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Der „Dalí“ aus Niederbergkirchen ist tot: Künstler Edi Sommer (68) stirbt unerwartet

So kannte man Edi Sommer: Schlohweißer Henriquarte-Bart und Kopftuch. Das Bild zeigt ihn bei einer Ausstellung 2019 im Landratsamt Mühldorf, wo er seine Bilder aus der „Anderwelt“ präsentierte.
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So kannte man Edi Sommer: Schlohweißer Henriquarte-Bart und Kopftuch. Das Bild zeigt ihn bei einer Ausstellung 2019 im Landratsamt Mühldorf, wo er seine Bilder aus der „Anderwelt“ präsentierte.
  • Josef Enzinger
    VonJosef Enzinger
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Noch am Mittwochabend hatte Edi Sommer sein letztes Bild auf seine Facebookseite gestellt, wenig später ist er gestorben. Nachruf auf einen Künstler, der die „Anderwelt“ kreiert hat.

Niederbergkirchen – Musiker, Komponist, Tontechniker, Fotograf, digitaler Maler – es gibt kaum ein künstlerisches Segment, das Edi Sommer im Laufe seines Lebens ausgelassen hat. Unerwartet ist der Niederbergkirchener nun im Alter von 68 Jahren einem Herzleiden erlegen.

Dass Eduard Sommer später als Kunstschaffender seinen Lebensunterhalt bestreiten sollte, war ihm siche nicht bewusst, als er seinen Abschluss an der staatlichen Realschule in Altötting in den Händen hielt. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Bankkaufmann in der Bayerischen Vereinsbank, wo er sich zum Ausbildungsleiter hocharbeitete. Später wechselte er für zwei Jahre zur Commerzbank in Mühldorf. Er war Vorsitzender des Prüfungsausschusses und übernahm später die kaufmännische Leitung der Stadtbau Waldkraiburg.

Der letzte Facebook-Post von Edi Sommer zeigt ein Bild, das er am Abend seines Todes fertiggestellt hat.

Edi Sommer hatte immer schon ein großes Faible für die Musik. Der E-Bassist war in den 1970er-Jahren Gründungsmitglied der „Apollos“, die es heute noch gibt. Und er spielte zusammen mit Ercole Caputo und der Gospelsängerin Totlyn Jackson Gospels.

Schon 1992 macht sich schweres Herzleiden bemerkbar

Schon früh machte sich ein schweres Herzleiden bemerkbar, das 1992 eine Herzklappen-Operation zur Folge hatte und ihn zwang, beruflich kürzerzutreten. Vielleicht ein Fingerzeig, seine Passion, die Musik nun professionell zu betreiben. Denn Sommer hatte sich in Niederbergkirchen ein Tonstudio eingerichtet, erwarb sich damit einen guten Ruf, weit über die Landkreisgrenzen hinaus. Zahlreiche Blaskapellen und Bands ließen ihre Tonträger bei Edi Sommer erstellen. Der bekannteste unter seinen Kunden war Big-Band-Leader Ambros Seelos.

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Sommers letztes großes Werk gibt es in Erharting zu besichtigen an der Fassade des Hauses seines Schwagers, des ehemaligen Erhartinger Bürgermeister Georg Kobler. Dieses Bild, das im Corona-Sommer 2020 entstanden ist, hat Sommer selbst wie folgt bedeutet: „Die Menschen mussten sich vor einem tödlichen Virus schützen. Eine Rose, aus einem Stein entsprungen, brachte die Wende. Ein Schattenloser, in tiefer Meditation versunken, kniete lange Zeit vor der Rose. Da erkannte er die wundersamen Kräfte des heilenden Lichtes. Er übergab die Rose dem Fluss Isen und es kletterte daraus ein farbenprächtiger Schmetterling, mit Rosenmuster auf den Flügeln. Der Rosenfalter erhob sich und bunte Wolken trugen ihn fort. Sein strahlendes Licht verdrängte fortan die Dunkelheit.“

Fischen und Eisstockschießen als Hobbies

Der Pleiskirchener Kabarettist Horst Eberl nahm CDs bei Sommer auf. Humorist Fredl Fesl ließ von Sommer Werbebeiträge gestalten und legte auch viel Wert auf Sommers fotografische Fähigkeiten. „Aus unseren vielen Begegnungen, zum Beispiel im Tonstudio, beim Fotografieren, Fischen oder Eisstockschießen war eine langjährige Freundschaft entstanden. Ich wusste, dass Edi ein schwaches Herz hatte, aber es ist doch unfassbar, dass dieses Herz eines so kreativen Künstlers jetzt aufgehört hat zu schlagen“, so die Reaktion von Fredl Fesl auf die Todesnachricht.

