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VEITSKULT SOLLTE VERDRÄNGT WERDEN

Ein Kloster für das Seelenheil: Neumarkts Klostergeschichte begann vor 900 Jahren

Der stolze Kirchturm zu Sankt Veit. Um 1501 war der äußere Kirchenneubau abgeschlossen.
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Der stolze Kirchturm zu Sankt Veit. Um 1501 war der äußere Kirchenneubau abgeschlossen.
  • VonWalter Jani
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Hoch über der Rott in Neumarkt-St. Veit steht eine ehemalige Klosteranlage, deren Geschichte vor 900 Jahren begann. Die eigentliche Geschichte des Benediktinerklosters St. Veit beginnt aber vier Kilometer nördlich entfernt – im heutigen Dorf Elsenbach.

Neumarkt-St. Veit – In dieser Gegend hatte vor 900 Jahren der Adelige Dietmar von Lungau einen ausgedehnten Landbesitz. Er war kinderlos geblieben und als er sein irdisches Leben zu Ende gehen sah, hat er sich entschlossen, etwas für sein Seelenheil zu tun. Er bot seine Grundstücke dem Benediktinerkloster St. Peter in Salzburg zum Geschenk an mit der Bedingung, dass dort ein neues Kloster errichtet wird.

Ein Gemälde von Dietmar von Lungau, der Grundstücke im heutigen Neumarkt verschenkte, damit dort ein Kloster errichtet wird. Er tat es für sein Seelenheil.

Aufstieg und erste Blütezeit

Die Salzburger Mönche haben 1121 fünf ihrer Klosterbrüder nach Elsenbach geschickt. Die Neugründung hat Erzbischof Konrad von Salzburg urkundlich erst 1130 bestätigt, die Einweihung der neuen Klosterkirche in Elsenbach führte am 26. September 1132 Bischof Roman von Gurk durch.

Kloster wächst und gedeiht

Zur Stärkung des kleinen Klosters werden 1146 auf Anordnung durch Bischof Konrad I. von Salzburg die beiden Bauernpfarreien Hörbering und Feichten inkorporiert. Trotz der bischöflichen Gunst gedieh das Ordenswesen in Elsenbach nicht gut und so suchte man sich einen neuen Standort.

1171 erfolgt die Erlaubnis zum Bau eines neuen Klosters

1171 erteilte der Salzburger Bischof Adalbert III. unter Zustimmung des Grafen Wolfram von Dornberg, die Erlaubnis das Kloster auf den St. Veitsberg hoch über der Rott zu verlegen. Die Mönche begannen mit dem Neubau einer Klosterkirche im romanischen Baustil, von der heute nur noch Mauerreste vorhanden sind. Das Patronat sollte, wie schon in Elsenbach, der Heiligen Mutter Maria übertragen werden.

Berichte aus Neumarkt-St. Veit finden Sie auch auf unserer Themenseite.

Der Heilige Veit setzt sich durch

Bei diesem Ansinnen hatten die Mönche die Rechnung aber ohne die Bevölkerung gemacht. Der spätere Kaplan von St. Veit, Johann Nepomuk Kißlinger, beschrieb 1915 in seinem Werk „Die Geschichte des Kloster St. Veit“ die damalige Situation so: „Nach einer alten Überlieferung stand im Bereich des Klosters bereits eine Kapelle und ein Brunnen, der dem Heiligen Veit geweiht war. Aus einer Urkunde geht hervor, dass Erzbischof Adalbert von Salzburg den bestehenden Veitskult verdrängen wollte, weil er eigens bestimmte, dass unsere liebe Frau (Gottesmutter Maria) Patronin der neuen Klosterkirche sein sollte.“

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Bis ins 13. Jahrhundert keine größeren Ansiedelungen im Markt

Diese Anordnung sei jedoch ein frommer Wunsch des Erzbischofs geblieben, der an dem konservativen Sinne des Volkes scheiterte. Erstaunlich ist diese Geschichte umso mehr, wenn man sich die äußerst dünne Besiedlung im 12. Jahrhundert vor Augen führt. Bis auf wenige weit verstreute Höfe, deren Besitzer versucht haben, das Land urbar zu machen, gab es bis 1269 (Gründung von Neumarkt) in diesem Bereich keine größeren Ansiedelungen.

