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Selbstbestimmt wohnen

Ehrko-Wohnzentrum in Neumarkt-St. Veit hat drei neue Häuser

Mit dem Durchschneiden des roten Bandes wurden die drei neuen Häuser des Ehrko-Wohnzentrums offiziell in Betrieb genommen. Klaus Sawitzki durchschnitt das Band unter den Augen von Laura Kottmair (links) und etwas im Hintergrund Petra Ehrenberger von der Ehrko-Geschäftsleitung. Danach wurde mit den Bewohnern gefeiert.
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Mit dem Durchschneiden des roten Bandes wurden die drei neuen Häuser des Ehrko-Wohnzentrums offiziell in Betrieb genommen. Klaus Sawitzki durchschnitt das Band unter den Augen von Laura Kottmair (links) und etwas im Hintergrund Petra Ehrenberger von der Ehrko-Geschäftsleitung. Danach wurde mit den Bewohnern gefeiert.
  • Harald Schwarz
    VonHarald Schwarz
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Bewohner des Ehrko Beschützenden Wohnzentrums haben die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben, ohne die Unterstützung des Beschützenden Wohnzentrums vermissen zu müssen. Das ist ein bisher einmaliges Konzept.

Neumarkt-St.Veit – „Es ist ein riesiger Schritt für Bewohner des Ehrko Beschützenden Wohnzentrums hin zu mehr Lebensqualität“. So beschrieb Einrichtungsleiter Klaus Sawitzki die Fertigstellung der drei neuen Wohnhäuser. Dort haben 28 Bewohner, die vorher im Wohnzentrum fit gemacht wurden, die Möglichkeit, in Ein-Zimmer-Appartments selbstbestimmt zu leben, ohne die Unterstützung des Beschützenden Wohnzentrums vermissen zu müssen.

Als das Ehrko-Wohnzentrum vor rund 20 Jahren das Pilotprojekt „Auslagerung von Heimplätzen“ begann, war nicht absehbar, wie erfolgreich sich die „Wohngruppe E7“ in der Beethovenstraße entwickeln würde.

In dem Ehrko-Wohnzentrum sind Menschen untergebracht, die schwere seelische Behinderungen haben und im Alltag intensiv unterstützt werden müssen. Sie haben häufig die Neigung, sich selbst zu verletzen. Daher ist das Ziel, die Menschen zu betreuen und zu stabilisieren. Bei manchen Bewohnern gelingt das so gut, dass sie den Wunsch haben, in den eigenen vier Wänden zu wohnen.

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Natürlich gab es Bedenken gegenüber diesem Projekt. Schließlich geht es darum, Menschen mit komplexen Hilfebedarfen ein beinahe „normales“ Leben zu ermöglichen, erläutert Klaus Sawitzki. Doch das hat in einem stetigen Lernprozess so gut geklappt, dass im Lauf der Jahre zwei Inklusionswohngruppen mit 38 Plätzen, die größte Versorgungseinheit im Ehrko-Wohnzentrum, entstanden ist.

Neues Konzept für Bewohner, die den Haushalt nicht alleine führen können

Es gibt aber auch Bewohner, die zwar soweit stabil sind, dass sie in der Lage sind, alleine zu leben. Sie schaffen es aber nicht, einen Haushalt in einer Mehrzimmerwohnung zu führen. Deshalb habe man ein Konzept ausgearbeitet, das für diese Zielgruppe passt. „Die gewünschte Autarkie im eigenen Wohnraum sollte mit einem verminderten Anforderungsprofil im Bereich Selbstversorgung einhergehen“, beschreibt es Klaus Sawitzki.

28 Wohnplätze sind in drei Häuser in Holzbauweise entstanden

Da die Räumlichkeiten in der Beethovenstraße dafür nicht geeignet waren, begannen im Jahr 2019 die Planungen für entsprechende Häuser, die auch noch Modellcharakter haben. Jetzt wurden die drei Gebäude fertiggestellt und bei einem „Tag der offenen Tür“ offiziell vorgestellt. Die drei Häuser in Holzbauweise bieten 28 Wohnplätze. Jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer mit einer Nasszelle und kann dort seinen Tag verbringen. Sie sind aber weiterhin in den Tagesablauf des Ehrko-Wohnzentrums integriert und werden auch dort verpflegt. Zudem gibt es im Wohnzentrum einen Rückzugsraum für die Bewohner der neuen Häuser, wenn sie einmal nicht klarkommen.

Gesamtzahl der Bewohner ändert sich nicht

Einrichtungsleiter Klaus Sawitzki stellte noch einmal klar, dass sich mit den drei neuen Häusern die Gesamtzahl der Bewohner nicht ändern wird.

Bürgermeister Erwin Baumgartner und die stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag waren sich einig, dass die Wohnanlage gelungen und eine Bereicherung für das Wohngebiet sei. Bürgermeister Baumgartner lobte zudem die gute Zusammenarbeit und die stellvertretende Landrätin sagte, es sei ein „hervorragendes Konzept“.

Ehrko-Wohnzentzrum verwirklicht Inklusion

Bezirksrätin Claudia Hausberger ermunterte das Ehrko-Wohnzentrum, das sie bereits seit vielen Jahren begleitet, seinen Weg fortzusetzen. „Das Ehrko-Wohnzentrum verwirklicht Inklusion“, freut sie sich.

Voll des Lobes war auch Dieter Wenzler, der Vorsitzende der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Mühldorf: „Als Fürsprecher der ambulanten Hilfen habe ich mich mit der geschlossenen Versorgung lange schwer getan. Heute bin ich froh, dass ich lernen durfte, wie hervorragend hier gearbeitet wird“. Für ihn setzt das neue Wohnprojekt in jeder Hinsicht Maßstäbe und das „Ehrko-Wohnzentrum kümmert sich um Menschen, die oftmals in der Gesellschaft gar nicht gesehen werden“.

Eine Mustereinrichtung mit Vorbildcharakter

„Ehrko wird gebraucht“. Davon ist Rudolf Starzengruber von der Oberbayerischen Selbsthilfe Psychiatrie Erfahrener und Unabhängige Beschwerdestelle überzeugt. Das Wohnzentrum sei eine Mustereinrichtung und sollte Vorbild für andere sein. Er lobte das Engagement und die Empathie, mit der dort gearbeitet werde.

Immer nur befristete Arbeitsverträge

Nachdenklich stimmte der kurze Einwand von Josef Meier, einem Bewohner, der zwar sagte, dass er sich im Wohnzentrum sehr wohl fühle. Gleichzeitig sei er verunsichert, weil die Kostenübernahme der Sozialhilfeverwaltung immer nur für zwei Jahre gelte. Er sagte, er komme sich vor, wie ein Arbeiter, der immer nur einen befristeten Arbeitsvertrag bekommt.

Musikalisch ansprechend umrahmt wurde die kleine Feier von Georg Kirzinger, ebenfalls einem Bewohner, am Klavier.

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