Egglkofens Bürgermeister meldet sich wegen B299 zu Wort: „Mooshubers Antrag nicht ausgereift“

Links parkt ein Lastwagen, rechts steht ein Fahrzeug halb auf dem Gehweg, halb auf der Straße: Die Ortsdurchfahrt von Egglkofen wird damit zum Nadelöhr.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Johann Ziegleder fühlt sich mit seiner Gemeinde abgehängt: An der übermäßigen Belastung der Bundesstraße, die durch seinen Ort führt, ändern auch Umgehungsstraßen nichts. Tatsächlich steht eine Umfahrung Egglkofenes im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans von 2030.

Egglkofen – „So einfach kann es sich Herr Mooshuber nicht machen!“ Ein vehementes Veto kommt von Egglkofens Bürgermeister Johann Ziegleder zu denPlänen, sämtliche Planungen für eine B15neu zu stoppen. Im Rahmen einer Resolution soll darüber am Dienstag im Kreisausschuss und am Freitag im Kreistag abgestimmt werden. Ziegleder erklärt, warum er diesen Vorschlag kritisch sieht.

Ziegleder-Kritk an ökologische Fachleute „Es ist schon klar, dass es auf den ersten Blick die einfachste Möglichkeit für den Landkreis Mühldorf ist, die bisherigen Trassen der B 15 und der B 299 auszubauen. Ob es ökologisch die beste Variante ist, sein dahingestellt.“

Ziegleder gibt zu: Er hatte sich in den vergangenen Jahren nicht mehr in die Diskussion um eine mögliche Entlastung beziehungsweise um den Bau einer B 15 neu eingemischt, „weil mich seit Jahren insbesondere die Argumentation sogenannter ökologischer Fachleute einfach immer wieder mächtig ärgert“.

Verkehr auf B 15 mit „Chaos auf B 299“ verglichen

Er spricht aber von Tatsachen, wenn er das Verkehrsaufkommen auf der bisherigen B 15 zwischen Landshut und Haag mit dem schon jetzt stattfindenden Chaos auf der B 299 vergleicht. „Wenn dann noch die B 15 aus Essenbach kommend bis Geisenhausen führt, wird es wohl wenige Lastwagenfahrer oder auch Urlaubsreisende geben, die nicht auf der B 299 in den Süden weiterfahren.“ Da helfe auch ein Navi nichts, das zähfliesenden Verkehr anzeigt.

Ziegleder spricht von „intelligenten Ausweichrouten“

Schon jetzt hätten die Gemeinden aufgrund der Öffnung der A 94 auf den Gemeindestraßen zwischen Lohkirchen, Schönberg, Harpolden und Egglkofen oder Bodenkirchen täglich bis zu 400 Fahrzeuge mehr zu verkraften. Ziegleder beruft sich dabei aus Informationen seiner Amtskollegen aus diesen Gemeinden. „Vom Wohnmobil bis zum Convoi Exceptional, alles fährt da durch. Das Navi zeigt’s ja an.“

Aus Vilsbiburg kommend kürze man in Achldorf nach Süden über Bonbruck ab, auch aufgrund intelligenter Verkehrssysteme. „Das sind dann die intelligenten Ausweichrouten“, so Ziegleder.

Schon beim ÖPNV-Konzept vergessen worden

In der von allen Fraktionen aus dem Kreistag unterschriebenen Resolution wird festgehalten, dass es das Ziel sein müsse die übermäßige Belastung einzelner Regionen zu vermeiden. „Es ist schon klar, dass Kreistagsabgeordnete aus Flossing, Mühldorf, Waldkraiburg oder Schwindegg wenig darüber nachdenken oder informiert sind, was hier im Norden des Landkreises los ist. Das zeigt schon das in den letzten Jahren sündhaft teuer entwickelte ÖPNV-Konzept des Landkreises. Hier wurden wir im hohen Norden komplett vergessen!“

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Und auch die von den Fraktionen im Kreistag verfasste Resolution mag ihre Berechtigung haben, sagt Ziegleder. „Aber das Ziel, die jetzt schon vorhandene übermäßige Belastung auf der B 299 aufzuteilen, wird sicher damit noch nicht erfüllt.“ Daran würden auch die versprochenen Umgehungsstraßen nichts ändern, wobei davon noch nicht einmal Planskizzen vorlägen.

