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Kuturträger von Neumarkt-St. Veit

Das Scheiden fällt schwer – ausdauernd sträubt sich die Liedertafel gegen ihre Auflösung

Diese 13 Sänger beschlossen in der Versammlung, ihre Liedertafel am Leben erhalten, aber nicht als eingetragenen Verein zu führen. Dritter von links ist der langjährige Vorsitzende Josef Klemisch. Unter anderem aus Krankheitsgründen fehlen auf dem Bild etwa noch einmal so viele Mitglieder.
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Diese 13 Sänger beschlossen in der Versammlung, ihre Liedertafel am Leben erhalten, aber nicht als eingetragenen Verein zu führen. Dritter von links ist der langjährige Vorsitzende Josef Klemisch. Unter anderem aus Krankheitsgründen fehlen auf dem Bild etwa noch einmal so viele Mitglieder.
  • Karlheinz Jaensch
    VonKarlheinz Jaensch
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Die Streichung aus dem Vereinsregister ist gar nicht so einfach. Davon kann die Liedertafel Neumarkt-St. Veit mittlerweile ein Lied singen.

Neumarkt-St. Veit – Dass sich Vereine auflösen, die Sport, Kultur oder die Geselligkeit ganz allgemein fördern, begann schon am Ende des vergangenen Jahrhunderts. Allein in der Rottstadt sind gerade Vereinigungen, die die Geselligkeit pflegen und Bedürftige unterstützen, von der Auflösung betroffen. Es mangelt überall an Nachwuchs, gerade bei den Funktionären.

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Dass jedoch eine Streichung aus dem Vereinsregister gar nicht so einfach ist, davon kann die Liedertafel Neumarkt-St. Veit mittlerweile ein Lied singen. Der Vorsitzende Josef Klemisch lud bereits Anfang 2021 zu einer Mitgliederversammlung. Diese unterstützte seinen Antrag, künftig nur noch als „nicht eingetragener Verein“ weiter zu bestehen. „Man müsste dann weniger Auflagen erfüllen, und es würde die Vorstandschaft entlasten“, war seine Begründung.

Auflösung ist laut Satzung nicht erlaubt

Weil aber in der ursprünglichen Vereinssatzung stand, dass der Verein nicht aufgelöst werden könne, wenn nur vier Mitglieder für den Weiterbestand sind, darf er nicht aufgelöst werden. Dieser Paragraf in der Satzung störte das Vereinsregisteramt, obwohl eigentlich von Auflösung gar keine Rede war. Es ging nur um die Streichung aus dem Vereinsregister. Deshalb war eine außerordentliche Vollversammlung nötig mit dem einzigen Tagesordnungspunkt: Satzungsänderung. Ohne Gegenstimme war die Versammlung für die ersatzlose Streichung des Paragrafen. Schnell war die Sitzung beendet. Da man nun aber mal versammelt war, nützten die Sänger die Gelegenheit, um zu besprechen, wie man die kommende – dirigentenlose – Zeit verbringen kann. So wurde dringend geraten, wenigstens zwanglose Treffen abzuhalten. Auch von einem gemeinsamen Wegfahren wurde gesprochen.

Aber bald ging man dazu über, in Erinnerungen zu schwelgen. Die hallenfüllenden Konzerte kamen zur Sprache, zu denen Musikliebhaber von weit angereist kamen. Auch die farben- und gestaltungsreichen Liedertafelbälle im Fasching hatten das kulturelle Leben in der Rottstadt bereichert. In nächster Zeit wird die Liedertafel nicht mehr zum Volkstrauertag am Kriegerdenkmal singen. Es wird auch keine Lieder mehr beim Gedenkgottesdienst für verstorbene Mitglieder geben.

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Fast alle erinnern sich an die letzten Vereinslokale. Vor 60 Jahren probten die meisten von ihnen noch im Café Seifried. Der Tod des Wirtes und langjährigen Vorsitzenden Hans Seifried zwang die Sänger, sich ein neues Vereinslokal zu suchen. Im Hotel Lobner wurden sie fündig, wo sie gerne aufgenommen wurden und wo sie sich auch wohlfühlten. Hier erlebten sie noch die Jahrtausendwende und ein weiteres Jahrzehnt.

Wechselnde Vereinslokale

Nach dessen Schließung war es das Gasthaus Schmidwirt, wo der Gesang viele Jahre gepflegt und geübt wurde. Aber schwere Schicksalsschläge zwangen bald zu einer erneuten Suche. Selbst das Pfarrheim stellte den Sängern in ihrer großen Not einen Probenraum zur Verfügung, ehe man im „Hotel Post“ ein neues Vereinsheim fand.

Dann spielte aber die Pandemie eine stark einschränkende Rolle, ehe durch den Tod des Dirigenten Rudi Aigner das aktive Singen zunächst ganz eingestellt werden musste. Unvergessene Erlebnisse verbinden die Sänger. Ganz aufgeben wollen sie ihren Verein noch nicht. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Liedertafel – ein großer Kulturträger der Stadt

Die Liedertafel hat in den vergangenen Jahrzehnten viel für die Kultur in Neumarkt getan. Doch dann musste über die Auflösung gesprochen werden. Auch, weil der Vorsitzende Josef Klemisch keinen Nachfolger findet. Fast ein halbes Jahrhundert lang führt Klemisch die Liedertafel, die zuletzt nur noch wenige Auftritte hatte.

Besonders hart hatte es den Chor getroffen, als im Jahr 2020 der Dirigent Rudi Aigner starb. Die Einschränkungen während der Corona-Krise, die auch mit einem Probeverbot einhergingen, trugen ihr Übriges dazu bei, dass über die Auflösung diskutiert werden musste.

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Damit stand ein Laienchor vor dem Aus, der als großer Kulturträger in der Rottstadt gilt. Die vor fast 120 Jahren gegründete Liedertafel war bislang zu einem Großteil auch ein Geselligkeitsverein, der nicht allein mit seinem Gesang das „deutsche Liedgut“ pflegte, sondern damit auch zur Unterhaltung der Bevölkerung beitrug. Dazu veranstalteten sie Abende mit Gesang, Theater und kunstvollen Einlagen.

Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg kurbelten die „Liedertafler“ das kulturelle Leben in ihrer Heimat wieder an. Schon früh erfreuten sie im Genossenschaftssaal mit Operettenaufführungen ihre Mitbürger.

Bei der Jahresversammlung im Oktober 2021 wurde beschlossen, den Verein aus dem Vereinsregister löschen zu lassen, so das er kein gemeinnütziger Verein mehr ist. Die Liedertafel ohne „e.V.“ wird sich künftig im Vereinslokal Gasthaus „Zur Post“ zu geselligen Treffen einfinden. Wenn aber keine Jugend dazukommt, dann wird auch das einschlafen. nz

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