre zusätzlich angeheizt haben.

Eingeschränkte Kapazitäten

Wie früher üblich, fanden auch an den Seitenaltären gottesdienstliche Handlungen statt, was die Platzkapazitäten zusätzlich eingeschränkt haben dürfte. Das gleiche Platzproblem hatte bestimmt auch im Chorraum der Kirche geherrscht, denn es waren auch der zuständige Dekan aus Mühldorf und weitere Kurskollegen des Neupriesters anwesend.

Aber was hatte die Massenpanik ausgelöst? In einer alten Aufzeichnung ist die Rede von einem unerklärlichen Lärm der zur Katastrophe geführt haben soll. Tatsache ist, dass das Kirchenvolk daraufhin panikartig die Kirche verlassen wollte und in dem Chaos drei Besucher ihr Leben lassen mussten.

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Unter den Opfern waren zwei Frauen aus der Pfarrei Niedertaufkirchen und der Weber Franz Müller aus Erharting. Über diesen Vorfall war bisher nichts bekannt, nur auf dem „Umweg“ über den damaligen Pfarrer Mathias Pankratius Meier von Niedertaufkirchen, der sich wegen dieser Tragödie an den Archidiakon an Gars wandte, erschließt sich uns dieses tragische Geschehen.

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Dazu vermerkt der Pfarrer von Niedertaufkirchen in einem Brief vom 11. September 1797 folgendes: „Bei der Priminz des wohlehrwürdigen Priesters Joseph Ramersberger in der Pfarrei Erharting sind bei einem verkehrten blinden und falschen Lärm, als drohe die Kirche dem Einsturz, womit sich der größte Haufen täuschen ließ, zwey meiniger Pfarrkinder, eine Bäuerin und eine Schneiderin, die von der aus der Kirche herauseilenden Volksmenge erdrückt oder vielmehr ertreten worden, so dass ich den daliegenden nur noch das Hl. Sakrament der letzten Ölung spenden konnte, nachdem die entseelten Körper entschlaffen waren.“ Der Pfarrer von Niedertaufkirchen beschwert sich in diesem Schreiben an den Stellvertreter des Salzburger Bischofs über den Erhartinger Pfarrer, weil er für die Verschiedenen keine Seelenmesse hatte lesen lassen. Dies wurde h „um des Friedens Willens“ nachgeholt.

Langes Wirken als Priester

Dies alles hat sich vor 222 Jahren zugetragen. Für den Priminzianten dürfte dieser als Freudentag geplante Tag in einem Chaostag geendet haben. Josef Ramersberger führte später den Ehrentitel Synodalzeuge von Salzburg und wirkte lange als Priester von Reichertshausen bei Pfaffenhofen wo er am 30. August 1833 verstarb.

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