Regionale Produkte

Der Kramerladen aus dem Automaten –Mühldorfs Bauernverband sieht darin eine große Chance

Familie Maier vor der Ruhebank ihres Verkaufshäuschens: (von links)Vater Georg, Tochter Lisa, Mutter Monika und der Initiator Sohn Michael.
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Familie Maier vor der Ruhebank ihres Verkaufshäuschens: (von links)Vater Georg, Tochter Lisa, Mutter Monika und der Initiator Sohn Michael.
  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Direktvermarktung ab Hof: Immer mehr Landwirte vermarkten ihre Produkte selbst und sorgen damit für die Nahversorgung selbst in den kleinsten Winkeln des Landkreises

Neumarkt-St. Veit – Einladend führt eine kleine Straße von der MÜ 36 zwischen Hörbering und Haunertsholzen zum Dachsberg-Hof. Dort wohnt Musiker-Familie Maier, die als „Bergdachsen“ weitum bekannt sind. Doch in Zeiten von Corona ist das Musikmachen in den Hintergrund geraten, man hat sich andere Ziele gesetzt.

Also hat die Familie ein Konzept entwickelt, Produkte vom Dachsberghof selbst zu vermarkten. Vor 25 Jahren hat der letzte Kramer in Hörbering geschlossen – jetzt gibt es wieder einen Nahversorger im Süden des Neumarkter Gemeindeteils.

Für Bedienungen und Musiker nichts zu tun

„In normalen Zeiten ist es an Wochenenden auf unserem Hof sehr ruhig“, erklärt Mutter Monika Maier. „Hier wohnen neben Opa Konrad und Tochter Lisa noch zwei Musiker und eine Bedienung. Wir waren da immer viel unterwegs.“ Doch für Musiker und Bedienungen gibt es seit mehr als einem Jahr nichts zu tun.

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Heftig trifft Corona vor allem Vater Georg und Sohn Michael. Die Vollblutmusiker spielen mit den „Bergdachsen“ in der Saison normalerweise jedes Wochenende. Michael hat außerdem eine Firma für Veranstaltungstechnik. Doch auch diese Branche hat Corona ausgebremst.

Frisches aus der Verkaufshütte

Viel Zeit, um nachzudenken. Und so entwickelte sich die Idee, in die regionalen Direktvermarkung einzusteigen. Und so zimmerte der gelernte Schreiner mit seinem Sohn eine Verkaufshütte, in die er einen Warenautomat stellte. Produkte ihres landwirtschaftlichen Bio-Betriebes – Eier, Milch, Käse, Honig, Rindfleischerzeugnisse – können dort 24 Stunden lang an sieben Tagen der Woche aus den Fächern gezogen werden.

Reich ist das Angebot in dem Automaten am Dachsberg – Hof.

Außerdem stehen den Kunden weitere Produkte des täglichen Bedarfs zur Verfüung, wie Fleisch und Wurst, Joghurt, Müsli oder Tee.

Früher gab es zwei Kramerläden und einen Bäcker

„Wir hatten mal zwei Kramerläden und einen Bäcker, der nach der Schließung der Geschäfte weitere Lebensmittelprodukte ins Sortiment aufgenommen hatte. Aber vor etwa 25 Jahren machte auch der zu“, erinnert sich Michael Asbeck, ehemaliger Zweiter Bürgermeister von Neumarkt-St. Veit.

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Er freut sich umso mehr darüber, dass ein Landwirt aus dem Ort Produkte aus eigener Erzeugung verkauft. „Das spart die Fahrt in die Supermärkte nach Massing oder Neumarkt“, sagt Asbeck. „Das Beste aber ist: Man unterstützt einen einheimischen Betrieb.“

Der Umsatz auf den Bauernmärkten boomt

Die Idee der Direktvermarktung ist nicht neu. Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Ulrich Niederschweiberer, stellt fest, dass besonders im vergangenen Jahr das Angebot von regionalen Produkten ab Hof deutlich zugenommen hat. „Die Leute kaufen bewusster ein, wollen wissen, woher die Ware kommt.“ Das zeige sich auch auf den Bauernmärkten, die der BBV beziehungsweise regionale Erzeuger in Mühldorf, Haag, Altötting, Gars und Waldkraiburg abhalten.

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Viele Lebensmittel des täglichen Bedarfs

„Wir sehen, dass die Wertschätzung zugenommen hat und auch der Kundenstamm hat sich erweitert“, sagt Niederschweiberer, der selbst einen Stand auf Bauernmärkten betreibt. Er spricht von einer Umsatzsteigerung in Höhe von etwa 30 Prozent im vergangenen Jahr. Bio-Produkte erfreuten sich wachsender Beliebtheit.

Kunden kaufen lieber an der frischen Luft ein

Einen Grund für die größere Akzeptanz sieht Niederschweiberer darin, dass die Kunden bevorzugt im Freien einkaufen wollen, um damit in Zeiten von Corona auch den Aerolosen im Supermarkt aus dem Weg zu gehen. „Es ist nachhaltiger, weil weniger Verpackung nötig ist. Die Wege sind bei der Direktvermarktung kürzer und auch der Preis ist nicht unbedingt höher, weil man das Produkt ja direkt beim Landwirt kauft“, erklärt der Kreisvorsitzende.

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Geschäftsmodell, hat mit Eiern und Milch begonnen

Der Verkauf via Automaten sei mittlerweile zum Geschäftsmodell geworden, weil kein zusätzliches Personal nötig ist. Niederschweiberer kann sich gut an die Zeit erinnern, als das mit den Automaten begonnen hat. Zu Beginn seien vor allem Eier und frische Milch, feilgeboten worden, doch mittlerweile böten diese „Hofläden“ auch weitere Lebensmittel des täglichen Bedarfs.

Selbst ein Eis gibt es

Im Grunde sei dem Sortiment kaum eine Grenze gesetzt: Wenn beispielsweise Radltouristen den Dachsberghof passieren, können sie zukünftig nicht nur Erfrischungsgetränke aus dem Automaten auf dem Ruhebankerl genießen. Selbst Eis gibt es mittlerweile in solchen Verkaufshäuschen.

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