Endspurt in Richtung Unabhängigkeit: Oberbergkirchener Kinderhaus wird zum Pionierprojekt

Ortstermin mit Max Marxbauer (links) vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft. Sichtlich stolz zeigt Oberbergkirchens Bürgermeister Michael Hausperger auf das High-Tech-Gebäude. Die Photovoltaikanlage erzeugt mehr Strom, alsdie Einrichtung verbraucht. Der überschüssige Strom fließt in einen Speicher.
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Ortstermin mit Max Marxbauer (links) vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft. Sichtlich stolz zeigt Oberbergkirchens Bürgermeister Michael Hausperger auf das High-Tech-Gebäude. Die Photovoltaikanlage erzeugt mehr Strom, alsdie Einrichtung verbraucht. Der überschüssige Strom fließt in einen Speicher.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Oberbergkirchen – Alles läuft streng nach Zeitplan, das Gebäude ist bereits fertig, draußen türmen sich allerdings noch Erdhaufen. „Doch der Kindergarten kann zum 31. August einziehen“, freut sich Oberbergkirchens Bürgermeister Michael Hausperger über den nahezu reibungslosen Ablauf der Arbeiten.

Oberbergkirchen – Michael Hausperger kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus: Alles läuft streng nach Zeitplan, das Gebäude ist bereits fertig gestellt und kann eingerichtet werden. Draußen türmen sich allerdings noch Erdhaufen. „Die Außenanalgen werden wir zwar nicht mehr schaffen. Aber der Kindergarten kann zum 31. August einziehen“, freut sich Oberbergkirchens Bürgermeister über den nahezu reibungslosen Ablauf der Arbeiten. Reibungslos vielleicht auch deswegen, weil sich der Gemeindechef höchstpersönlich um die Baustelle gekümmert hat, rechtzeitig eingeschritten ist, wenn etwas nicht nach Plan lief.

4,6 Millionen Euro für das neue Kinderhaus

Eine Riesenverantwortung, denn beim Kinderhaus in Oberbergkirchen handelt es sich um eine Investition in Höhe von 4,6 Millionen Euro. Ein Kostenaufwand, der eine kleine Gemeinde wie Oberbergkirchen stark herausfordert, zumal gleichzeitig das gesamte Gemeindegebiet auch noch mit schnellem Internet versorgt werden will. Doch Oberbergkirchen kann tief in einen Zuschusstopf greifen. Knapp die Hälfte der Investition in die Kinder, 2,3 Millionen Euro, werden an Fördergeldern nach Oberbergkirchen überwiesen.

Speicher kompensiert möglichen Stromausfall

Mit dem Geld geht die Gemeinde äußerst nachhaltig um. Der Stolz ist dem Bürgermeister förmlich anzusehen, wenn er über das Energiekonzept des Kinderhauses spricht. Eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 29 kW/peak ist auf dem Dach installiert. „Wir erzeugen damit mehr Energie als das Kinderhaus selbst verbrauchen wird, speisen überschüssigen Strom in einen Speicher ein, um auch bei einem Stromausfall autark zu sein“, berichtet Hausperger. 

Die Fernwärme wird aus der Hackschnitzelheizung von Mario Schmid bezogen, die bereits die benachbarte Schule mit Wärme versorgt. Überhaupt beschreibt Bürgermeister Hausperger die Situation vor Ort, das Kinderhaus und Schule quasi in einem Zentrum vereint seien, als ideal. „Wir können damit hervorragend Synergieeffekte nutzen“, ist der Bürgermeister überzeugt. Damit meint er nicht nur die gemeinsame Nutzung von Spielgeräten und Aufenthaltsflächen, sondern auch die Turnhalle.

Der Luxus von täglich frischen Mahlzeiten

Und die Gemeinde leistet sich auch den Luxus, täglich frisch zu kochen, ohne dass die Mahlzeiten auf langen Lieferwegen unterwegs sind. „Das Kinderhaus ist mit einer größeren Küche ausgestattet, wo täglich frische Mahlzeiten, auch in größerem Umfang, vorbereitet werden können. Das kommt den Hortkindern in der Schule ebenso zugute wie den Kindergartenkindern“ erzählt Hausperger. Die Gemeinde habe dafür eine Hauswirtschaftlerin eingestellt. „Der Kindergarten hat schon vorher frisch gekocht, viel Wert auf Obst und Gemüse gelegt.“ Dieses Konzept werde also auch in Zukunft beibehalten, betont Hausperger.

Fahrbahn wird enger und damit sicherer

Und dann rückt der Bürgermeister auch noch das Thema Sicherheit in den Fokus. Der Oberbergkirchener Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung die Weichen für eine sichere Überquerung der Gemeindestraße nach Aubenham gestellt. „Wir werden eine Verengung der Fahrbahn bewerkstelligen“, erzählt Hausperger von den Plänen in der Gemeindeverbindungsstraße, die ohnehin schon als 30er-Zone deklariert ist. Die Fahrbahn werde breit genug sein für zwei Fahrzeuge, „wenn sich aber Lkw und Auto begegnen, müssen beide Fahrzeuge anhalten“, erklärt Hausperger.

