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SO BERICHTETE DER ANZEIGER VOR 36 JAHREN

Die Digitalisierung von Mühldorfs Schulen begann in Neumarkt-St. Veit

Der ehemalige Lehrer und VHS-Leiter Charly Giesdorf (77) war Pionier, machte die erste Computergeneration auch an den hiesigen Schulen salonfähig. Heute staunt er darüber, wie schnell sich die Technologie weiterentwickelt.
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Der ehemalige Lehrer und VHS-Leiter Charly Giesdorf (77) war Pionier, machte die erste Computergeneration auch an den hiesigen Schulen salonfähig. Heute staunt er darüber, wie schnell sich die Technologie weiterentwickelt.
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Neumarkt-St. Veit – Sein großes Interesse an der Mathematik allgemein und an den aus den Vereinigten Staaten aufkommenden neuen mathematischen Systemen beschäftigte den Studenten Charly Giesdorf bereits während seines Mathematik-Studiums schon an der Uni in Bochum.

Bei seinem Dienstbeginn Anfang der Siebzigerjahre als Lehrer an der damaligen Hauptschule in Neumarkt-St. Veit fiel ihm die Unsicherheit seiner Kollegen auf, die diese bei der neu einzuführenden Mengenlehre hatten.

Dabei schwebte ihm aber auch schon der aus Amerika kommende Computer vor, dessen großartige Möglichkeiten für Unterricht und Büroarbeiten er gerne verwirklicht hätte. „Die Heimcomputer wie Atari oder Commodore 64, Amiga 500 begeisterten Jugend und Erwachsene“, erinnert sich Giesdorf. „Diese zum Großteil als Spielecomputer benützten Geräte wollte ich sinnvoll für Schule und Unterricht einsetzen.“ Das versuchte er auch seinen Kollegen schmackhaft zu machen.

Diese Ideen blieben dem Schulamt nicht verborgen, und der damals zuständige Schulrat Franz Holzner bestellte Charly Giesdorf zum Fachberater Informatik. „Die Folge war, dass ich auf Fortbildungen nach Dillingen geschickt wurde. Abgesehen von ein paar Computerfreaks in Bayern waren wir alle Neulinge in dem neuen Schulfach.“ Sein dort erlerntes Wissen verteilte er nach und nach als „Multiplikator“ in den Schulen des Landkreises.

Seine Aufgabe bestand zunächst darin, die Lehrer in MS DOS und später in WINDOWS mit Fortbildungen zu unterrichten. Zudem half er den Schulleitungen bei der Bestellung von Hard- und Software. Er erstellte verschiedene Manuskripte zu der Entwicklung der Betriebssysteme beziehungsweise der PCs (Personalcomputer), und gab diese bei Fortbildungen an Interessierte weiter. An der Hauptschule Neumarkt-St. Veit wurde erstmalig der SIEMENS-PC-D (Personal Computer), der erste MS-DOS-PC der Siemens AG, eingesetzt. Der PC-D verfügte über sage und schreibe 128 Kilobyte Arbeitsspeicher. Zum Vergleich: Moderne Computer zum gewöhnlichen Hausgebrauch verfügen heutzutage über acht Gigabyte Arbeitsspeicher – 62 500-mal mehr als zu Pionierszeiten.

 Das 5,25-Zoll-Diskettenlaufwerk unterstützte damals neben dem 360 Kilobyte-IBM-Format (40 Tracks) auch das im PC-Sektor unübliche Format von 720 Kilobyte (80 Tracks). Die 5,25-Zoll-Diskette fasste 720 kByte, die Kapazität wurde allerdings später noch gesteigert. 1978 begann die Herstellung von Diskettenlaufwerken, die Datenträger mit 1,2 Megabyte Speicher unterstützten. Der PC-D besaß noch keine Festplatte zum Speichern der Daten.

„Als Fachberater Informatik hatte ich die Aufgabe, Schulen auf die Einrichtungen mit PCs zu beraten und die Lehrer mit den Anforderungen des neuen Faches vertraut zu machen. Anfangs war die Reaktion eher negativ in der Lehrerschaft. Dennoch war unser Schulamtsbezirk einer der ersten in ganz Bayern, in dem die Schulen mit PCs arbeiteten.“

Giesdorf erhielt an Neumarkts Hauptschule die Möglichkeit, Hard- und Software im Unterricht zu verwenden. An vier kleinen PCs im Schreibmaschinenraum unterwies er anfangs interessierte Schüler, und später veranstaltete er in dem umgebauten Maschinenschreib-Zimmer anfangs mit diesen vier, später mit acht PCs dort sogar Kurse an der VHS für Einsteiger und leicht Fortgeschrittene.

Mittlerweile entwickelte die Regierung Programme zur Organisation in der Schulverwaltung. Diese verändern die Arbeitsweise im Rektorat, sodass ohne Computer der immer anspruchsvollere Schulbetrieb mit der Speicherung wichtiger Schülerdaten nicht mehr so aufrechterhalten werden könnte. Und in Zeiten von Corona wäre eine Beschulung ohne die elektronischen Helfer zu Hause ohnehin nicht möglich. Seit über einem Jahr funktioniert der Austausch zwischen Lehrern und Schülern auf digitaler Ebene – mehr oder weniger. Nicht die Programme sind hier das Problem in der Kommunikation, sondern die digitalen Autobahnen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und wie sieht Giesdorf die Entwicklung auf dem digitalen Sektor? „Es ist formidabel“, sagt der 78-Jährige der erstaunt darüber ist, wie sicher selbst Kleinkinder mit den technologischen Weiterentwicklungen umgehen. Selbst seine dreijährige Enkelin beherrscht den Umgang mit Hightech-Endgeräten. „Da werden Bilder mit dem Handy gemacht, verschickt und zu Musikvideos Tanzvideos gedreht. Was früher eine große Kiste nicht geschafft hat, erledigt heute ein handtellergroßes Handy!“

Der erste MS-DOS-PC der Siemens AG, der an der Hauptschule in Neumarkt-St. Veit zum Einsatz kam.

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