Eine Umgehung von Egglkofen werde seit Jahrzehnten diskutiert, zum letzten Mal vor etwa fünf Jahren, als der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt dazu Stellung bezogen habe. „Ich gehe davon aus, dass diese Diskussion auch Herrn Scheuer und noch weitere Minister überstehen wird“, sagt Ziegleder dazu.

Nachdenken, was man den Menschen antut

Ob die Umfahrungen ökologischer sind als eine B 15 neu sei dahingestellt, meint Egglkofens Bürgermeister. Er sagt ganz offen: „Ich erlaube mir dazu kein Urteil. Ich möchte auch hier nicht über die Überlegungen des Kreistags wettern, aber ein bisschen mehr nachdenken über das, was man den Menschen entlang der B 299 antut, sollte schon von den Mandatsträgern erwartet werden.“

5000 Fahrzeuge in 24 Stunden – 13,5 Prozent Lkw-Anteil

5000 Fahrzeuge in 24 Stunden, der Lkw-Anteil beträgt 13,5 Prozent. Diese Zahlen bildeten die Grundlage für die Anmeldung einer Umgehungsstraße, die im Bundesverkehrswegeplan von 2030 aktuell als Maßnahme im weiteren Bedarf aufgeführt ist. „Aufgrund des geringen Quell- und Zielverkehrs wird von einer erheblichen Entlastungswirkung der Ortsumfahrung ausgegangen“, heißt es bei der Projektbeschreibung, die im Interent im Projektinformationssystem (PRINS) zum Bundesverkehrswegeplan 2030 einsehbar ist.

Kosten der Umfahrung: rund 10,5 Millionen Euro

Demnach handelt es sich bei der Umfahrung um eine knapp drei Kilometer lange Straße, die zweistreifig ausgebaut werden soll und für die im Planfall eine Verkehrsbelastung von 7000 Kraftfahrzeuge in 24 Stunden ausgegangen wird. Der Lkw-Anteil wird im Planfall mit 17 Prozent angegeben. Die Neubaukosten werden auf knapp 10,5 Millionen Euro geschätzt. Geht es nach dem Bundesverkehrswegeplan, würde die Straße kurz nach Tegernbach beginnen und westlich um Egglkofen herumführen, zwischen Hainzing und Zeilach die Bahn und die Mü 42 queren und am Lichtberg wieder in die bestehende Trasse der B 299 integriert werden.

Ziel: Reduktion der Reisezeit

Als verkehrliche Ziele sind die Beseitigung des höhengleichen Bahnübergangs in der Ortsdurchfahrt genannt – das nämlich führe zu einer Erhöhung der Verkehrssicherheit, eine Reduktion der Reisezeit und zur Erhöhung der Verkehrsqualität, wie es in der Projektbeschreibung heißt. „Darüber hinaus bietet die jetzige Ortsdurchfahrt zu wenig Platz für den nicht motorisierten Verkehr und ist nicht barrierefrei. Rollstuhlfahren und Personen mit Gehhilfen oder Kinderwägen müssen teilweise auf die Fahrbahn ausweichen“, ist bei dem Projekt zu lesen. Aufgrund angrenzender Hochbauten wäre eine Verbreiterung der Gehwege nur zu Lasten der Fahrbahn möglich. „Dies ist beim derzeitigen Verkehrsaufkommen jedoch nicht denkbar.“ Ganz klar heißt es bei der Formulierung: Auf dem Straßenzug soll die Reduzierung der Reisezeit erreicht werden, dafür wurden unter anderem bereits Umfahrungen für Neumarkt-St. Veit und Vilsbiburg geschaffen.

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