Ab 1255 durften die Klosterbrüder ihren Abt selbst wählen

Getreu dem Lebensmotto der Benediktiner „Ora et labora“ („Bete und arbeite!“) und der klugen Führung der Äbte wuchs das Filialkloster schnell zu einem Ort wirtschaftlicher und geistiger Macht heran. Ab 1255 durften die Klosterbrüder ihren Abt selbst wählen. Es folgte die Gründung der dem Stift angeschlossenen Pfarrei St. Veit, der die Kirchen St. Johann und Lamprechten, die Kapellen St. Lorenz und Teising sowie die Schlosskapelle Adlstein vereinte.

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1372 wird Vilsbiburg dem St. Veiter Kloster unterstellt

Nach einem Großbrand in Vilsbiburg wird 1372 die dortige Pfarrei dem St. Veiter Kloster unterstellt. Durch päpstlichen Erlass vom 30. Oktober 1458 wurden den Äbten Pontifikalien bewilligt: Sie durften sich ab sofort den Gläubigen mit Stab und Mitra zeigen und ein eigenes Wappen führen wie ein Bischof.

Ökonomie vor Ort umfasst 1100 Tagwerk Äcker

Auch im wirtschaftlichen Bereich hatte das Kloster St. Veit hervorragende Arbeit geleistet, die Ökonomie vor Ort umfasste 1100 Tagwerk Äcker, Wiesen und Wälder, man betrieb Tier- und Fischzucht und Mühlen an der Rott. Zusätzlich konnte die Abtei St. Veit rund 450 zinspflichtige Bauerngüter ihr Eigen nennen. Selbst im Ausland hatte man mehrere Besitzungen, darunter Weinberge in der Nähe von Krems an der Donau, von denen man jahrhundertelang den Messwein bezog.

Eine neue Klosterkirche

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts sollte unter Abt Andreas Tölkner der Bau einer neuen, größeren Klosterkirche erfolgen. Um 1390 begann der Bau des Chorraumes, dessen Fertigstellung sein Bruder Johannes als Nachfolger im Amt erledigte. Die romanische Basilika aus dem 12. Jahrhunderts musste weichen, nur der südliche Mauerteil wurde für die neue Kirche genutzt.

Die berühmte Leinberger Madonna, die einst in St. Veit stand, jetzt aber im Bayerischen Nationalmuseum zu bewundern ist.Jani

1454 erhält das Kloster das Ablassprivileg

Um finanzielle Engpässe zu überwinden, erhält das Kloster 1454 vom Salzburger Erzbischof das Ablassprivileg. „Ablass“ wird damals der Brauch in der römisch-katholischen Kirche genannt, irdische Sündenstrafen ganz oder teilweise zu erlassen und durch die Erfüllung bestimmter Leistungen, wie zum Beispiel Geldzuwendungen zu ersetzen.

Fertigstellung des Turmes um 1501

Ein Spruch aus dieser Zeit, der vom Dominikanermönch Johannes Tetzel (1465 bis 1519) stammen soll, lautete: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“. Um 1470 wird das Kirchenschiff durch den Landshuter Baumeister Hans Laufer eingewölbt und mit Gewölberippen versehen. Mit der Fertigstellung des Turmes unter Abt Nikolaus Humbler um 1501 war der äußere Kirchenneubau in St. Veit abgeschlossen.

Neuer Kreuzgang an der Südwand

Parallel zum Kirchenbau wurde an den Klostergebäuden gearbeitet und ein neuer Kreuzgang an der Südwand angebaut. Nikolaus Humbler, Abt von 1496 bis 1516, bemühte sich sehr um die würdige Gestaltung des Kircheninneren. Ihm gelang es um 1515, den berühmten Landshuter Bildhauer Hans Leinberger für die Anfertigung des Hochaltars zu gewinnen. Als Rest dieser Ausstattung ist eine Madonnenfigur übrig geblieben, die heute im Bayerischen Nationalmuseum zu bewundern ist.

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