Erfolgreiche Entwurmungskur in der Wallfahrtskirche

Der Wiesbacher Kirchenpfleger Hubert Stadler holte mit Erntewagen und Personenanhänger praktisch die gesamte bewegliche Einrichtung der Georgskirche aus Stein wieder ab. Jaensch

Schaukelpferd, Zimmerwerkzeug und Heiligenfiguren: In Maria Einsiedeln wurde einiges Antikes abgestellt, um dem Holzwurm den Garaus zu machen

Neumarkt-St. Veit – Vor 394 Jahren ließ der Teisinger Schlossherr Nikasius Magensreiter auf seinem Grund die Kirche „Maria Einsiedeln“ errichten, die dem gleichnamigen Vorbild der Wallfahrtskirche in der Schweiz nachgebildet ist. An besonderen Tagen finden in dem sakralen Schmuckstück Feierlichkeiten wie Trauungen oder Gedenkgottesdienste statt, und die Teisinger halten ihre Kirche in Ehren und pflegen sie und das Grundstück gewissenhaft.

Schaukelpferd neben dem Kirchenschiff

Nun hatte sich aber der Holzwurm eingeschlichen und hinterließ deutliche Spuren. Das war für die Pfarrei Neumarkt-St. Veit der Grund, eine Begasungsfirma zu beauftragen, gegen diesen Schädling vorzugehen.

Schon im Herbst sollte damit begonnen werden, aber widrige Umstände verlangten eine Verschiebung der Aktion in den Frühling. Da im Kirchenschiff viel Platz ist, bot das Pfarramt anderen Gemeinden und Privatpersonen an, „wurmstichige“ Gegenstände während der Begasung im Teisinger Kirchenschiff unterzubringen, um sie von diesem gefährlichen Schädling zu befreien. Pastoralreferentin Mariana Scholz übernahm die Organisation. Inzwischen konnten die Besitzer wurmbefallener Holzstücke ihre Schätze in Teising wieder abholen.

Da war zuerst der Wiesbacher Kirchenpfleger Hubert Stadler mit einer ganzen Mannschaft angetreten und holte mit Erntewagen und Personenanhänger praktisch die gesamte bewegliche Einrichtung der Georgskirche aus Stein wieder ab. Heilgenfiguren und Kirchenbänke, Heiligenbilder und Tische, eigentlich alles, was hölzern in der „Stoana Kirchn“ drin war, hatte man begasen lassen und wieder abgeholt.

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Da stand das Schaukelpferd aus Ranoldsberg, das seit mindestens 1890 in dem dortigen Gehöft seit Urur-Opas Zeiten vielen Kindern zur Freude gereicht hatte. Die jetzigen Besitzer wollen es in Ehren halten und werden es sicher wieder „aufpolieren“, jetzt, wo es vor innerer Zerstörung geschützt ist.

Helga Kagerer (56) aus Mühldorf freut sich, dass sie ihren neuen Stuhl vom Esszimmer retten konnte. Vor zwei Jahren hatte sie sechs solcher neuen Stühle in einem Möbelgroßmarkt in Neuötting gekauft. „Kürzlich sehe ich auf meinem frischen Parkettboden genau unter diesem Stuhl diesen feinen Holzstaub. Ich war todunglücklich!“ Da sei ihr die Nachricht in der Zeitung gerade recht gekommen, „dass ich hier in Teising für eine Spende den Verfall des Stuhles verhindern kann“.

Schraubgewinde sind zerbröselt

Nicht alles vor dem Verfall retten konnten die Nachfahren einer Zimmererdynastie aus einem Kraiburger Ortsteil. Sie hatten kistenweise 130 Jahre altes Zimmererwerkzeug in das Kirchenschiff in Teising gestellt. Neben diversen Hobeln und Holzgriffen von Bohrern und Schabeisen hätten sie auch Schraubzwingen ganz aus Holz gehabt. „Aber die Schraubgewinde sind uns in den Händen zerfallen. Da war der Wurm schon zu lange drin.“, wurde geklagt. Aber das gerettete Werkzeug wird in einer eigenen Stube bestens in Ehren gehalten, lautet der Plan.

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