Mittelständler berichten Erfahrungen

Erhartinger Gewerbetreibende ziehen Corona-Bilanz: Gut über die Runden gekommen – bis jetzt

Bisher ganz gut durchgekommen ist Küchenbauer Eduard Steffen. Aber er merkt, dass Nachfragen weniger werden. Genau wie Schreiner Karl Strotzer glaubt er, dass es im kommenden Jahr nicht mehr so gut laufen wird.
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Bisher ganz gut durchgekommen ist Küchenbauer Eduard Steffen. Aber er merkt, dass Nachfragen weniger werden. Genau wie Schreiner Karl Strotzer glaubt er, dass es im kommenden Jahr nicht mehr so gut laufen wird.
  • Harald Schwarz
    vonHarald Schwarz
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Das Corona-Virus hält seit Anfang des Jahres praktisch die ganze Welt in Atem. Zahlreiche Bereiche aus der Wirtschaft, beispielsweise die Gastronomie, Massagepraxen oder Fitnessstudios, kämpfen ums Überleben. Doch es gibt mittelständische Unternehmen, die ganz gut durch die Coronakrise gekommen sind.

Von Harald Schwarz

Erharting – Ein Beispiel ist die Schreinerei Strotzer; ein Familienbetrieb im klassischen Sinn. „Unsere größte Stärke ist unsere Vielseitigkeit“, sagt Firmenchef Karl Strotzer. Man sei als Bau- und Möbelschreinerei von der Krise nicht betroffen, sagt Strotzer und ist froh, dass er nicht im Bereich Messebau aktiv ist. Er arbeitet mit seinem Sohn und seiner Frau überwiegend für Privatpersonen und „hat noch genügend Aufträge“. Doch er befürchtet, dass es im kommenden Jahr „nicht mehr so gut laufen wird“.

Jetzt werden Anfragen seltener

Daher beginnt er bereits jetzt, Aufträge genau zu planen. Zudem investieren sie mehr Zeit, um neue Produkte zu entwickeln. Als Beispiel nennt er Holzwaschbecken, die mit Epoxidharz behandelt werden und so wasserdicht sind.

Ebenfalls gut über die Runden ist bisher das Küchenstudio Steffen gekommen. Beim ersten Lockdown habe er einfach weiterarbeiten können. Lediglich den Verkauf hatte er fünf Wochen gestoppt. Doch seit etwa 14 Tagen merkt er deutlich, dass Anfragen seltener werden. Seltener als sonst im November, der immer schon ein ruhigerer Monat ist, wie Eduard Steffen erläutert. „Die Leute gehen nicht mehr so gerne einkaufen“, hat er in den vergangenen Wochen festgestellt.

Sein Plus ist, dass er ein kleiner Betrieb ist: Verkauf und Beratung erledigt er selbst, die Montage seiner Küchen übernimmt ein Subunternehmer. „Ein größerer Betrieb hat da mit ganz anderen Problemen zu kämpfen“, ist er überzeugt. Doch er sagt auch, dass „es nicht noch ein halbes Jahr so weitergehen braucht“. Dabei ist ihm klar, dass die wirtschaftliche Entwicklung nicht immer bergauf gehen kann. „Irgendwann wird es bergab gehen. Es ist nur fraglich, wie krass es werden wird“, so Eduard Steffen.

Signifikanter Anstieg der Sendungen

Wie im gesamten Bundesgebiet verzeichnet das Hermes-Depot Mühldorf einen signifikanten Sendungsanstieg. Aktuell werden täglich bis zu 42 000 Sendungen zugestellt. Das ist ein Zuwachs von knapp 40 Prozent im Vergleich zu dem durchschnittlichen Sendungsvolumen im Jahresverlauf, ist aus der Firmenzentrale zu erfahren. Ein Teil der Mehrmengen sei bereits auf das Weihnachtsgeschäft zurückzuführen. In welchem Rahmen der neuerliche Teil-Lockdown die Sendungsmengen beeinflusst, könne man derzeit noch nicht sagen.

Um die stark angestiegenen Sendungsmengen täglich abwickeln zu können, musste das Personal jedoch aufgestockt werden. Es wurden 14 neue Mitarbeiter im Depot eingestellt und auch die Personaldecke bei den Servicepartnern hat sich um 20 Prozent erhöht. Depotleiter Christian Böhmer sagt: „Für die nähere Zukunft kann ich derzeit keine Prognose aufstellen, da wir uns erst am Anfang des Teil-Lockdowns befinden. Wir sind am Standort jedoch für das kommende Weihnachtsgeschäft und die möglichen Mehrmengen durch die aktuelle Pandemie-Situation sehr gut gerüstet.“

Von der Unternehmenskommunikation der Netto Marken-Discount AG und Co. KG war lediglich zu erfahren, dass man „auch weiterhin eine ausreichende Versorgung mit allen Produkten des täglichen Bedarfs sicherstellen könne – dies gelte auch für die Niederlassung in Erharting.

Weihnachtsmärkte fehlen beim Umsatz

Normalerweise ist eine Bäckerei und Konditorei von der Coronakrise nicht wirklich betroffen. Die Läden mussten zu keiner Zeit geschlossen bleiben; Brot, Backwaren und Gebäck konnte also immer gekauft werden. Bei der Konditorei und Bäckerei Eicher ist es aber so, dass ein Standbein der Verkauf der vielfach prämierten Weihnachtsstollen ist. Sie bekommt man normalerweise bei der Erhartinger Bergweihnacht, den Weihnachtsmärkten in Burghausen, auf Schloss Tüßling, im Kloster Seemannshausen oder in Pfarrkirchen.

Corona ist für Gastronomie kein Zuckerschlecken

Die Eicher’schen Stollen sind aber auch beim Nürnberger Christkindlesmarkt oder dem Münchner Weihnachtsmarkt vertreten. Da aber alle Weihnachtsmärkte in diesem Jahr abgesagt wurden, fällt da schon einiges an Umsatz weg. Schließlich sind sie seit Anfang Oktober damit beschäftigt, Stollen zu produzieren. Doch Firmenchef Toni Eicher beschwert sich nicht: „Die Läden laufen gut, sodass wir das einigermaßen ausgleichen können“. Zwar hat das Café am Mühldorfer Stadtplatz derzeit auch geschlossen, aber Eicher tun die Gastronomen leid, die ausschließlich davon leben müssen. Für die ist diese Zeit kein Zuckerschlecken.

Aktuell werden täglich bis zu 42000 Sendungen zugestellt. Wie im gesamten Bundesgebiet verzeichnet das Hermes-Depot Mühldorf einen signifikanten Sendungsanstieg
Netto Marken-Discount gibt an, dass man „auch weiterhin eine ausreichende Versorgung mit allen Produkten des täglichen Bedarfs sicherstellen kann“.

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