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Adliger Besuch in Neumarkt

Die letzten glücklichen Friedenstage im Königreich Bayern mit König Ludwig

Bei seinem Besuch 1914 empfangen die Gemeinderatsmitgliedern aus Neumarkt den König.
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Bei seinem Besuch 1914 empfangen die Gemeinderatsmitgliedern aus Neumarkt den König.
  • VonWalter Jani
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Vor 100 Jahren starb der letzte bayerische König Ludwig III. Als ältester Sohn des 1912 verstorbenen Prinzregenten wird er dessen Nachfolger und, nach der Verfassungsänderung vom 5. November 1913, zum König erklärt. Im Folgejahr besuchte König Ludwig III. per Eisenbahn viele Städte und Märkte in seinem bayerischen Königreich. So auch am 18. Juni 1914 Neumarkt an der Rott.

Neumarkt-St.Veit – Mit seinen 1600 Einwohnern befindet sich dieser im wirtschaftlichen Aufschwung, er ist Eisenbahnknotenpunkt und Sitz des Distrikts Neumarkt an der Rott.

Der Markt beherbergt neben der königlichen Bahn- und Postverwaltung außerdem ein Amtsgericht, eine Polizeistation mit Gefängnis, ein Bezirkskrankenhaus und in der Nachbargemeinde St. Veit den Sitz der Pfarrei. Besonders unter Bürgermeister Franz Einmayr, der im Frühjahr 1914 das Jubiläum zum 30-jährigen Dienst feierte, ist der Markt aufgeblüht.

Seit Wochen fieberte die gesamte Bevölkerung dem 18. Juni entgegen, zu dessen Vorbereitung alles aufgeboten wurde. Am Bahnhofsgebäude wurde auf der Straßenseite eine Ehrentribüne für die königliche Familie aufgebaut, wo sie die Huldigung ihrer Untertanen entgegennehmen sollte.

Der große Tag begann mit Böllerschüssen und einem Glockengeläute, als der königliche Sonderzug von Passau in die Station eingefahren war. Am neugebauten Bahnsteig 1 empfing Bürgermeister Einmayr die königlichen Hoheiten und geleitete sie zur Tribüne, wo bereits tausende von Besuchern auf ihren Herrscher warteten.

Weißblauer Empfang in Neumarkt

Aufmarschiert waren der gesamte Gemeinderat, die Adeligen der Gegend sowie die Vereine mit ihren Fahnenabordnungen. Mit weißblauen Fähnchen ausgestattet, standen hunderte Schüler und ein Heer in weiß gekleideten Mädchen bereit und warteten auf das Ereignis. Aus den umliegenden Orten waren zwölf Veteranenvereine gekommen, neben ihnen marschierte die Knabenkompanie Neumarkt in den Uniformen von 1809 auf, der Stolz des hiesigen Veteranenvereins.

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Die Stimmung der Besucher beschreibt Redakteur Hermann Döring im Neumarkter Anzeiger zwei Tage später wie folgt: „In unserer dem Großstadtbetriebe mit politischen Wirrwarr fernen Gegend lebt noch ein alter, kernhafter Menschenschlag, welcher treu und unerschütterlich zu seinem Herrscherhause in Treu und Leid steht und welcher lebhaft empfindet, dass auch unser König seinem Volke die Treue hält und stets bestrebt ist, nur für sein Land in so wahrhaft edlem Sinne zu wirken.“

Ein dreifaches „Hoch„ auf das Herrscherhaus

Es folgten die Ansprachen des Bezirksamtmanns Speth aus Mühldorf und des Neumarkter Bürgermeisters. Das dreifache „Hoch“ auf das Herrscherhaus fand rauschenden Widerhall, die Musik intonierte eine Strophe der Königshymne und alles sang mit, beschrieb der Redakteur die Szenerie. Die Kinder überreichten Blumengeschenke an die Prinzessinnen.

Zum Schluss erfolgte die Verleihung der Verdienstorden, bevor der Hofzug unter Absingen der Königshymne den Bahnhof Neumarkt in Richtung Vilsbiburg verließ.

Das Ende einer langen Zeitepoche

Keiner der Teilnehmer an diesem denkwürdigen Tag wird wohl zu diesem Zeitpunkt erahnt haben, dass kurz nach diesem Besuch eine Zeitenwende bevorsteht. Sie beginnt zehn Tage später mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin Herzogin Sophie bei einem Besuch in Sarajewo.

Das deutsche Kaiserreich tritt nach diesem Ereignis an die Seite der Donaumonarchie und am 1. September 1914 beginnt nach einer 43-jährigen Friedenszeit der Erste Weltkrieg. An dessen Ende stehen Millionen von Toten, darunter auch viele Neumarkter Söhne, die zuvor beim Königsbesuch anwesend waren.

Für die Monarchie in Deutschland bedeutet der Kriegsausgang das Aus und auch in Bayern geht nach einer 738 Jahre währenden Herrschaft der Wittelsbacher-Dynastie eine lange Zeitepoche zu Ende.

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