Überquerung mit Abstand zur Hauptstraße

Die Überquerung, die sich von der Straßenoberfläche farblich abheben soll, werde in größerer Entfernung zur Einmündung errichtet, weiter weg von der Hauptstraße. „Und schließlich haben wir auch noch unsere Schulweghelfer, die vor der Schule und nach der Schule ein Auge darauf haben, dass nichts passiert! Hausperger klingt zufrieden: Ich denke, wir sind gut aufgestellt, um die maximale Sicherheit der Schüler zu gewährleisten.“

Mittagsessen ist das Steckenpferd

Momentan hat sie Urlaub und sie ist sich durchaus bewusst, dass der Umzug noch einige Anstrengungen mit sich bringen wird. Doch die nimmt die Kindergartenleiterin Julia Markl mit ihrem Team gerne in Kauf, um ein Kinderhaus zu beziehen, das modernsten Ansprüchen gerecht werden wird. Das Steckenpferd der Einrichtung? Da braucht Markl nicht lange zu überlegen: „Das ist unser Mittagessen!“ 

Grundsätzlich spielen die Mahlzeiten in Kindertageseinrichtungen eine immer größere Rolle, findet Markl, die sich darüber freut, dass die Gemeinde bei den Planungen zum Kinderhaus die Selbstversorgung ganz oben angestellt hat. „Aktuell bereiten wir im alten Haus täglich 45 Mahlzeiten vor. Ab September haben wir mehr Kinder, damit steigt auch die Zahl der Anmeldungen für das Essen. Stand jetzt haben wir bereits 60 Anmeldungen.“ Die Gemeinde habe für die Zubereitung vor Ort „optimale Voraussetzungen“ geschaffen, indem sie eine Küche entsprechend konzipiert habe und auch eine Haushaltskraft eingestellt hat, die pro Woche für 20 Stunden zur Verfügung stehe.

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Extra-Kraft soll Mittagessen vorbereiten

Markl betont, wie wichtig es ist, dass eine Extra-Kraft die Vorbereitung des Mittagessens übernimmt. Bisher hätten das die pädagogischen Fachkräfte übernommen, „doch die sollten Zeit am Kind verbringen und nicht mit der Zubereitung des Mittagessens.“ Markl verspricht, dass die Einrichtung bei der Zubereitung des Essens auf qualitativ hochwertige Lebensmittel achte. „Wir versuchen, uns regional zu orientieren, wir achten auf Biosiegel und auch auf Saisonalität. Schließlich sollen die Kinder auch darauf sensibilisiert werden.“Die Kosten für hochwertiges Essen halten sich in Grenzen. Kindergarten- und Schulkinder zahlen pro Mahlzeit 3,10 Euro, Krippenkinder 2,50 Euro. „Wir bewegen uns damit im Rahmen“, vergleicht Markl mit anderen Einrichtungen.

Familienstützpunkt soll Beratungsstelle sein und Bedarf ermitteln

Neben frisch zubereitetem Mittagessen verweist die Kindergartenleiterin auf ein weiteres Novum, den der Umzug in das Kinderhaus mit sich bringt: Ab Oktober wird im neuen Gebäude ein Familienstützpunkt integriert, der alle Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft abdecken soll. Der Stützpunkt wird von einer Fachkraft, Saskia Nowak betreut. Es sollen nach Angaben Markls Familienangebote ins Leben gerufen werden, der Stützpunkt soll Beratungsstelle sein und auch Fachleute ins Haus holen. Gleichzeitig soll auch der Bedarf der Familien erhoben werden, welche Angebote wichtig sind.

Bestmögliche Entwicklungschancen für das Kind

Allgemein sagt Markl, dass sie dankbar ist für die sehr großzügigen Räume, die so konzipiert sind, „dass wir offen in Kindergarten und Krippe arbeiten können“. Von Anfang an seien die Erzieher und Pädagogen in die Planung miteinbezogen worden. „Unsere Anliegen wurden ernst genommen, wir hatten Mitspracherecht!“ Die Gemeinde habe schließlich selbst Geld in die Hand genommen, wofür es keine Förderung gab, um Atelier und Werkraum entstehen zu lassen, eine Lernwerkstatt einzurichten und ein zusätzliches Büro für pädagogische Fachkräfte zu schaffen. Große Räume und ein großzügiges Außengelände böten vielfältige Möglichkeit. „Optimale Bedingungen für die Arbeit, so wie sie vom Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan vorgegeben ist. Wir hoffen, dass wir damit jedem Kind bestmögliche Entwicklungschancen zukommen lassen können.“

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