Energie für 1200 Haushalte: Doch der Gemeinderat lehnt die Mammutanlage in Großhiebing ab

Energie von der Sonne:Die Gemeinde Niederbergkirchen ist auf diesem Sektor Vorzeige-Kommune, produziert nach Angaben des Bürgermeisters auf den Dächern drei Mal so viel Strom als die Bürger verbrauchen. Einem Großprojekt bei Großhiebing erteilte der Gemeinderat einstimmig eine Absage. Enzinger
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Energie von der Sonne:Die Gemeinde Niederbergkirchen ist auf diesem Sektor Vorzeige-Kommune, produziert nach Angaben des Bürgermeisters auf den Dächern drei Mal so viel Strom als die Bürger verbrauchen. Einem Großprojekt bei Großhiebing erteilte der Gemeinderat einstimmig eine Absage. Enzinger

Keine Bauleitplanung für Fotovoltaik-Freiflächenanlage: 4,3 Hektar ist den Mandatsträgern in Niederbergkirchen dann doch zu groß. Auch die Aussicht auf eine hohe Gewerbesteuer stimmt sie nicht um.

Niederbergkirchen– 43 000 Quadratmeter oder 4,3 Hektar – so groß sollte die Freiflächenanlage werden, die ein Winhöringer gerne in Großhiebing, Gemeinde Niederbergkirchen errichten wollte. Den entsprechenden Antrag hat er bei der Gemeinde eingereicht – doch der Gemeinderat lehnte das jüngst ab.

Schon als Felix Glas vom Bauamt in der Verwaltungsgemeinschaft Rohrbach das Luftbild an die Wand warf, hatten die Gemeinderatsmitglieder zähneknirschend die große Ausdehnung zur Kenntnis genommen, welche die Anlage gehabt hätte.

Wertvoller Ackergrund

Zu viel Ackerfläche würde damit verloren gehen, so der Tenor in der Sitzung, den eine Nachfrage der Verwaltung auch noch verstärkte. Die nämlich hatte beim Landwirtschaftsamt Erkundungen eingeholt, wie dieses die Fläche bewertet. Von einem hochwertigen Acker war dort die Rede, aber auch die Zufahrt stellte sich im Laufe der Sitzung als problematisch heraus, sodass der Gemeinderat den Antrag verwarf.

Denn bei einer Anlage dieser Dimension wäre auf jeden Fall ein Bauleitplanverfahren notwendig gewesen, um den Bau der Anlage überhaupt erst möglich zu machen.

Gemeinde will auch nicht tauschen

Auf den Alternativvorschlag des Investors, die Anlage an anderer, weniger guten Ackerfläche, zu errichten, die Fläche also zu tauschen, auch darauf wollte sich die Gemeinde nicht einlassen. „Es ist nicht unsere Angelegenheit, hier Tauschgrund zur Verfügung zu stellen“, meinte dazu Bürgermeister Werner Biedermann (CSU). Niederbergkirchens Bürgermeister betonte, dass die Gemeinde immer schon für zukunftsträchtige Energieformen gewesen sei, „wir waren auf diesem Gebiet, besonders bei der Fotovoltaik, immer schon Vorreiter.“

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Die in der Gemeinde vorhandenen Solarflächen würden in etwa drei Mal so viel Strom produzieren, als sie verbrauche, sagte Biedermann. Aber eine Freiflächenanlage auf einer Größe von 43 000 Quadratmeter bestem landwirtschaftlichen Grund? Auch wenn dann Schafe und Alpakas zur extensiven Beweidung herangezogen würden – die Fläche sei ihm zu groß.

Roland Rauschecker (CSU/die Bürgerliste) machte deutlich, dass er nichts dagegen hätte, wenn solche Großprojekte an Stellen errichtet würden, „wo weit und breit keiner wohnt“. An der beantragten Stelle befände sich aber in unmittelbarer Nachbarschaft ein Hof, damit habe er Bauchschmerzen.

Franz Artinger: „Keine öffentliche Zufahrt!“

Franz Artinger (CSU) drückte sich klar aus: „Es gibt keine öffentlich-rechtliche Zufahrt!“ Dies alleine sei schon ein Hinderungsgrund.

Außerdem sei nicht ersichtlich, dass es sich – wie in Niederbergkirchen sonst üblich – um einen Bürgersolarpark handle. „Es gibt keine Bürgerbeteiligung; die Wertschöpfung sollte aber dann doch in Niederbergkirchen bleiben.“ Für ihn sei der Antrag „außerhalb jeglicher Diskussion!“.

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Anlage würde 2200 Tonen CO2 einsparen

Felix Glas zitierte anschließend aus einer E-Mail des Antragstellers, wonach die Anlage rund 2200 Tonen Kohlendioxid einsparen würde. Die Rede war von einer Leistung von 3,5 Megawatt/peak, womit jährlich 4000 Megawatt Strom erzeugt werden könnten. Dies entspräche einem Verbrauch von 1200 Haushalten. Dass damit auch Gewerbesteuer an die Gemeinde sprudeln würden und unter Umständen auch kostengünstiger Strom angeboten werden könne, war ebenfalls zu hören. Dennoch lehnte es der Gemeinderat schließlich einstimmig ab, ein Bauleitplanverfahren einzuleiten.

Schwierig für das Landschaftsbild

Die landwirtschaftliche Wertschöpfung bewerteten die Gemeinderäte als höher in diesem Bereich. Die Anlage selbst füge sich außerdem schwierig ins Landschafts- und Ortsbild ein, so die weitere Begründung für die Ablehnung im Niederbergkirchener Gemeinderat.

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