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Deutsch-französischer Botschafter

Wer gehört zum Top-100-Club der Elsässer in aller Welt? Natürlich auch Elsaßbäcker Toni Jung.
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Wer gehört zum Top-100-Club der Elsässer in aller Welt? Natürlich auch Elsaßbäcker Toni Jung.

Heute ist deutsch-französischer Tag. Für den Schönberger Antoine Jung vor allem ein Tag der deutsch-französischen Freundschaft, die im Landkreis wohl niemand so verkörpert wie der 52-Jährige. Vor 25 Jahren ist er ausgezogen, um etwas Elsass nach Bayern zu bringen. Aber auch seine Heimat profitiert vom Austausch.

Schönberg – Spitzbübisch blättert Antoine Jung in einem Bildband. Wer den Elsaßbäcker kennt, weiß: Jetzt präsentiert er etwas, womit man nie rechnen würde. Rallyefahrer Sébastien Loeb ist im Buch zu finden, der Kabarettist Etienne Gillig und der Handball-Torwart Thierry Omeyer – alles prominente Elsässer. Und plötzlich grinst auch Toni Jung aus dem Buch: „Ich zähle zu den 100 berühmtesten Elsässern auf der Welt“, erklärt Toni Jung umgehend und nicht ohne Stolz.

Dabei hat der Bäckermeister schon vor 25 Jahren seine Heimat verlassen, ist tief verwurzelt in Bayern, wo er als Elsaßbäcker durchgestartet ist und zum Botschafter zwischen Bayern und Franzosen geworden ist. Der Liebe wegen hatte er vor einem Vierteljahrhundert Rittershoffen verlassen. Über eine Heiratsvermittlung – speziell auf Bäcker ausgelegt –war er auf Bärbel Fichtl, Bäckerstochter aus Schönberg, gestoßen. 1993 trafen sich die beiden zum ersten Mal. Im März 1994 wurde geheiratet.

Diese Zielstrebigkeit ist es, die den Wahl-Schönberger in den Folgejahren immer ausgezeichnet hat. Den seit 1957 bestehenden Bäckerbetrieb seines Schwiegervaters hat er in den Folgejahren immer wieder vergrößert und modernisiert. Waren es vor 25 Jahren noch sechs Mitarbeiter, beschäftigt der Toni mittlerweile 60 Personen in sieben Filialen.

Klingt nach viel Arbeit – ist es auch. Und dennoch findet Toni Jung Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren; in erster Linie, um Menschen zusammenzubringen. Und da liegt ihm der Austausch zwischen weißblauen Rauten und des Bleu-Blanc-Rouge des französischen Banners besonders am Herzen. Die erste Fahrt der Schönberger ins elsässische Rittershoffen fand 1998 statt. Inzwischen sind beide Gemeinden eine feste Partnerschaft eingegangen. Dass mittlerweile ein Maibaum die Dorfmitte von Rittershoffen ziert, Elsässer mit Lederhose rumlaufen und Bierfeste dort stattfinden, versteht sich von selbst. „Andererseits genießen wir in Schönberg französischen Rotwein“, erzählt der „Bäck“.

Man ist kein Franzose, hätte man nicht auch ein Faible für die Tour De France. Das mag bei Toni Jung auch daran liegen, dass der ehemalige Rennradprofi Christophe Kern ebenfalls aus Rittershoffen stammt. Jungs Leidenschaft zum Radsport macht sich jedenfalls auch in unserer Region bemerkbar: Dank seiner guten Kontakte nach Velden gibt es seit 2015 ein Radkriterium für Hobby- und Profifahrer, das der Elsaßbäcker mitorganisiert. Wen wundert es da noch, dass der Elsaßbäcker, der Erfinder der Radl-Brez‘n, inzwischen auch noch offizieller Bäcker der Bayern-Rundfahrt ist? Die Urkunde dazu hängt bei ihm in der Backstube. Ebenso die Ehrungen zahlreicher regionaler Vereine, in denen Jung Mitglied ist. „An die 40 werden es wohl sein. Da kommen heuer einige Urkunden für 25-jährige Mitgliedschaft dazu“, lacht er.

Toni Jung interessiert im Rahmen der deutsch-französischen Freundschaft nicht nur seine Heimatgemeinde. Er engagiert sich auch mit Waldkraiburg für ein gutes Miteinander mit deren Partnergemeinde Sartrouville, Jettenbachs gute Beziehungen zu Saint Saturnin unterstützt Jung ebenso. Elsaß-Bayern-Verein, Montgelas-Gesellschaft – es dauert, bis Jung die Liste seines Engagement hierzulande aufzählt.

Wenn das elsässische Fernsehen kommt, um eine Reportage über Bayern zu drehen: Toni Jung ist mitten drin, statt nur dabei. Das tut er mit voller Begeisterung und stets mit seinem unverwechselbaren elsässischem Akzent. Denn, das muss Toni Jung zugeben: In 25 Jahren hat er es noch nicht gelernt, Bayerisch zu reden. „Das muss auch nicht sein. Man kommt besser mit Leuten ins Gespräch, wenn die fragen, woher ich komme.“

Im Gespräch wird Jung dann auch mal ernst, wenn es politisch wird. Und dann muss sich so ein Macher wie Jung ärgern: „In Frankreich steckt wahnsinnig viel Potenzial. Doch die Regierung schafft es nicht, das Land ins Laufen zu bringen. In Deutschland ist das besser!“ Dort nämlich liege die Arbeitslosigkeit bei vier Prozent, im Elsass seien es zehn. Dabei grenze das Elsass an Baden-Württemberg und an die Schweiz, prosperierende Nachbarregionen. „Aber die Franzosen sind zu stolz, um rüberzufahren.“ Solche Barrieren sollten eigentlich der Vergangenheit angehören, findet der immer um einen Kompromiss bemühte Jung als halber Bayer und halber Franzose. Nur in einer Sache, da bleibt er konsequent: Wenn es um Fußball geht. Da ist Jung ganz und gar Franzose. „Mein Sohn hingegen ist Deutschland-Fan. Wenn die Teams gegeneinander spielen, dann ist bei uns fünf Meter Abstand auf dem Kanapee.“ Doch gelte die Abmachung, dass niemand jubeln darf, sollte sein Team gewinnen. Und so hat sich Jung nur heimlich gefreut als „Les Bleu“ vor drei Jahren Deutschland aus dem EM-Turnier gekickt haben.

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