Der Blick durch den Sucher – das war die zweite große Leidenschaft von Edi Sommer, der schon früh mit den digitalen Möglichkeiten der Bildbearbeitung experimentierte. Der Ritterschlag war, als sein Werk „Erdbeere trifft Eiswasser“ 2012 bei der Photokina in Köln ausgestellt wurde.

Sommer kreierte einen eigenen Stil

Die digitale Bearbeitung seiner Bilde r – daraus kreierte der 1953 in Mühldorf geborene Künstler einen eigenen Stil. „Meine Maltechnik nenne ich Digital-Matte-Painting. Das ist eine Mischtechnik, bei der Digital-Painting, Composing und Foto-Texturen zu einer Einheit verschmelzen“, erklärte Sommer zu Lebzeiten diese Technik, bei der er sich künstlerisch an Salvador Dalí und Jan Saudek orientierte. „In meinen surrealen Bildgeschichten zeige ich Überwirklichkeiten, die zuerst geplant und anschließend als Gemälde umgesetzt werden. Ideen finden sich im Alltagsgeschehen oder visionär auf Parallel-Welten, auf der Vorgänge außerhalb unserer Vorstellung stattfinden.“

Ausstellungen führten ihn sogar bis nach Paris

Mit dem Kunstverein Inn-Salzach, dem er seit 2011 angehörte, stellte er im Oktober 2012 seine Bilder in Sartrouville, in der Nähe von Paris aus – für ihn einer der Höhepunkte seiner künstlerischen Laufbahn. Der langjährige Vorsitzende des Kunstvereins, Gernot Sorgner, adelte den Niederbergkirchener einst als „Surrealist, der auf Dalís Spuren wandert“. Überzeugen kann man sich unter anderem im Mühldorfer Wasserschlössl, wo seine Gemälde ganze Wände zieren.

Profimusiker verleihen den Werken Sommers eine Stimme

Gewagt war die Präsentation seiner Bilder 2014 im Stadtsaal, als der unlängst verstorbene Saxofonist Michael Ross und Pianist Fritz Killermann zusammen mit dem Mühldorfer Symphonieorchester das Experiment wagten, die Bilder Sommers musikalisch zu interpretieren. Sommers letztes großes Werk gibt es in Erharting zu besichtigen an der Fassade des Hauses seines Schwagers, des ehemaligen Erhartinger Bürgermeister Georg Kobler.

Bilder, die Geschichten erzählen, leben länger

„Seine Bilder sollten eine Geschichte erzählen, weil interessante Bilder länger leben“, nennt seine Frau Marianne den künstlerischen Imperativ ihres Mannes. Der Block auf dem Nachtkästchen durfte nicht fehlen, verrät seine Frau, „denn in der Nacht kamen ihm oft die besten Einfälle“. Mit Marianne hat er zwei Söhne. Vier Enkelkinder, zwei Mädchen und zwei Buben, waren der große Stolz des Künstlers.

Surrealist mit Blick auf die „Anderwelt“

Zwei seiner Enkelkinder durften sich mit Strichmännchen noch auf seinem letzten Bild verewigen, das am letzten Abend entstanden ist und das er wenige Stunden vor dem Tod auf seine Facebookseite stellte. „Kommunikationsapparat – Eine surreale Imagination“, hat er es genannt. Sommer liebte Wortspiele zu seinen Bildern.

„Neues aus der Anderwelt“ nannte er seine ersten Auftritte in der Öffentlichkeit. Die „Anderwelt“ – in eine solche ist Sommer nun übergegangen, nachdem er aufgrund seines Herzleidens in den vergangenen Wochen immer schwächer geworden war und nun in seinem Zuhause in Niederbergkirchen für immer die Augen schloss. Mit persönlichen Worten verabschiedet sich Sommer von seinen Freunden und Bekannten in den sozialen Netzwerken: „Mein Leben auf der Erde habe ich mit viel Liebe und Freude genießen dürfen. Leider ist es für mich nun Zeit geworden, Lebewohl zu sagen. Seid nicht traurig, für mich beginnt jetzt ein neues Kapitel auf der Parallelerde.“

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