Landschaftspflegeverband Mühldorf

Niedertaufkirchen will einfach nicht: Dr. Rita Sperl scheitert mit Beitrittsantrag

Eines der Vorzeigeprojekte des Landschaftspflegeverbandes (LPV) ist das Kiebitz-Schutzprojekt. Dr. Rita Sperl wollte mit ihrem Antrag ermöglichen, dass sich der LPV in einer Gemeinderatssitzung vorstellt. Weil ein Beitritt keine Relevanz für die Gemeinde hat, so die Argumentation von Bürgermeister Sebastian Winkler, hat schließlich auch der Gemeinderat die Einladung und damit auch einen möglichen späteren Beitritt gegen die beiden Stimmen der Grünen abgelehnt.
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Eines der Vorzeigeprojekte des Landschaftspflegeverbandes (LPV) ist das Kiebitz-Schutzprojekt. Dr. Rita Sperl wollte mit ihrem Antrag ermöglichen, dass sich der LPV in einer Gemeinderatssitzung vorstellt. Weil ein Beitritt keine Relevanz für die Gemeinde hat, so die Argumentation von Bürgermeister Sebastian Winkler, hat schließlich auch der Gemeinderat die Einladung und damit auch einen möglichen späteren Beitritt gegen die beiden Stimmen der Grünen abgelehnt.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Gemeinderat Niedertaufkirchen sieht keinen Nutzen in Beitritt zum Landschaftspflegeverband. Bürgermeister Sebastian Winkler kritisiert, dass Beschlüsse aus den Vorjahren in Frage gestellt werden

Niedertaufkirchen – Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis Mühldorf zu fördern und dabei die Kräfte von Landwirtschaft und Politik zu bündeln – so definiert der Landschaftspflegeverband Mühldorf e. V. seine Arbeit. Einen Beitritt hat der Gemeinderat von Niedertaufkirchen bislang abgelehnt. Jetzt kam das Thema erneut auf die Agenda. Die Grünen-Gemeinderätin Dr. Rita Sperl hatte beantragt, dass sich der Pflegeverband in einer Sitzung vorstellen sollte. Doch scheiterte sie am Veto des Gemeinderates.

Der Landschaftspflegeverband sollte die Möglichkeit haben, seinen Vereinszweck und seine Arbeit im Landkreis Mühldorf und in den Kommunen vorzustellen. Danach könne der Gemeinderat abstimmen, ob die Gemeinde Niedertaufkirchen dem Verband beitritt. Das war das Ansinnen der Grünen-Politikerin, die erst seit Mai dem Gemeinderat angehört.

Bürgermeister Winkler sieht keinen Bedarf

Bürgermeister Sebastian Winkler (FWGN/FWGR) erteilte dem Plan gleich eine Absage: „Wir haben 2013 einen Beitritt abgelehnt. 2018 hat der Gemeinderat erneut darüber diskutiert und war sich erneut einstimmig einig, auch weiterhin nicht beizutreten.“ Diesen Status Quo bekräftigte Hans Häglsperger junior: „Daran wird sich auch nichts ändern!“

Als Sperl nach der Begründung fragte, erwiderte Winkler, dass die Gemeinde dafür einfach keine Verwendung habe. Aus der Bürgermeisterversammlung wisse er, dass es durchaus Kommunen gebe, für die der Verband relevant sei. Einen Bedarf für Niedertaufkirchen sehe er jedoch nicht.

Grabenmanagement als Beispiel eines erfolgreichen Projektes

Brigitte Sedlaczek (FWGN/FWGR) fragte Sperl, wo sie denn selbst Bedarf sehe. Diese nannte dann konkret das Grabenmanagement, ein bayernweites Projekt, wozu sie sich auch Beispiele angesehen habe und wofür sie Möglichkeiten sah, Mittel zu akquirieren.

„Die Behandlung von Feuchtwiesen, die Erhaltung der Artenvielfalt, Heckenpflege. Das alles könnte auch für uns interessant sein, manches könnte besser gepflegt werden“, fand sie. Dem entgegnete Häglsperger, dass sich die angesprochenen Flächen überwiegend in Privatbesitz befänden.

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Sperl betont die Vermittlerfunktion des Landschaftspflegeverbandes

Sperl jedoch beharrte darauf, dass man aufgeschlossen sein sollte und sich die Ziele des Landschaftspflegeverbandes durchaus mal anhören könne, zumal der Verband vermittelnde Aufgaben zwischen Behörden, Gemeinden und Landwirten übernehmen könne.

Winkler brachte als Beispiel, dass die Gemeinde bereits einem Gewässerunterhaltungsverband angehöre, „wir werden fachmännisch beraten“. Sperl warf er vor, dass sie selbst bei Informationsveranstaltungen nicht anwesend sei, was Sperl damit konterte, dass die Einladungen seitens der Gemeinde zu spät rausgeschickt würden.

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Zusammenschluss aus Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutzverbänden

Der Landschaftspflegeverband Mühldorf (LPV) wurde 2018 gegründet ist als gemeinnütziger Verein organisiert und hat seinen Sitz in Mühldorf. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss aus Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutzverbänden aus dem Landkreis Mühldorf. Der LPV hat es sich zum Ziel gesetzt, Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis Mühldorf zu fördern, der reich sei an schützenswerten Arten.

18 von 32 Gemeinden im Landkreis gehörendem Pflegeverband an

„Der Bestand dieser wertvollen Lebensräume und der darauf befindlichen Arten ist abhängig von einer schonenden Bewirtschaftung. Wird diese traditionelle extensive Bewirtschaftung aufgelassen, drohen diese wertvollen Lebensräume zu verschwinden“, heißt es auf der Internetseite des Verbandes. Von den 32 Gemeinden im Landkreis Mühldorf gehören aktuell 18 dem LPV an. Artenanreicherung von Wiesen, Entbuschungen und und Kopfweidenpflege, die Planung von Ökokontoflächen oder ein Kiebitzschutzprojekt werden als Beispiele erfolgreich umgesetzter Projekte angegeben.

Beitritt wurde schon zweimal abgelehnt

Schließlich würgte Winkler die Diskussion ab, ihn störte es ganz offensichtlich, dass Beschlüsse in Frage gestellt würden, die bereits zwei Mal vom Gemeinderat negativ beschieden wurden.

Diese Haltung bestehe nach wie vor, wie auch Gemeinderat Hans Winkler (FWGN/FWGR) betonte. Schließlich sprach sich der Gemeinderat dafür aus, auf eine Einladung des Landschaftspflegeverbandes zu verzichten. Die Grünen-Gemeinderäte Sperl und Schlagbauer stimmten für eine Einladung (11:2).

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