Diesmal bleibt der Zapfhahn zu: In Neumarkt-St. Veit gibt es auch kein „Volksfest light“

Wie viele Schläge es wohl geworden wären? Zwei? Oder gar drei? Dass es in Neumarkt-St. Veit keinVolsfest gegeben hätte, das liegt lange zurück. Enzinger
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Standkonzert am Brunnen, Auszug durch den Stadtplatz und Spannung im Festzelt: Wie viele Schläge wird der Bürgermeister beim Anzapfen benötigen? Doch es gibt weder Böllerschützen, noch Stimmung im Zelt. Corona verdirbt die Volksfestlaune. Auch wenn es an Ideen für Alternativlösungen nicht mangelt.

Neumarkt-St. Veit – Bayern steht vor den Pfingstferien. Für Neumarkt-St. Veit wäre das in Corona-armen Zeiten immer ein zweifacher Grund zum Jubeln. Erstens, weil es dann für gewöhnlich mit der Familie in den Urlaub geht. Und zweitens, weil die Daheimgebliebenen mit dem Neumarkter Volksfest eine adäquate Alternative hatten. Doch Fernreisen fallen aus, und die Maß Bier im Festzelt sowieso. Corona ist schuld. Und ein Volksfest light wäre an zu großen Auflagen gebunden gewesen.

Kein öffentlicher Bierausschank

Kein Standkonzert also am morgigen Freitag beim Hubensteiner-Brunnen, kein Schafkopfrennen an Pfingsten, kein Seniorennachmittag mit Ältesten-Ehrung am Dienstag nach Pfingsten. Vom ersten Gesellschaftstag für viele neuen Bürgermeister im Landkreis ganz zu schweigen. Immerhin hat Bürgermeister Erwin Baumgartner in diesem Jahr nicht den Druck, pritschelfrei zu zapfen.

Hunderte Augenpaare sind seit fast 20 Jahren alljährlich auf ihn gerichtet, wenn er das erste Fass ansticht. Doch so ganz ohne Schlegel ins Pfingstwochenende? Zwei, drei Mal zielsicher gegen den Zapfhahn in den Banzen gehämmert – dem Neumarkter Stadtoberhaupt fehlt es schon, dass er am morgigen Freitag nicht mit einem lauten „O‘zapft is!“ die fünfte Jahreszeit eröffnen darf.

So verlief der Volksfestauftakt im vergangenen Jahr

Die Alternative: ein Volksfest light. „Wir hatten die Idee eines öffentlichen Bieranstiches mit Ausschank. Etwas Freibier analog zu den Biergartenregeln, um zumindest symbolisch etwas Volksfestcharakter auf den Stadtplatz zu bringen. Letztlich und nach Rücksprache mit den Behörden haben wir davon aber Abstand genommen“. Zu viele Unwägbarkeiten hätten gegen eine solche Aktion gesprochen. Denn Ansammlungen von Personen seien trotz des aktuell geringen Infektionsgeschehens nach wie vor zu vermeiden.

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Wohin sollten die Leute gehen, wenn es denn regnen sollte? Und auch die Tatsache, dass Alkoholkonsum enthemmend wirken könnte und damit das Schutz- und Hygienekonzept gefährdet sein könnte – diesen Schuh will man sich nicht anziehen.

Zwar wäre es nach Absprache mit dem Landratsamt Mühldorf möglich gewesen, einzelne Stände und Buden über den Stadtbereich aufzustellen. Direkt darum geworben hat die Stadt allerdings nicht.

Süßigkeiten am Wochenmarkt

„Um Umkreis wären es auch nur ein Schießwagen, ein kleines Fahrgeschäft und ein Süßwarenstand, die sich ohne großen Aufwand am Standort des Wochenmarktes hätten präsentieren können“, sagt Baumgartner. Doch nur der „Guatlstand“ werde von diesem Angebot Gebrauch machen.

Anstelle von zehn festlichen Wiesn-Tagen sind es bei der Festwirtsfamilie Zens nun stille Tage zu Hause in Hofthambach, wo sie immerhin seit einer Woche wieder ihr Wirtshaus öffnen dürfen. Bei Josef und Anneliese Zens war schon das Volksfest in Gerzen ins Wasser gefallen, jetzt wäre Neumarkt-St. Veit im Terminplan gestanden und Anfang Juli Gerzen. Drei große Feste, die den Hofthambachern nun in der Jahresbilanz fehlen werden. Doch jammern will die Seniorchefin Anneliese nicht: „Drei Mitglieder unserer Familie dürfen ja nach wie vor in die Arbeit gehen. Wir werden es überleben. Da gibt es Wirte, denen es schlechter geht!“

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Man ist in Hofthambach schon froh darüber, dass man wenigstens das Dorfwirtshaus wieder öffnen darf. Nicht nur des Umsatzes wegen: „Mir ist auch der Kontakt abgegangen. Die Unterhaltung mit den Menschen“, gibt Anneliese Zens zu. Die volksfestlose Zeit werde man verkraften, versichert die Wirtin. Alternativ gibt es die bekannten Volksfestschmankerl in diesem Jahr halt nicht im Festzelt, sondern im Wirtshaus. Und sonst gilt es eigentlich nur nach vorne zu schauen. Dass es hoffentlich ein Volksfest 2021 geben wird. „In welcher Form das sein wird, das bleibt spannend“, sagt Anneliese Zens.

Live-Musik bleibt weiterhin schwierig

Die Bäckerei Windhager, die zu Volksfestzeiten immer die Riesenbrezen an den Mann gebracht hatte, will nicht ein Jahr warten. Junior-Chef Markus Windhager will zumindest ein bisschen Volksfeststimmung aufkommen lassen, indem der die ganze Woche über mittags Wiesnschmankerl – von der Schweinshax‘n über Hendl vom Grill und Schweinswürstel – anbietet. Auch an musikalische Begleitung hatte er gedacht. „Wir sind auch beim Landratsamt vorstellig geworden. Aber die Auflagen waren zu groß. Zuviel Aufwand wegen der Hygienevorschriften, der bei einem Musiker noch eher zu stemmen gewesen wäre. Letztlich haben wir es nun sein lassen“, berichtet Egbert Windhager, der Senior in der Backstube.

Nix also mit großer Festtagsstimmung in Neumarkt-St. Veit. Es bleibt alleine die Bitte des Bürgermeisters an die Anlieger, wenigstens die Häuser zu beflaggen, „wie sonst beim Volksfestauszug“. In Zeiten von Corona das einzige, was also vom Volksfest geblieben ist.

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