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Denkmal mit persönlicher Geschichte

Das Kriegerdenkmal in Neumarkt-St. Veit: Der Künstler und Bildhauer Paul Schwaiger hat den ruhenden Soldaten gestaltet, wovon auch der Schriftzug auf Höhe der Füße des Soldaten zeugt (kleines Bild). Das Antlitz soll dem Gesicht des in Verdun gefallenen Bruders von Paul Schwaiger, Otto Schwaiger, nachempfunden worden sein. Foto je
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Das Kriegerdenkmal in Neumarkt-St. Veit: Der Künstler und Bildhauer Paul Schwaiger hat den ruhenden Soldaten gestaltet, wovon auch der Schriftzug auf Höhe der Füße des Soldaten zeugt (kleines Bild). Das Antlitz soll dem Gesicht des in Verdun gefallenen Bruders von Paul Schwaiger, Otto Schwaiger, nachempfunden worden sein. Foto je

Die diesjährige Gedenkfeier zum Volkstrauertag steht heuer ganz in der Erinnerung an den Beginn des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren.

Ein immerwährendes Mahnmal aus dieser Zeit ist das Kriegerdenkmal der Stadt Neumarkt-St. Veit an der Badstraße. Der ruhende Soldat entstammt der Neumarkter Künstlerfamilie Schwaiger.

Neumarkt-St. Veit - Das Denkmal in unmittelbarer Nähe zur Rott ist aus Anlass des Ersten Weltkrieges und seiner Opfer aus den damaligen Gemeinden Neumarkt an der Rott, Wolfsberg und St. Veit mit vielen Opfern und Bemühungen aus der Bevölkerung erst nach etlichen Jahren verwirklicht worden, wie der Ehrenvorstand der Krieger- und Soldatenkameradschaft Franz Luferseder weiß: "Obwohl man sich schon im Jahre 1921 darüber Gedanken machte, verhinderte die große Wirtschaftsflaute mit Inflation und dem akuten Geldmangel der Ersten Republik zunächst einen Baubeginn."

In der Folgezeit hatte dann offensichtlich Paul Schwaiger, Sohn aus der damals berühmten Familie von Bildhauern, Malern und Steinmetzen, dem man die künstlerische Gestaltung übertragen hatte, große Schwierigkeiten, seine gestalterischen Gedanken bei den Genehmigungsbehörden durchzusetzen. "Er wollte ein Denkmal gleich dem, das die Münchner im Hofgarten, vor dem damaligen Armeemuseum, heute Sitz der bayerischen Staatsregierung, ihren Gefallenen und Vermissten errichtet hatten." Dieses zeigt in der Uniform der Zeit einen ruhenden Soldaten mit Stahlhelm, Bajonett und Patronentaschen, gemeißelt aus grauem Granitstein.

Die Neumarkter Bürgerinnen und Bürger veranstalteten eine persönliche Sammlung, an der sich jedermann beteiligte. "Von den 2500 Goldmark des Notar Bachmaier bis zu den 25 Pfennigen einer Dienstmagd gab jeder sein Scherflein ab", hat Luferseder nachgeforscht.

Nachdem inzwischen auch Paul Schwaiger die Behörden von seinem Vorhaben überzeugen konnte, ging es an die Ausführung dieses Vorschlages. Dabei kam auch die persönliche Seite zum Tragen, so Franz Luferseder. Demnach hatte Paul Schwaiger einen Bruder Namens Otto, der im Alter von 20 Jahren bei den mörderischen Kämpfen im Vorfeld von Verdun 1916 gefallen war. Sein Gesicht soll in dem des toten Soldaten aus Granit, im Denkmal Neumarkts verewigt worden sein.

Darüber hinaus wurde ein kleinerer Epitaph aus weißem Kalkstein für Otto geschaffen, der früher am Sockel der Außenmauer von St. Veit angebracht war und heute beim Eingang zur Josefikapelle rechtsseitig angebracht ist. Die anderen Kameraden sind nach den Jahreszahlen des Krieges 1914/18 mit dem Tag und Ort ihres Todes auf den Steintafeln im Denkmal selbst verzeichnet.

Die Einweihung des Denkmals ist auf das Jahr 1938 datiert. Der Zeitgeist war ein anderer geworden, die Weimarer Republik bestand nicht mehr, an die Stelle des Hunderttausend-Mann-Heeres der Reichswehr war die Wehrmacht getreten. "Sie war durch eine Ehrenformation bei der Einweihung ebenso vertreten wie die seit 1933 regierenden Nationalsozialisten mit einem Zug der SA in ihren braunen Uniformen", bezieht sich Luferseder auf entsprechende Fotografien der Einweihungszeremonie. "Dennoch dachte wohl niemand daran, dass bereits ein Jahr später der noch fürchterlichere und verlustreichere Zweite Weltkrieg beginnen könnte."

So musste man nach 1945 die Steintafeln mit den Namen der Gefallenen und Vermissten aus dem Gemeindebereich in der Reihenfolge der Jahre seit 1939 ergänzen und erweitern. Dies sei nach Ansicht Luferseders das Bild, welches sich den Teilnehmern an der Gedenkfeier des alljährlichen Volkstrauertages bietet: Eine beredte, dringliche Mahnung zur Bewahrung des Friedens in der Welt und ein Aufruf, die Opfer nie zu vergessen. re/je

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