„Die Raiffeisen sind nicht die einzigen“ – Private Lagerhäuser bieten Bauern Alternativen

Ohne Lagerhäuser geht es nicht, der Wettbewerb unter den Anbietern kommt den Bauern zu gute, sagt Bauernobmann Niederschweiberer.
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Ohne Lagerhäuser geht es nicht, der Wettbewerb unter den Anbietern kommt den Bauern zu gute, sagt Bauernobmann Niederschweiberer.

Die Diskussion um die Schließung und Verkürzung der Öffnungszeiten des Raiffeisen-Lagerhauses in Niederbergkirchen hat den Blick auf privat geführte Anbieter gelenkt. Der Bauernverband ist froh, dass sie das Angebot ergänzen und sieht vor allem einen Vorteil im Wettbewerb der Anbieter.

Neumarkt-St. Veit/Niederbergkirchen/Zangberg/Polling – Ein wichtiger Treffpunkt im Ort geht verloren, da ist sich der Ortsobmann des Bauernverbands Richard Petermeier aus Niederbergkirchen sicher. „Das Lagerhaus gehört zum Dorf.“ In Niederbergkirchen wird sich dieser Treffpunkt verändern, denn das Raiffeisenlagerhaus wird künftig seltener offen sein.

Den ursprünglichen Plänen nach wollte die Raiffeisenbank Neumarkt-St. Veit/Reischach das Lagerhaus schließen, nach Protesten örtlicher Landwirte bleibt es offen, allerdings mit verkürzten Öffnungszeiten.

Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer vom Bayerischen Bauernverband hält die neue Regelung für vertretbar. Er betont, dass momentan genügend Alternativen vorhanden seien, wo Bauern Futtermittel und Dünger erwerben oder Getreide verkaufen könnten.

Lagerhäuser bieten mehr als Silos

„Die Schließung des Niederbergkirchner Lagerhauses hat sich schon länger abgezeichnet“, sagt er. Mit den Mengen an Getreide und Co., die heutzutage geliefert würden, kämen ältere Lagerhäuser wie das in Niederbergkirchen nicht mehr zurecht. Deswegen würde man auf andere oder neue Lagerhäuser ausweichen, die den heutigen Standards entsprechen.

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Die großen Lagerhausbetreiber Raiffeisen und BayWa haben in der Region Standorte in Neumarkt St Veit, Waldkraiburg, Pleiskirchen oder Wurmannsquick. Dazu kommen privat geführte Lagerhäuser, wie das von Robert Geisberger aus Kaps bei Zangberg. „Wir haben insgesamt eine Lagerkapazität von 10 000 Tonnen für Getreide“, sagt Geisberger. Bauern könnten ihr Getreide auch dort einlagern und es später vermarkten oder selber weiterverwenden.

Viele Bauern auf Lagerhäuser angewiesen

„Manche Bauern haben Zuhause nicht genügend Lagerplatz, die lagern dann einen Teil ihrer Ernte bei uns“, betont er die grundsätzliche Notwendigkeit von Lagerhäusern.

Für Kreisobmann Niederschweiberer sind privat geführte Lagerhäuser damit genauso wichtig wie die großen Firmen und Genossenschaften. „Wichtig ist, dass es verschiedene Lagerhäuser gibt. So kann sich kein Marktmonopol bilden und die Preise bleiben in einem stabilen Gleichgewicht.“ Für den Bauern sei eine Auswahl zwischen verschiedenen Lagerhäusern von Bedeutung, damit er aus unterschiedlichen Angeboten das passende heraussuchen könne.

Futtermischungen im Angebot

Neben dem Ankauf und der Lagerung von Getreide bietet Geisberger auch Futtermischungen an. „Die Bauern können sich ihre Futtermischungen auf Wunsch individuell zusammenstellen lassen“, das sei das besonder an seinem Lagerhaus. „Wir verkaufen nicht die Standardmischung aus industrieller Herstellung, sondern gehen auf die Wünsche der Bauern ein.

Möglich macht das unter anderem eine neu errichtete Halle mit Lagerung und eigener Futtermischanlage sowie die fahrbaren Mahl- und Mischanlagen, die zum Fuhrpark des Agrarhandels gehören. „Damit fahren wir direkt zum Bauern. Er kann sich sein Getreide daheim mahlen und mit Zusatzstoffen mischen lassen.“

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Seitdem die Brüder Robert und Bernhard Geisberger den Betrieb im Jahr 2005 von ihrem Vater übernommen haben, ist der Betrieb ständig weitergewachsen. Im Jahr 2019 kam die letzte Erweiterung hinzu, eine Lagerhalle mit Futtermischanlage, die in diesem Frühjahr in Betrieb genommen wurde.

Wichtige Ergänzung zugunsten der Landwirte

Auch in Polling hat ein gibt es ein privat geführtes Lagerhaus. Eduard Bauer betreibt es, hat etwa 1000 Tonnen Lagerkapazität und einen Landhandel. „Das Lagerhaus gehört genauso zum Dorf wie der Dorfladen“, ist Bauer sich gewiss. „Jeder Bauer schätzt es, wenn er während der Ernte nicht weit fahren muss zum Lagerhaus und auch abends noch schnell herkommen kann.“ Deshalb seien private Lagerhäuser eine wichtige Ergänzung des bestehenden Angebots.

Die Traktoren sind schneller geworden

Wie viele private er gibt, weiß aber auch Bauer nicht. Viele, das betont er, sind es aber nicht. Die Zahl kennt auch Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer nicht. Er ist aber froh, dass es verschiedene Lagerhäuser in der Region gibt, die in einem Wettbewerb stehen. „Anders als zum Beispiel viele Molkereien kommen die Lagerhäuser den Bauern entgegen. Sie haben ein offenes Ohr und machen keinen Unterschied zwischen den Anliegen größerer und kleinerer Betriebe.“

So müsse der Bauer zwar an größere Entfernungen in Kauf nehmen, könne aber ein breites und hochwertiges Angebot nutzen. „Die Wege zum Lagerhaus sind zwar weiter geworden, aber die Traktoren auch schneller.“

Längst gibt es im Landkreis auch privat geführte Lagerhäuser für Getreide und Co. Robert Geisberger führt ein solches in Zangberg. Nach Ansicht von Bauernobmann Ulrich Niederschweiberer sind sie eine gute Ergänzung des Angebots von Raiffeisen und BayWa.

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