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„Sie haben die Freiheit geschmeckt“

Dramatische Kuhjagd an der Isen: Darum fielen Schüsse

Mit einem Gewehr bewaffnet macht die Polizei zusammen mit der Feuerwehr Jagd auf die ausgebüchsten Kühe.
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Mit einem Gewehr bewaffnet macht die Polizei zusammen mit der Feuerwehr Jagd auf die ausgebüchsten Kühe.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Die Erstmeldung über die entlaufenen Kühe kam am Mittwoch (4. Mai) vom Tower auf dem Flugplatz Mößling. Danach spielten sich bei der Jagd der Feuerwehr nach den Tieren zwischen Mößling, Erharting und Niederbergkirchen am Fluss Isen dramatische Szenen ab. Hier gibt es die Details.

Erharting – Kein alltäglicher Einsatz: Weil in der Nähe von Mößling, Stadt Mühldorf, am Mittwochvormittag gleich mehrere Kühe aus einer Weide ausgebüchst waren, wurde die Feuerwehr auf den Plan gerufen, um der Tiere wieder habhaft zu werden. Die Bahnstrecke wurde vorsorglich gesperrt, weil die Tiere auch dort gesichtet worden waren.

Die Floriansjünger aus Mößling und Erharting wurden gegen 11 Uhr alarmiert und machten sich mit drei Fahrzeugen auf den Weg. Nicht nur, um die Tiere einzufangen, sondern auch, um zu verhindern, dass die Tiere, die sich entlang der Isen in Richtung Erharting bewegt hatten, auf die nahe gelegene Staatsstraße bei Ödmühle und Schoßbach laufen.

Wie es seitens eines Erhartinger Feuerwehrmitglieds, Andreas Kottinger, hieß, sei die Alarmierung über die entlaufenen Tiere um 11:01 Uhr erfolgt. Umgehend hätten sich dann die Mößlinger und Erhartinger, insgesamt knapp 20 Einsatzkräfte, auf den Weg gemacht, um die Tiere einzufangen.

Kühe an der Isen geflüchtet: Ein Bild aus dem Suchgebiet.

Gegen Mittag wurden die Feuerwehrleute, die mit zahlreichen Einsatzkräften der Polizei vor Ort waren, auch fündig. In Ödmühle, auf Höhe der Firma Grandl, war eine Kuh im Dickicht gesichtet worden. Vor Ort herrschte zunächst Ratlosigkeit, wie man das Tier einfangen könnte.

Die Kühe gehören einem Wirt in Lohkirchen

Die insgesamt sechs Kühe gehören Robert Eder, seines Zeichens Wirt von Habersam in der Gemeinde Lohkirchen. Gegen Mittag versuchte ein Polizist, eines der Tiere mit einem Gewehr G3 zu erschießen. Ohne Erfolg. Die Kuh flüchtete weiter in Richtung Staatsstraße, die mittlerweile für den Verkehr gesperrt war. Polizei und Feuerwehr setzten ihnen im Laufschritt hinterher.

Die sechs Kühe einer besonderen Fleischrasse, sollten Mittwochfrüh ursprünglich auf die Weide bei Wimberg gebracht werden. Beim Abladen türmten sie jedoch, durchbrachen den Weidezaun und rannten zunächst in Richtung des Flughafens nach Mühldorf, wie die Polizei mitteilte. „Da haben sie wohl die Freiheit geschmeckt und sind auf und davon“, berichtete ihr Besitzer Robert Eder. Sie seien die Weide eigentlich gewöhnt gewesen, so Eder, der sich die wilde Flucht nicht erklären. kann Die Kühe stürmten erst einmal in Richtung Osten, wo sie am Flugplatz in Mößling zum ersten Mal gesichtet wurden. Vom Tower aus gab es die erste Meldung.

Die Polizei hat gleich ein schweres Geschütz aufgefahren. Man wollte verhindern, dass die Kühe den Verkehr auf der Staatsstraße gefährden.

Als erstes wurde Bauernverbands-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer alarmiert, der gleich reagierte und die Bahn davon in Kenntnis ersetzt hat, dass Gefahr im Verzug ist. „Die Strecke wurde daraufhin gesperrt“, berichtet Niederschweiberer, der später in Ödmühle mithalf, die Kühe einzufangen.

