Defizite in Leistung und Bildung

Das Foto zeigt Pensionistenbetreuer Walter Reichmann (links), der dem weit angereisten Ehrenpräsidenten Klaus Wenzel für den Gastvortrag dankt. nz
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Das Foto zeigt Pensionistenbetreuer Walter Reichmann (links), der dem weit angereisten Ehrenpräsidenten Klaus Wenzel für den Gastvortrag dankt. nz

Erharting – Mühldorfs rühriger Pensionistenbetreuer Walter Reichmann hatte zum regionalen Pensionistentag des Kreises Mühldorf auch die BLLV-Mitglieder aus den Kreisen Altötting, Berchtesgaden, Erding, Traunstein und Wasserburg geladen. Als Gastredner hatte der Ehrenpräsident des Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, für einen vollen Saal beim Erhartinger Pauliwirt gesorgt.

Seinen Rechenschaftsbericht erbrachte er als Kurzfilm, in dem die monatlichen Treffen mit Gesang, Musik, Informationen und Plaudereien gezeigt wurden, und der von Ausflügen und Bildungsfahrten berichtete.

Und der Mann, der acht Jahre lang „das Gesicht des BLLV gewesen“ ist und mit unüberhörbarer Stimme sich für Bildungs- und Schulpolitik in Bayern eingesetzt hatte, nannte unverblümt die Mängel der bayerischen Bildungspolitik.

Durch das fast jahrhundertalte Schulsystem, in dem der gemeinsame Schulbesuch nach vier Jahren Grundschule endet, könne von Gerechtigkeit keine Rede sein. Denn „der Sohn des Augenarztes hat eine siebenfach höhere Möglichkeit aufs Gymnasium zu kommen, als die Tochter der Putzfrau, die bei ihm arbeitet“.

Auch das bayerische Leistungssystem sei reformbedürftig, fügte Wenzel hinzu. Das alte System: Auswendig lernen - Abfragen - Benoten - Vergessen (A-A-B-V) führe nicht dazu, dass Schüler ihr Wissen reflektierten. Dazu seien Lernschritte in größeren Zusammenhängen nötig, in denen das Wissen immer wieder zur Anwendung komme.

Schlimm findet es der erfahrene Schulmann, dass die Bildungspolitik zentral von München aus gesteuert wird. Das Kultusministerium nehme keine Rücksicht auf soziale, wirtschaftliche oder altersgemäße Gegebenheiten in der Provinz. Hier empfahl Klaus Wenzel mehr Mut bei Lehrern und Schulleitern zu Eigeninitiativen, die man mit Eltern vorher abstimmen solle.

Vor allem aber plädierte er für eine – am besten zehnjährige – gemeinsame „Grundausbildung“. Dann ginge alles ohne Stress, und die Kinder könnten mit entscheiden, ob sie Studenten oder Handwerker werden sollten.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen wurden die Ideen in kleineren Gruppen vertieft. In ihrem Grußwort bedankte sich die Vorsitzende des Mühldorfer BLLV-Kreisverbandes, Sabine Kliem, bei den Pensionisten, die gerne als alte Hasen den jungen Kollegen mit Rat und Tat beiseite stünden und weiterhin Interesse an der modernen Schulpolitik zeigten.

Die kreiseigene „Pensionistencombo“ umrahmte den gesamten Pensionistentag mit unterhaltsamer Musik.

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