Ein Schatzkästchen mitten in Neumarkt-St. Veit: „Mein Landmuseum hat immer geöffnet“

Hobbysammler Robert Amann in seinem Landtechnikmuseum.Strasser
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Hobbysammler Robert Amann in seinem Landtechnikmuseum.Strasser

500 Exponate aus einer Zeit vor der wachsenden Technisierung der Landwirtschaft: Robert Amann sammelt alte Gegenstände und stellt sie in seinem eigenen Museum in Straß aus. Eine Leidenschaft, die begann, als der Neumarkter 15 jahre alt war. Mit diesem Aussstellungsstück begann alles.

Von Sophia Strasser

Neumarkt – Ein Rollstuhl mit Eisenrädern. Eine Kutsche. Ein Pflug, der von einem Pferd gezogen werden muss. Eine handbetriebene Kaffeemühle. Diese Dinge scheinen aus längst vergangener Zeit zu stammen. Heutzutage sind diese Dinge längst ersetzt durch Besseres, Schnelleres, Schöneres.

So leicht vergisst man, dass es den hochfunktionellen Rollstuhl nicht schon immer gibt, der Mensch nicht schon seit jeher mit dem Auto in Höchstgeschwindigkeit über Autobahnen fährt und der Traktor erst eine Erfindung des 20. Jahrhunderts ist.

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500 verschiedene Exponate im Museum

Robert Amann aus Straß bei Neumarkt-St. Veit hält die Geschichte hinter den Dingen am Leben. Der 33-jährige sammelt Gegenstände aller Art und jeden Alters und gibt ihnen einen Platz in seinem privaten Museum. „Ich sammel hübsch ois“, sagt Amann über sich selbst. Sein Museum, das ist der Heuboden über dem alten Kuhstall in Straß.

Ein alter Rollstuhl und eine Pferdekutsche, die im Museum ausgestellt sind

Ein alter Kuhstall als Ausstellungsfläche

Amann hat ihn vor vielen Jahren mit seiner Familie umgebaut und hergerichtet. Mittlerweile ist das Museum gut gefüllt mit über 500 verschiedenen Gegenständen: Vom alten Fahrrad bis zur Sämaschine ist alles dabei. „Mich interessiert alles, was alt ist“, meint der Hobbysammler.

Ordentlich gereinigt und nach Kategorien sortiert

Ordentlich geputzt und abgestaubt und nach Kategorien sortiert, haben alle Dinge ihren festen Platz im Museum. So lassen sich verschiedene Pflüge, Mähwerke oder Kutschen und Schlitten genauso bestaunen wie Kaffeemühlen und alte Emailleschilder. An jedem Gegenstand hängt ein kleines Schild, auf dem steht, wo er herkommt.

Amann kennt Geschichte und Funktionsweise

Daneben hängt oft eine kleine Beschreibung, wie das Teil funktioniert, wann es gebaut wurde und ein Bild des damaligen Werbeprospekts.

Die Informationen zur Geschichte und Funktionsweise der Maschinen bekommt Amann aus Büchern und aus dem Internet. „Ich kenne auch genau die Firmengeschichte aller Hersteller, von denen ich Geräte besitze.“

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„Ich bin eigentlich jeden Tag hier oben!“

Neben seiner Arbeit am städtischen Bauhof verbringt Amann viel Zeit in seinem Museum: „Ich bin eigentlich jeden Tag hier oben“, verrät er. „Es gibt auch immer etwas zu tun.“ Ihm sei sehr wichtig, dass alles sauber und gepflegt aussieht und das Museum ordentlich bleibt. „Das unterscheidet mich vielleicht auch von vielen anderen Sammlern“, meint Amann. Auch den Besuchern falle es auf, wie gepflegt die Gegenstände aussehen. „Und dann sagen sie es auch weiter, dass dieses Museum sehenswert ist!“

Unverhofft kommt oft

In seiner Sammlung befinden sich viele seltene Maschinen, „die man in anderen Sammlungen vielleicht nicht findet“, berichtet der Hobbysammler stolz. Ein Beispiel für diese Wunderwerke der Technik ist ein sogenannter Stiftendrescher aus dem Jahre 1886, der zugleich auch das älteste Stück der Sammlung darstellt.

Auch außen entsprechend aufgehübscht: Das Landtechnikmueum in Straß bei Neumarkt-St. Veit.

Exponate bezieht Amann aus ganz Deutschland

Die Gegenstände bekommt Amann aus ganz Deutschland zugeliefert. „Ich schaue eigentlich die ganze Zeit, ob es irgendwo etwas Neues für meine Sammlung gibt“, sagt Amann. Dafür nutze er Internetseiten wie E-Bay-Kleinanzeigen oder dessen österreichisches Pendant „willhaben.de“. Beim Blättern durch seine Bücher über alte Maschinen findet er dann immer wieder neue Geräte, die er gerne in seiner Sammlung hätte. Oft könne er sich nicht vorstellen, dass es diese seltenen Sachen niemals noch irgendwo gibt. „Und schon oft habe ich dann genau diese besonderen Stücke durch Zufall doch bekommen.“

Bulldog gegen VW Käfer eingetauscht

Das Interesse für alte Gegenstände habe er schon seit Kindertagen. Mit 15 Jahren besaß er bereits sein erstes altertümliches Sammlerstück: Eine alte Wärmflasche aus Blech. „Die habe ich damals im Wald gefunden.“ Außerdem fährt Amann schon sein ganzes Leben leidenschaftlich gern auf Oldtimertreffen.

Große Leidenschaft für Oldtimer-Bulldogs

„1998 bin ich mit meinem Vater auf das erste Treffen gefahren.“ Daraus entwickelte sich eine Leidenschaft: „Seit ich selbst fahren darf, fahre ich auch zu den Oldtimertreffen.“

Also schon seit Amann 15 Jahre alt ist, zu diesem Zeitpunkt steuerte er noch seinen alten Deutz Oldtimer. Später tauschte der Hobbysammler diesen gegen einen VW Käfer ein.

Einzigartiges Sammlerstück: ein Hatz, Baujahr 1948

Seit circa vier Jahren hat Amann auch noch einen ganz besonderen Oldtimertraktor: Ein Traktor der Marke Hatz, Baujahr 1948. „Dieser Bulldog ist sehr selten“, weiß Amann. Einmal im Jahr veranstaltet der Hobbysammler ein Hoffest, bei dem er besondere, große Geräte extra aufbaut und zur Schau stellt. „Dieses Jahr gab es wegen Corona aber leider keines“, bedauert Amann. Für Besucher sei das Museum aber jederzeit geöffnet. „Jeder, der vorher kurz bei mir anruft, kann gerne vorbeikommen und sich mein Museum anschauen.“

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