Zwei Kühe konnten schnell wieder in Gewahrsam genommen werden, wie Robert Eder auf Anfrage erzählt. „Lebend!“ Eine wurde neben der Bahnlinie im Gras gesichtet, der anderen jagte die Polizei im Raum Frixing hinterher.

Die erfolgreichen Luftbeobachter der Feuerwehr Mößling mit ihren Drohnen, von links: Johannes Linz, Tobias Oberhansl, Maximilian Köck und Dominik Michlbauer.

Drohne, Wärmebildkamera und Abschuss

Besitzer Eder, der auch Metzger ist, hoffte, dass alle Kühe bis abends eingefangen sein würden und seine Metzgerschürze nicht nicht zum Einsatz kommen muss. Weit gefehlt. Um ca. 12.35 Uhr wurde über zwei Drohnen mit Wärmebildkamera eine Kuh in einem Feld östlich der Bahnlinie nach Neumarkt-St. Veit gesichtet und von der Polizei nach einem missglückten Betäubungs-Versuch mit dem G3 zur Strecke gebracht. Als einer der Verfolger den Tod der Kuh überprüfen wollte, sprang diese noch mal auf und griff den Mann an. Es folgte ein zweiter, diesmal tödlicher Schuss. Mit einem Bolzenschussgerät wurde noch mal nachgelegt. Die Kuh wurde mit einem Bulldog aus dem Acker geholt.

Der Moment nach dem Abschuss der Kuh: Ein Blick aufs Display der Kamera-Drohne.

Maximilian Köck von der Feuerwehr Mößling war einer der erfolgreichen Luftbeobachter. Die Drohnen, für solche Suchaktionen erst im vergangenen Jahr angeschafft, waren zum ersten Mal im Einsatz und haben sich bestens bewährt. Die Polizei teilte später mit, dass auch eine zweite Kuh erschossen werden musste.

Erhartings Zweiter Bürgermeister und Landwirt Christian Mittermüller war selbst mit ausgerückt, um die ausgebüchsten Rinder einzufangen. Er verteidigt die tödlichen Schuss durch die Polizei. Wobei der Rinderzüchter von Anfang an keine große Hoffnung hatte, dass die Tiere ihre Flucht überleben würden. „Wenn man Glück hat, laufen sie auf einen Hof zu und man kann sie einfangen. Kühe aus einem Laufstall schon eher, aber Weidekühe, die sind dann voller Adrenalin. Null Chance, die zu fangen“, ist der Erhartinger Landwirt überzeugt.

„Wenn ein aggressives Rind auf dich zurennt, kann das auch tödlich enden!“

Landwirt und Erhartings Zweiter Bürgermeister Christian Mittermüller

Der Erhartinger war dabei, als die erste Kuh erschossen wurde und berichtet: „Es wurde erst versucht, das Tier zu betäuben“, betont Mittermüller. Dazu habe man einen Experten, Georg Eberl aus Puffthal, herangezogen. Doch der sei dem Tier nicht nah genug gekommen, um einen erfolgreichen Schuss absetzen zu können, so Mittermüller. Als sich das Tier dann der Bahnlinie und der Straße genähert habe, habe ein Polizist dann auf das Rind geschossen, das leblos liegen blieb. „Da war Gefahr in Verzug!“, rechtfertigt er die Schüsse auf die Kuh. Und er erklärt: „Wenn ein aggressives Rind auf dich zurennt, kann das auch tödlich ausgehen!“, sagt Mittermüller, verweist darauf, dass das später erlegte Rind noch den Metzger angegriffen habe, bevor es den Todesstoß versetzt bekam.

Wie Landwirt Ulrich Niederschweiberer mitteilt, blieb die Suche nach den beiden verbliebenen Rindern zunächst erfolglos und wurde am frühen Nachmittag abgebrochen. Man hofft nun auf Hinweise aus der Bevölkerung auf den Aufenthaltsort der immer noch flüchtigen Kühe. Die Bilanz einer dramatischen Kuhjagd: Zwei heil wieder eingefangen, zwei getötet und zwei noch auf der Flucht.

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